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thl(iw) Endlich ist er da, der angekündigte Entwurf zur Richtlinie 06/01 „Technisch-medizinische Rettung nach Verkehrsunfällen“ des VFDB. Hier geht’s zum Download (7 MB, PDF). Wie erwähnt, es handelt sich um einen Entwurf, und Stellungnahmen, Änderungswünsche und Kommentare werden bis zum 30.1.2010 entgegen genommen (Infos). Ich gehe davon aus, dass es auch OK ist, diese hier zu veröffentlichen.

Grundsätzlich freue ich mich darüber, dass ein „Werk“ von einer „offiziellen“ (sorry für die vielen „“““)  Stelle zum Thema THL VU erschienen ist. Somit hätten wir einen Leitfaden, der dem „Stand der Technik“  – wenn er den juristisch so interpretiert werden könnte – entspricht. In anderen Worten: hier steht das, was als Minimum von einer Feuerwehr, die einen THL-Rettungssatz mitführt, erwartet wird.

Ein Paar Punkte möchte ich aufgreifen:

Zunächst wäre da die  – milde ausgedrückt – Diskussion zwischen Rettungskarte und Rettungsleitfaden Datenblatt. Die Möglichkeit, relevante Fahrzeugdaten im Notfall abzurufen, ist ein erstrebenswerter Zustand, und, wenn es nach mir ginge, gehört er sofort umgesetzt. Doch wie bereits auf der ersten Seite zu lesen, wird dies (in Form von eCall) voraussichtlich (!) nicht vor 2020 möglich sein. Mehr möchte mich mich auf dieses Glatteis nicht begeben, aber bis dahin warten und nichts tun ist eigentlich keine Alternative. Die Verfügbarkeit dieser Informationen ist im Sinne des Patienten, und ich wünsche mit ein Ökosystem, in dem die Karte und der Leitfaden sinnvoll kombinierbar sind.

Was aus meiner Sicht noch ein wenig deutlicher dargestellt werden sollte: wir reden hier von Unfällen mit Einzelfahrzeugen. Sollten mehrere Fahrzeuge beteiligt sein, so wird (vermutlich) davon ausgegangen, dass diese vereinzelt anzutreffen sind. Der Hintergrund des Gedanken: ein Fahrzeug zu immobilisieren macht Sinn, wenn es vereinzelt „herumliegt“. Wie bekannt sein dürfte, ist mein Spezialgebiet „LKW auf PKW“ (ersetze LKW mit Bus oder Bahnwaggon, und PKW mit „auf Seite“). Hier gehört es zum Vorgehen, beteiligte Fahrzeuge zu bewegen, da man ansonsten nicht an die eingeklemmten Person(en) herankommt. Unterm Strich ist das nicht schlimm, ja sogar begrüßenswert, jedoch sollte dieser Umstand unter Umständen etwas deutlicher hervorgehoben werden.

Ein letzter Punkt, der mir einzuordnen schwer fällt: es scheint mir so, als würde man hier einen enormen Spagat hinlegen. Damit meine ich, dass im gleichen Dokument sowohl „Standardvorgehen“ behandelt wird, als auch detailierte Dinge wie beispielsweise Arbeitstechniken mit Rettungsgerät. Deshalb sei die Frage erlaubt, auf was genau man eingehen möchte – geht es nicht nur um das Vorgehen, sondern auch um die Qualität der Arbeit, so vermisse ich eine Empfehlung zur Ausbildung in THL VU.

Nicht zuletzt durch die Veränderungen in den letzten, sagen wir mal, 5 bis 10 Jahren, ist dieses Thema bei der Brandausbildung sehr gut geregelt. Nicht nur PSA, sondern der Gang in RDA oder WGA sind mehr oder minder standardisiert. Im Umkehrschluss weiss ich beispielsweise als Einsatzleiter, mit welchem Ausbildungsstand ich rechnen kann, wenn ich Leute in den Innenangriff schicke.

Bei THL ist das mitnichten so. Es ist überhaupt gar nichts, aber nullkommanix geregelt. Wohl können einzelne Wehren auf eine gute Ausbildung bauen, und damit einen halbwegs sauberen Einsatzablauf hinlegen. Aber in der Fläche? Hier sind wir zehn Jahre oder mehr der Brandausbildung hinterher. Ich finde es schade, dass man hier in diesem Entwurf nicht zumindest eine Empfehlung ausgesprochen hat.

Und gerade im Bereich der THL ist das ein schnelllebiges Thema – wer schon mal einen alten Mondeo, und dann einen GolfVI „bearbeitet“ hat, weiss, wovon ich spreche. Ein Vorschlag zur THL-VU-Ausbildung wäre mein innigster Wunsch.

