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(sc). Einige Gedanken zum Thema Armut und Feuerwehr, die durch die Studie „Die Bundesländer im Standortwettbewerb 2010“ der Bertelsmann-Stiftung angestoßen wurde. Die Armut fördert indirekt die Schwächung der Schlagkraft der Feuerwehr. Nicht nur fördert Armut den Verfall der Ausrüstung, sondern auch das Menschliche innerhalb der Feuerwehrgemeinschaft bekommt deutliche Risse. Aber nur eine Feuerwehr, die materiell und menschlich gut gerüstet ist, ist stark.

Teamarbeit bei der Feuerwehr

Teamarbeit bei der Feuerwehr. Für ein gut funktinierendes Team benötigt es zwei Dinge: Gutes Material und Mitglieder, die miteinander auskommen. Diese Feuerwehr-Gemeinschaft gerät durch die Armut aber aus dem Gefüge.

Armut bezeichnet allgemein eine Mangel an etwas. Nun kann man natürlich behaupten, die Feuerwehr XYZ sei arm, weil es ihr an modernem Gerät fehle. Infolgedessen ist die Schlagkraft der Feuerwehr reduziert. Diese Sichtweise greift aber zu kurz. Mit Armut ist hier zunächst die Armut als soziales Phänomen gemeint. Dieses Phänomen hat aber gravierende Auswirkung auf die freiwillige Feuerwehr als Institution.

Arm zu sein heißt zunächst, dass es eine „Mangelversorgung mit materiellen Gütern und Dienstleistungen“ gibt. Zugang zu Institutionen, wie z.B. einem Schwimmbad oder einer Bibliothek, sind aufgrund finanzieller Restriktionen ebenso wenig möglich, wie sich z.B. mit Lebensmittelmitteln oder Kleidung ausreichend einzudecken. Nun muss in diesem Land nicht jeder, der als arm gilt, am Hungertuch nagen, aber grundsätzlich hat jemand der arm ist, weniger Zugang und weniger Mittel zum Leben. Das bleibt festzuhalten.

Was bedeutet nun aber Armut für die Feuerwehr (oder wahlweise für andere auf Freiwilligen basierende Hilfsorganisationen)? Unmittelbar ist für das Mitglied, das arm ist, jede Aktion, die mit der Investition von Geld verbunden ist, zunächst einmal eine Restriktion. Die Beschaffung von einheitlichen Tshirts, Pullovern etc. fällt z.B. darunter, denn diese Kosten trägt nicht immer die Feuerwehr (oder die Gemeinde). Darüber kann man nun streiten, ob dies eine Kostenstelle für die Feuerwehr ist. Fakt ist aber, dass viele Mitglieder Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke selbst beschaffen müssen. Einheitliches Aussehen in der Öffentlichkeit steht in diesem Fall der Finanzierung hinten an.

Spinnen wir das Spiel weiter. Bleiben wir z.B. bei den Feuerwehr-Pullovern. Der Förderverein oder Feuerwehrverein der betreffenden Feuerwehr bezahlt diese Investition. Woher stammt aber das Geld dazu? Zuschüsse von staatlichen Stellen, Spenden von Bürgern und von – jetzt kommt’s – Mitgliedsbeiträgen. Viele Feuerwehren verlangen von ihren Mitgliedern einen Zwangsbeitritt in diese (teilweise inoffiziellen) Vereine, in denen die Mitglieder Beiträge bezahlen müssen. Darüber lässt sich nun auch wieder streiten. Fakt bleibt aber, dass jemand, der arm ist, schon an dieser Stelle erhebliche Probleme hat in eine Feuerwehr einzutreten. Denn dieser Eintritt ist mit finanziellen Ausgaben verbunden.

Nehmen wir nun an, dass es die Mitgliedsbeiträge und die Selbstbezahlung von Pullovern nicht gibt. Wann braucht ein Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr noch Geld für seine Tätigkeit? Er muss ggf. mit seinem Auto zum Gerätehaus oder einer Ausbildungsveranstaltung fahren, wenn er denn ein Auto hat. Auch das kostet Geld. Und auch hier tragen die Feuerwehren respektive die Gemeinden nicht immer diese Kosten. Andersherum muss der Feuerwehrmann das Geld vorschießen und später dann die Erstattung beantragen. Ohne Bares in der Hand ist die Aus- und Fortbildung u.U. nicht möglich. Von Getränken oder gemeinsamem Essen nach Übungen und Einsätzen nicht zu sprechen, die die Mitglieder oft auch selbst bezahlen.

