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(iw) (Achtung, subjektiv) Kleiner Exkurs: Wenn die Gerüchte stimmen, so leidet Woody Allen unter einer Art Krankheit, die es unmöglich macht , sich über irgend etwas zu freuen. Es wäre ein wenig vermessen, sich allgemein mit Woody Allen zu messen (von Feuerwehr hat er vermutlich nicht viel Ahnung) aber manchmal frage ich mich, ob ich von dieser Krankheit auch befallen bin. Der Dauerstress der letzten Jahre, so meine Vermutung, hat mir zumindest die Vorfreude einfach wegradiert.

Wie auch immer, inzwischen sieht die Sache ein wenig rosiger aus. Zumindest scheint die ganze Sache um Heavy Rescue herum ein wenig Form anzunehmen.

Unterm Strich hat es vierzig Jahre gedauert, um das Thema zu finden, bei dem ich zuhause bin, oder glaube zu wissen, dass es passt. Und fünf Jahre Arbeit, die teilweise schwer zu beschreiben ist – alleine niemals zu schaffen, aber eine Besessenheit kann mitunter auch die Objektivität verdrängen. Ich weiss heute noch nicht, ob aus dem ganzen Konstrukt etwas Tragbares wird. Es sieht zumindest nicht schlecht aus, und ich bilde mir ein, das rechtfertigt die ganzen fallen gelassenen anderen Chancen.

Betrachten wir mal die Dinge: Das FWnetz ist immer noch unabhängig. Es wurden einige Gespräche geführt, Ideen ausgetauscht, Möglichkeiten gesponnen – aus allem wurde nichts, oder eben alles. So ist es mir möglich, diese Dinge zu schreiben, ohne Stakeholders zufrieden stellen zu müssen.  Wobei es mit der Unabhängigkeit so eine relative Sache ist, wie die meisten wissen: würde man über alles, was man so hört oder mitbekommt schreiben, würde es Abmahnungen nur so hageln. Als indirektes Ergebnis weiss ich immer noch nicht, wie ich mit Werbekunden umgehen soll. Wenn jemand im FWnetz ein Banner schaltet, könnte ich denn darüber negativ berichten? Dann lieber still bleiben. Insgeheim bin ich froh, wenn nicht zuviel Werbung geschaltet wird, aber wirtschaftlich ist das ziemlicher Harakiri /Seppuku. Es fällt mir bis heute schwer, Produktberichte zu veröffentlichen, ausser ich bin davon selbst völlig überzeugt. Gehören die aber nicht zu einer Fachpublikation?

Aber ich schweife ab. Tatsache ist, dass das FWnetz so einigermassen unabhängig ist, und ich vermute, es wird es weiterhin bleiben. Vorbei ist die Jagd nach Quote – wobei ich mir natürlich mehr Visite wünschen würde als die stabilen monatlichen 100.000 :) – denn auf die kommt es nicht zu 100% an. Viele Leser bedeuten natürlich eine gewisse kritische Masse, aber wichtiger ist das inhaltliche, also das qualitative. Wenn man also dazu beitragen kann, einen Dialog zu führen, aber auch neue Techniken, Tricks, oder Wissen zu vermitteln, dann ist das ehrlich gesagt schon sehr zufrieden stellend.

Aber leider, leider, kann man sich von Zufriedenheit alleine nicht ernähren, und die Familie möchte auch etwas zu essen haben.

Und so komme ich zum eigentlichen Punkt: morgen geht es zum Fire Services College nach Moreton in Marsh, in den englischen Cotswolds (maps). Das ist ganz ehrlich nicht minder als ein absoluter Höhepunkt, eine Pilgerstätte für Ausbildung, auf jeden Fall was solche Dinge betrifft. Und dort darf ich zum „Trench Rescue Technician“ (Tiefbau) ausgebildet werden – wie es heisst, weltweit die beste Ausbildung ihrer Art.

Eingangs erwähnte ich, ich hätte befürchtet, mich auf nichts mehr freuen zu können. Diesmal ist es anders. Ich kann nicht beschreiben, wie ich mich darauf freuen. Die nächsten drei Tage irgendwelche unerwarteten Forderungen vom Finanzamt, sonstige organisatorische Dinge, Projekte, Mails, vergessene Telefonate, und vieles mehr einfach links liegen lassen und völlig um- (nicht ab-) schalten. Es wird um Dinge gehen wie intersecting Trench und ob man innen- oder aussenliegende Walers ansetzt.