Die Frage ist auch, ob man überhaupt so sehr ins Detail gehen sollte. Wird nur Hydraulik angesprochen, klammert man die inzwischen weit verbreitete Säbelsäge (oder Pendelhubsäge) aus. In der Brandausbildung werden (korrigiert mich wenn ich falsch liege) keine konkreten Vorschläge zur Durchflussmenge von Strahlrohren ausgesprochen, oder ob man einen Turbolüfter einsetzen soll? Ich befürchte, dass man sich damit zu sehr eingrenzt („was hier nicht angesprochen wird, ist schlecht“), und dass man sich neue Techniken, Geräte usw. verbaut.

Wie gesagt, dies sind nur Anmerkungen. Im Grundsatz ist das Dokument absolut begrüßenswert und ich würde mich freuen, wenn viele Wehren die Möglichkeit nutzen, sich einzubringen.

Kommentare

11 Kommentare zu “Kommentar: VFDB Entwurf Richtlinie „Technisch-Medizinische Rettung nach Verkehrsunfällen“” (davon )

  1. FireGS am 17. Dezember 2009 20:34

    Hallo Irakli,
    den Punkt mit den Vorschlägen für  die Ausbildung in THL VKU würde ich ebenfalls begrüssen. Hingegen vertrete ich eine andere Auffassung in der Thematik Hydraulik/Säbelsäge. Nur weil Hydraulik angesprochen wird, heisst es ja nicht, dass andere mittel unzulässig sind. Dennoch sollte uns klar sein, dass Hydraulik die einzig vernünftige Möglichkeit ist, ein Fahrzeug neuerer Bauart zu schneiden. Säbelsäge ist sicher in einigen punkten ne nette Ergänzung, aber mit Sicherheit kein Ersatz und erstrecht noch weniger eine Rückfallebene. Ich sehe es eher als gefährlich an alternativen aufzuzeigen, die dazu führen könnten, dass aufgrund des geringeren Preises, die Hydraulik nicht oder nur bedingt erneuert (auf den aktuellen Stand gebracht ) würde.

  2. Klaus_Krebs am 17. Dezember 2009 21:35

    Hallo Irakli, ich denke, über Rettungsleitfäden und Rettungskarten gibt es keine Diskussion innerhalb des Entwurfs. Rettungsleitfäden und Rettungskarten (im Entwurf heißen die Datenblätter und es sind nicht die vom ADAC gemeint) sind unterschiedliche Dinge und müssen auch unterschiedlich betrachtet werden.

    Rettungsleitfäden geben Dir im Einsatzfall taktische Vorgaben mit auf den Weg, die durch die Hersteller für die verschiedenen Modelle  beschrieben sind (Diese entfallen meiner Meinung nach mit Einführung der Richtlinie). Die Frage lautet für mich, will oder brauche ich das als Leiter der technischen Rettung oder benötige ich vor allem Infos, wo welche Dinge im Fahrzeug verbaut sind?

    Genau darauf hin zielen nach meiner Meinung die Datenblätter aus dem Entwurf, die mir vor allem übersichtlich zeigen, wo was verbaut ist. Mit diesen Infos kann ich dann meinen Einsatz entsprechend planen. Ich vergleiche das grob mit Feuerwehr(einsatz)plänen. Die zeigen mir die Gefahren, den Einsatz aber plane ich selber. Das eigentliche Problem dabei ist die Identifizierung, E-Call kommt vielleicht 2020, bis dahin brauchen wir aber andere Möglichkeiten (Du kennst die Studie des ADAC?). Ideal dafür ist die Kennzeichenabfrage, die wird auch auf der ersten Seite gefordert. Dann habe ich Fahrzeugtyp, Rettungsdatenblatt und vielleicht als Krönung noch entsprechende Software, die mir z. B. Deaktivierungshinweise bei alternativen Antrieben aufzeigt.

    Gut finde ich es, dass “Standards” behandelt werden. Dazu gehören nach meiner Meinung heutzutage auch die in der Richtlinie aufgezeigten weiteren Techniken, es geht vieles einfach nicht mehr mit den bis jetzt erlernten „Standardtechniken“. Vor allem der Faktor Zeit wird vielen dabei zum Verhängnis. Die in der Richtlinie aufgezeigten Möglichkeiten sind Dinge, die jede Fw heutzutage in der TH beherrschen sollte.

