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(iw) Die Feuerwehr besteht eigentlich fast nur aus polarisierenden Themen. Ganz besonders polarisierend ist die Kettenzug-Thematik. Ein alter, von den Norwegern wieder aufgenommener Trend mit vehementen Wiedersachern und Befürwortern.

Auch hier die Empfehlung: anschauen und dann urteilen. Nichts ist in Stein gemeißelt, aber es geht  hier um Alternativen. Klappt Plan A nicht, geht es in die Crash-Rettung, haben wir genug Platz, all diese Faktoren spielen rein. Mit dem Kettenzug hat man eine weitere Option, die allerdings zwingend beübt werden muss. Ich find’s gut.

Entlastungsschnitt nach vorne (ja nicht in den Boden!), Kabine mit Spanngurten am Fahrgestell festmachen, Ketten an die A-Säule und ca. 1,5 tonnen Zugkraft. So sieht das aus:

Kommentare

8 Kommentare zu “Rescue: Kettenzug am LKW (Video)” (davon )

  1. p.henke am 10. Februar 2010 19:53

    Erinnert mich an einen Artikel aus der Brandschutz (irgendwann 2009 meine ich), in welchem diese Methode eingehend erläutert wurde, jedoch an einem PKW.
    Wie gesagt als Plan B bzw. Plan C mit Sicherheit eine Alternative, sofern das richtige Anschlagmittel zur Verfügung steht.

  2. Cimolino am 10. Februar 2010 20:16

    Es geht um den Beitrag in BS 06/09, hier meine Reaktion an die Redaktion:

    Im Grundsatz verfolgen die Autoren einen sehr guten Ansatz, Rettungstechniken über Versuche zu verifizieren bzw. weiter zu entwickeln. Ergänzend zu den vielen Hinweisen im Artikel weise ich aber auf folgende Punkte hin, die für die Prüfung der Eignung der beschriebenen Methode für hiesige Verhältnisse beachtet werden sollten:
    Untersuchungen aus Schweden (oder überhaupt Skandinavien) über Rettungszeiten etc. sind nur bedingt mit unseren Verhältnissen in Deutschland vergleichbar! Die räumliche Situation an Einsatzstellen ist (ausser in den Städten) mit hiesigen Problemen erst recht wenig zu vergleichen. Dies liegt an der viel geringeren Siedlungs- bzw. Verkehrsdichte (ausser in den wenigen großen Städten) sowie die entsprechende Verteilung von Standorten der (i.d.R. auch noch anders organisierten) Feuerwehr bzw. Rettungsdienste und Krankenhäusern.
    Das entsprechende Aufstellen von zwei (!) Fahrzeugen mit Seilwinden (mindestens aber ein entsprechendes Fahrzeug mit Ketten und Drahtseil als Festpunkt und ein Windenfahrzeug) achsengerecht vor und hinter dem Unfallfahrzeug ist – so wie für die beschriebenen Maßnahmen notwendig! – bei den meisten Unfallsituationen nicht so einfach möglich. Es dauert – wenn es geht – aufgrund der erforderlichen Umfahrungs- bzw. Rangiermaßnahmen auch noch relativ lange! (Selbst wenn das betroffene Fahrzeug in Zugrichtung des Straßenverlaufs steht, muss dafür vor und hinter dem Fahrzeug ein Windenfahrzeug mit Windenkopf zum Unfallfahrzeug postiert werden. Steht das Fahrzeug schräg, verschiebt sich entsprechend die Zugachse, also die Aufstellorte der Windenträger, oder man muss das betroffene Fahrzeug (ggf. auch mit Hilfe der Winden) erst in Zugachsenrichtung verdrehen.
    Unterbleibt das achsengerechte Aufstellen stellt sich beim Anziehen die „Zugachse“ erst beim Ziehen her. Das Unfall-Fahrzeug wird also über den Boden geschleift. Ist da ein Hindernis (z.B. Bordstein) kann es daran hängenbleiben, die Aktion scheitert dann (wenn man sie abbricht), oder es besteht die Gefahr des heftigen Rucks, wenn das Hinternis (oder Blech am Auto) nachgibt – evtl. kann das Fahrzeug sogar umgeworfen werden!
    Handelt es sich nicht um einen reinen Frontalaufprall, sondern um einen einseitigen bzw. seitlich versetzten Frontalaufprall und befinden sich dazu ggf. noch mehrere  Patienten im Fahrzeug, so können die Zugmaßnahmen ggf. zu gefährlichen Folgen führen. (Denkbar wäre z.B. beim Ziehen eines versetzten Frontalaufpralls eine Art Dreh- bzw. Hebelbewegung  eines (noch stabilen) Armaturenbrettquerträgers.) Es ist aber nicht nur bei so einer Lage unklar, wie das Fahrzeug auf den Zug reagiert. Insbesondere können Teile der heute oft mehrfach umgelenkten (Sicherheits-)Lenksäulen nach innen gedrückt werden, wenn sich der Kopf derselben im Kreis nach oben bewegt!
    Um das rechtzeitig erkennen zu können, sollte mindestens die Türen geöffnet – und offen gehalten – bzw. entfernt werden, hinter denen sich Patienten befinden!
    Wie im Beitrag beschrieben muss sich deshalb immer mindestens ein (besser zwei, auf jeder Seite des Fahrzeugs einer!) FA als Sicherheits- bzw. Beobachtungsposten im direkten Sichtbereich (= Gefahrenbereich der Seile bzw. Splitterbereich => Gesichtsschutz erforderlich!) befinden und es darf nur langsam gezogen werden. Der bzw. die ziehenden Maschinisten müssen sofort unterbrechen können!
    Die Problematik gespannter Zugseile wird im Artikel zwar beschrieben, es wird aber nicht erwähnt, dass sich der Betreuer des Patienten nicht „nah an den Seiten des Unfallfahrzeugs“ befinden darf, sondern gerade beim Patienten in kritischem Zustand (Grund der „Crash-Rettung“) ein geeigneter medizinischer (innerer) Retter direkt bei diesem sein sollte.
    Je nach Situation bzw. verunfalltem Fahrzeug wird es dazu daher auch hier erforderlich sein, Patient UND inneren Retter mit geeignetem Material und PSA vor z.B. herausbrechenden und herumfliegenden Teilen (Hartkunststoffe, gehärtete Metalle) zu schützen. (Um dies auch nur annähernd im Detail beurteilen zu können, sind umfangreiche Informationen zum Fahrzeugaufbau des Unfallfahrzeugs notwendig, die bei den wenigstens Einsatzkräften verfügbar sein werden.)
    Das Unterbauen eines Fahrzeugs dient nicht nur dazu, die Kräfte von Werkzeugen aufzunehmen, sondern auch, um das Unfallfahrzeug beim Arbeiten daran am Zusammenknicken mit der Folge weiterer möglicher Schäden für die Insassen zu hindern!
    Insbesondere beim Einsatz von Zugseilen ist – entgegen der Darstellung im Artikel – natürlich ein Unterbau zwingend! Selbst beim idealen Anschlagen kann der Anschlagpunkt durch den Unfall unerkannterweise so geschädigt sein, dass er die Kräfte nicht aufnehmen kann und (zu früh) nachgibt. Wird dies nicht rechtzeitig bemerkt, kann der Anschlagpunkt versagen – und das Fahrzeug je nach Vorschaden bzw. Zugfolgen schlagartig einklappen! Wird es rechtzeitig bemerkt muss dann zum erneuten Anschlagen der Zug nachgelassen werden. Muss erst jetzt unterbaut werden vergeht unnötig viel Zeit.
    Ein Unterbauen des Unfallfahrzeugs ist daher m.E. grundsätzlich parallel zu den sonstigen Vorbereitungsmaßnahmen auch hier erforderlich und darf keinesfalls entfallen. Das sollte aber angesichts der sonstigen Maßnahmen problemlos möglich sein und insbesondere zu keinerlei weiteren Verzögerungen führen.
    Zusammenfassend ist zu sagen:
    Die Zusammenarbeit von Feuerwehren, deren Ausbildungsstätten und Universitäten ist absolut begrüßenswert und sollte ausgebaut werden. Insbesondere zur weiteren Entwicklung von Befreiungstechniken sollte mehr mit echten Unfallfahrzeugen (z.B. aus Crash-Anlagen) gearbeitet werden.
    JA, das Ziehen mit Seilwinden und Ketten ist eine grundsätzliche Möglichkeit, um die man wissen sollte – allerdings auch um ihre Gefahren und Grenzen!
    NEIN, sie ist i.d.R. NICHT schneller, als das richtige Arbeiten mit gut kontrollierbarem Hydraulikwerkzeug, das noch dazu die Handlungsfreiheit der Betreuer nicht so stark einschränkt wie die gespannter Zugseile! (Z.B. Auseinanderdrücken des Unfallfahrzeugs mit geeigneten Hydraulikstempeln auch über die Mitte des Armaturenbretts) und daher auf SEHR wenige Sonderfälle beschränkt. Die meisten davon dürften das (Heraus-)Ziehen unter einem Hinternissen betreffen – mit anschließender konventioneller Befreiung.
    Die Folgen für die Ausbildung von Zusatzmaßnahmen ergänzend zu den Standardtechniken müssen immer beachtet werden! Das sichere Beherrschen der Standardmaßnahmen geht vor der Ausbildung von ggf. noch sehr selten anwendbaren Zusatztechniken.