Die Geschichte mit Heavy Rescue und insbesondere Tiefbau hat eher zufällig angefangen: 2008 sollte ich in Indianapolis an einer Heissausbildung teilnehmen. Diese war ausgebucht, und so landete ich mehr notgedrungen als frewillig im Trench-HOT. Ich glaube, das war der beste Fehler aller Zeiten, zumindest war das eine Offenbarung. Ich stand ein bisschen doof daneben und guckte, wie sie alle mehr oder weniger genau wussten, was wie zu tun ist (Bilder).

Zwei Jahre vorspulen, und inzwischen bin ich sogar in der Lage, mich wie Sau auf die nächste Woche zu freuen. Der Kurs und der Aufenthalt werden richtig gut, das weiss ich. Genausowichtig wie das inhaltliche ist das Networking. Und wenn es nach den Erfahrungen der letzten Jahre geht, geschieht dieses hauptsächlich abends an der Bar. T-Swap? Wir werden sehen, ich habe ein wenig Munition dabei, aber mein Lieblings-Tee bleibt zuhause:

Ich kann mir auch schlecht vorstellen, das sie ihr eigenes Tee zurück haben wollen :D

Und so gilt es, die zwei großen Fragestellungen aus diesem Post zu beantworten:

Ja, ich scheine noch in der Lage zu sein, mich auf etwas zu freuen. Dazu gehört allerdings, dass der ganz üble Existenzangst-Stress weg ist, und das ist er inzwischen. Noch ist nichts überm Berg, aber es sieht bedeutend besser aus – auch Dank meines Arbeitgebers, der übrigens diese Ausbildung überhaupt ermöglicht.

Zweitens: das FWnetz bleibt unabhängig, und eher in der Form eines Kollektivs als etwas anderes. Ich denke, gerade die Tatsache, dass jeder sich so einbringen kann, wie er es für richtig hält, macht die Stärke aus. Leider stimmen die Einkünfte immer noch hinten und vorne nicht. Die letzte DVD15 ist ein ziemlicher Flop, wenn auch ich der Meinung bin, sie gehört zur Pflichtlektüre :) Andererseits sehe ich schon ein bisschen Perspektive und natürlich habe ich tausend Ideen, falls man Geld zur hand hätte, und ein mögliches Geschäftsmodell wird so langsam – nach fünf Jahren! – ersichtlich. Wenn ich sehe, wie (groß-)verlage ihr Geld verpulvern, wird mir immer noch schlecht.

Andererseits, der Weg, der bis jetzt beschritten wurde, ist kein schlechter. Es ist mir wichtig, dass jeder, im Rahmen der Normen, sich so einbringen kann wie er ist. Ob das nun Stefans gut recherchierte, gut geschriebene und wertvolle Artikel sind, oder die Beiträge des News-Teams, oder meine ad-hoc-Dinger, irgendwie ist es wichtiger keine Restriktionen zu haben.

Fürs Erste darf das FWnetz so bleiben wie es ist, aber das soll nicht heissen, dass im Hinterkopf nix rattert – aber ich sehe uns ganz ehrlich nicht als Teil eines Konzerns oder Verlags, sondern weiter als Ansammlung von Individuen, ob als admin, Autor oder Leser. Persönlich gefällt mir die Qualität hier sehr gut, und es ist wirklich zufrieden stellend zu sehen, dass man etwas bewegt. Schön auch, dass man hier und dort etwas an Vertrauen gewonnen hat, und natürlich die vielen super Kontakte. Eigentlich müsste man ein Buch darüber schreiben, dass eine radikale, positive Systemänderung vom Personal her möglich ist, das System aber dies unmöglich macht.

Wie auch immer, ich schalte nu ab und freue mich unfassbar auf die nächsten Tage. Was ich dort lerne, soll natürlich im Rahmen der Heavy Rescue-Ausbildung weitergegeben werden. Woody Allen wäre neidisch!

Over and out and thanks!

Kommentare

3 Kommentare zu “Ab nach England // FWnetz” (davon )

  1. alltagimrettung am 5. April 2010 22:18

    Sehr schöner Artikel, wenn man etwas über das hinter den Kulissen erfährt. Du wirst deinen Weg schon gehen. Viel Spaß in England.

  2. René am 6. April 2010 13:20

    Danke für den netten Artikel! Und viel Spaß und Erfolg in England!

  3. Florian Fastner am 6. April 2010 20:23

    Hallo Irakli,

    ich liebe Deine ehrlichen Artikel! Drück Dir weiterhin die Daumen (wie die letzten fünf Jahre ;-))

    Danke
    Florian

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