Oben angedeutet ist die Vermischung von Feuerwehr mit Kameradschaft bzw. dem Vereinsleben. Zwar ist die Feuerwehr eine hoheitliche Aufgabe der Gemeinde und damit kein Verein, die Realität sieht diesbezüglich jedoch anders aus. Aus diesem Grund müssen wir die kameradschaftliche Seite in unsere Betrachtungen einbeziehen. Zur Kameradschaft gehört z.B. der jährliche Feuerwehausflug, oder der gemeinsame Grillnachmittag, … . Auch diese Dinge sind mit Geld verbunden. Im Umkehrschluss bedeutet das, dass jemand der arm ist, an kameradschaftlichen Aktivitäten weniger oder gar nicht teilnehmen kann. Er ist sozusagen davon ausgeschlossen. Das hat Auswirkungen auf die Kameradschaft selbst und zwangsläufig auch auf die Tätigkeit als Feuerwehrmann. Jemand der nie an Aktivitäten teilnimmt, weil das Geld kostet, untergräbt sein Ansehen und fördert eventuell Vorurteile gegen sich. Eigentlich eine „normale“ menschliche Reaktion, ähnlich dem Verhalten von Schülern in Schulklassen.

An diesem Punkt sehen wir aber einen positiven Aspekt der Kameradschaft. Die gemeinsame Aktivität fördert z.B. die Integration in eine (Dorf-)Gemeinschaft. Auch fängt einen der Verein oft auf, wenn man Probleme hat – egal welcher Art. Man kann z.B. Hilfe erwarten.

Das sind nun unmittelbare Auswirkungen von Armut auf die Feuerwehr.

Es gibt aber auch mittelbare Folgen für die Feuerwehr. Die Feuerwehr ist eine Einrichtung der Gemeinde, die sich – wie alles in der Gemeinde – aus Steuergeldern (und Abgaben) finanziert. Greift nun aber die Armut um sich, muss der Staat respektive die Gemeinde mehr in soziale oder Transferleistungen investieren. Auf der anderen Seite nimmt der Staat jedoch weniger Geld ein, weil die Bürger durch die Armut weniger Steuern bezahlen können.

Folglich stehen irgendwann auch die Investition und Zuschüsse für die Feuerwehr auf der Streichliste. Zuschüsse für Pullover etc. fallen dann unter Umständen weg und die Mitglieder müssen das selbst tragen. Die Finanzierung neuer Ausrüstung oder eines neuen Fahrzeuges wird gestrichen oder verschoben. Das hat dann Auswirkungen auf die Schlagkraft.

Nun gibt es Feuerwehren, die beteiligen sich über Ihre Vereine an diesen Investitionen. (Das muss man sich mal geben: Eine Abteilung der Gemeinde finanziert durch private Gelder der Mitarbeiter eine Investition die eigentlich Aufgabe der Gemeinde ist). Woher das Geld dieser Vereine stammt, ist weiter oben beschrieben.

Unterm Strich hat die Armut als soziales Phänomen gravierende Auswirkungen auf die Feuerwehr als Institution. Armut schwächt die Feuerwehr also, und das nicht nur in materieller („Rost“), sondern auch in menschlicher Hinsicht („Kameradschaft“).