    Die Ausbildung der Mannschaft und auch die Ausbildungsinhalte sollten nach der Einführung in den FwDV entsprechend auf die Richtlinie aufbauen, nicht umgekehrt. Als Beispiel, die Gerätebediener brauchen den „Einsatzplan“, also die Datenblätter nicht lesen können, der Einheitsführer aber muss das können. Also in der Truppausbildung eingehen auf die richtige Gerätebedienung und verschiedene Grundtechniken, die in der Richtlinie aufgezeigt werden. In der Führungsausbildung dann darauf entsprechend aufbauen, dazu gehört z. B. auch Fahrzeugkunde (Baukunde), damit ich Informationen aus Datenblättern entsprechend lesen und wie oben beschrieben einsetzen kann.

  3. Irakli West am 17. Dezember 2009 21:55

    Hallo Klaus, kurzer Hinweis, danke für die Berichtigung. Ich meinte natürlich nicht Leitfaden, sondern Datenblatt  – ist nun oben korrigiert.

    Freue mich über weitere Meinungsäußerungen!

  4. siehdas85 am 17. Dezember 2009 22:09

    …übrigens wird unter Punkt 3.4.1. Mindestausstattungsempfehlung eine Pendelhubsäge expliziet erwähnt.

  5. Sepp Grain am 18. Dezember 2009 09:00

    Hi, Patientenschutz aus Plexiglas(Pmma) halte ich persönlich für ungeeignet, da es zu leicht bricht und splittert. Man sollte es in bruchfesten Kunststoff umbenennen oder direkt Materialien festlegen, wie z.b. Weich PVC oder Polycarbonat

  6. Christian Lewalter am 18. Dezember 2009 09:24

    Mmmm. Lt. Google Chrome benötigt der Download für die Richtlinie noch 3 Tage…

  7. Hubi am 18. Dezember 2009 10:38

    Hat es jemand geschafft das Schriftstück runter zu laden? Seite heute morgen gibts die engegeben url nicht mehr.

  8. DeLocke am 18. Dezember 2009 11:13

    Hallo,
    leider kann ich die Richtlinie nicht mehr finden. Hat sie schon jemand runtergeladen und kann sie mir per Mail schicken?

  9. Kai Fieber am 18. Dezember 2009 12:20

    Ja, habe den Entwurf lokal gespeichert bei mir.
    Wenn ihr aber  mal über die Startseite des vfdb auf das Dokument zugreift, kommt folgender Hinweis:
    „Bei dem veröffentlichten download ergeben sich leider Probleme beim öffnen mit älteren pdf-Versionen.
    Wir erstellen z.Zt. eine neue Version und bitten Sie um etwas Geduld.

    Die neue Version wird im Laufe des Tages zur Verfügung stehen.“
    Also vielleicht einfach später nochmal versuchen.

  10. Adrian Ridder am 18. Dezember 2009 13:35

    Grade eben den Entwurf gezogen über folgenden Link, funzt problemlos:

    http://www.vfdb.de/download/EntwurfRL0601.htm

    Zum Kommentar: Nach dem ersten Überfliegen ein ganz brauchbarer Konsens-Text, mir gefällt gut die deutlich detailliertere Vorgehensweise als z.B. in den aktuellen FwDVen.

    Ausbildungsempfehlung könnte man natürlich noch mit rein nehmen, da gebe ich Irakli recht…wobei ich ehrlich gesagt noch nicht den angesprochenen Standard für die Brandausbildung in der Fläche erkennen kann, von dem im Text gesprochen wird.

  11. nibe am 18. Dezember 2009 16:49

    Von Klaus_Krebs:
     
    „Als Beispiel, die Gerätebediener brauchen den „Einsatzplan“, also die Datenblätter nicht lesen können, der Einheitsführer aber muss das können.“
     
    Sehe ich nicht so. Auch der Rettungstrupp sollte das Datenblatt verstehen, denn im Ernstfall hat der Rettungstrupp nicht die Zeit sich vom Einheitsführer das Auto erklären zu lassen. Des weiteren muss man schnell auf Plan B zurückgreifen können, wenn etwas nicht so funktioniert wie man sich das vorgestellt hatte und wenn man dann erst den Einheitsführer suchen und fragen muss, weil dieser sich gerade mit Polizei oder Rettungsdienst bespricht, verliert man zu viel Zeit. Des weiteren haben am Fahrzeug nur der Rettungstrupp etwas zu suchen und in Ausnahmefällen andere Gruppenmitglieder, damit der Rettungstrupp ungestört und konzentriert arbeiten kann und Bewegungsfreiheit hat.
     
    Gruß nibe

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