  3. Irakli West am 10. Februar 2010 23:01

    @cimolino schlüssig und nicht von der Hand zu weisen. Wir reden auch über eine weitere mögliche Alternative. Hast Du eigentlich Versuche an PKW beigewohnt? Ich noch  nicht und würde es wahnsinnig gerne…

  4. Markus Rebholz am 11. Februar 2010 08:55

    Erinnert mich stark an Seilwinde und Greifzug.
    Hat auch funktioniert und wir haben damals (noch so vor 5-7 Jahren) auch unterbaut.

    @Irakli
    Als gebrantes Kind aber noch ne Frage, die Kabine war nicht gesichert oder seh ich das Sicherungsseil nur nicht?

  5. Irakli West am 11. Februar 2010 10:14

    @markus, wie meinst Du das? Kabine war hinten mit Spanngurten am Fahrgestell festgebunden, zusätzlich noch zwei (Paratech) Stützen zwischen Kabine und Boden.

  6. Markus Rebholz am 11. Februar 2010 10:32

    @Irakli
    Danke für die schnelle Antwort :-)
    Hab die Spanngurte und Stützen im Video nicht gesehen, falls Du es im Video erzählst, ich schaue ohne Ton mangels Lautsprecher…
    Und ich merk grad das „Sicherungsseil“ auch nicht die beste Wortwahl war …

  7. Irakli West am 11. Februar 2010 10:38

    @markus korrektur, die Stützen waren bereits entfernt und auch nicht notwendig, da der hintere Teil der Kabine nach oben wandert. Wenn Du rechts genau hinguckst, siehst Du den Spanngurt (orange).

    „seil“ funzt nicht so, richtig erkannt :)

  8. Cimolino am 11. Februar 2010 11:56

    Hallo Irakli,

    ich hab das um die 1980-90er noch ein paar mal geübt – und ich bin froh, dass das heute mit Hydraulikstempeln etc. viel besser und sicherer geworden ist….

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