Der Hintergrund dieser Gedanken bildet die Studie „Die Bundesländer im Standortwettbewerb 2010“, welche die Bertelsmann Stiftung in Auftrag gegeben hat. Diese Studie verortet mehr oder weniger Armutszentren. In diesen Zentren ist also mit den hier beschriebenen Problemen zu rechnen, sofern diese nicht schon virulent sind. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de) [Bertelsmann Stiftung] [Spiegel Online]

Kommentare

5 Kommentare zu “Gedanken über Armut und Feuerwehr” (davon )

  1. firebuff911 am 27. Januar 2010 22:25

    Armut ist sicher ein wichtiges Thema auch für die Feuerwehr, aber den „Ergebnissen“ von Bertelsmann traue ich nicht. Man hat hier einen Haufen Daten gesammelt, und liest jetzt aus diesen wie im Kaffeesatz. Im Berlin-Papier der Studie heisst es zum Beispiel:

    „Der Erfolg der eingeschlagenen Konsolidierungsstrategie sollte auch für den neuen Finanzsenator Ansporn sein, den Sparkurs konsequent beizubehalten“ … „Weitere Einschnitte bei den konsumtiven Ausgaben müssen folgen, damit Einsparpotenziale das Land auch in Zukunft die nötigen Investitionen tätigen kann. Einsparpotenzial besteht beispielsweise noch bei den Personalausgaben“.

    Nur dass sowas eine komplexe politische Frage ist, die man nicht aus ein paar wirtschaftlichen Eckdaten beantworten kann! Es sei denn, das „Ergebnis“ steht schon von vornherein fest: Deregulierung und radikale Liberalisierung, Steuersenkung und Privatisierung.
    Bertelsmann ist keine politisch unabhängige Institution, und betreibt keine ergebnisoffene Sozialforschung. Eine nicht ergebnisoffene Forschung ist aber eigentlich keine Forschung mehr, sondern bloss noch politische Meinungsmache.

  2. Bolde112 am 28. Januar 2010 09:18

    Ich finde es größtenteils richtig, was geschrieben wurde. Wir hatten demletzt Vorstandssitzung und da kam  das Thema Beitrag (Geld) auch vor. Hier wurde eine klare Grenze gezogen. Wer aktiv in der Einsatzabteilung dabei ist, ist von dem Beitrag befreit. Passive und Fördernde müssen diesen Beitrag leisten. Wenn der Verein ein Essen, Ausflug etc veranstaltet, so kommen meist nur passive Mitglieder. Ja aber warum sollen die sich den Magen vollschlagen wenn sie dafür keine Leistung bringen? Dieser Beitrag ist nur für den Verein gedacht und wird auch nur für Aktivitäten des Vereins hergenommen. Ausrüstung usw. ist Gemeindesache! Und in jedem anderen Verein wird auch Mitgliedsbeitrag erhoben, um so Aktivitäten durchzuführen. Also es gibt immer zwei Sichtweisen. Bei uns ist auch ein Kammerad dabei, der arbeitslos ist und kaum Geld zum Leben und schon gar nicht für die Feuerwehr übrig hat. Da haben wir auch gesagt, entweder er bezahlt die Hälfte (sprich 6 Euro/Jahr statt 12 Euro/Jahr) oder es wird abgestimmt, ob er von dem Betrag befreit wird. Also es ist nun auch nicht so, dass der der nix hat, auch gleichzeitig in der Feuerwehr nix ist!! Es ist nur Auslegungssache, wie in der Feuerwehr damit umgegangen wird. Warum sollte man einen Kameraden aufgrund von finanziellen Mängeln, der aber sehr lange Zeit aktiven Dienst geleistet hat, vom sozialen Leben im Verein oder der Einsatzabteilung ausschließen? Gerade in Zeiten in denen man sowieso Personalmangel hat und jede negative Schlagzeile diesen Mangel unterstützt.

  3. Stefan Cimander am 1. Februar 2010 13:00

    @firebuff911 man mag zur Bertelsmann-Stiftung stehen wie man will. Ich habe diese Studie als Anlass genommen, mir über oben genanntes Thema Gedanen zu machen, ohne dabei auf den Inhalt der Studie groß einzugehen. Letztlich kann man die Studie dennoch als Indikator für kommende Armutsriskiken in bestimmten Regionen heranziehen, aus denen dann o.g. Probleme erwachsen.

  4. simon02 am 1. Februar 2010 22:01

    Hallo,
    wie will man aber dieses Problem in der Zukunft lösen ?
    Gruß
    Simon

  5. Stefan Cimander am 1. Februar 2010 22:23

    @Simon02 gar nicht! Denke die Feuerwehr hat noch ganz andere Probleme , die weit vorher zuschlagen.

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