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Blitzblanknietnagelneu liegt er in seiner Kiste, der Greifzug*. Denke ich. Zumindest konnte ich das oft beobachten. Ungeliebtes Kind? Ja, oder? Irgendwie kommen die wenigsten mit dem Mechanismus zurecht, das Ding mal zu bedienen. Recht ätzend, die Seilklemme zu lösen und wieder einrasten zu lassen. Ausserdem ist das mitgelieferte Seil immer zu kurz. Der nächste geeignete Fixpunkt ist grundsätzlich 10,5 Meter entfernt. Dumm das.

Als ich mir anhören durfte, dass der „Tirfor Winch“ (=“Greifzug“ in anderen Landen) bei den New Yorker Rescues zum bevorzugten Gerät gehören, habe ich erstmals einen etwas anderen Blick darauf geworfen – und in der Tat, das Ding ist genial, in jeder Hinsicht. Es gilt auch, wie bei vielen anderen Dingen, herauszufinden was es überhaupt kann und nicht.

Nach ein Paar Trockenübungen haben wir gestern den Big Lift Hänger um 10 Meter versetzt. Die Übung hatte einige Ziele: einerseits in der Lage zu sein, das Gerät in kürzester Zeit in Betrieb zu nehmen, andererseits mal zu sehen, was so ein selbst gesetzter Fixpunkt aushält.

Der Fixpunkt selbst besteht aus 3 + 4 ein Meter Lange Schnureisen, die in 2 Reihen mit gelochtem Metallband verbunden sind. Dinge also, die man auch problemlos in einem (H)LF mitführen kann. Die Nägel werden in Zugrichtung in den Boden gesetzt (bin seit unserer USAR-Übung letztes Wochenende auch davon überzeugt!). Der Winkel ergibt sich dadurch, dass das gezogenen Objekt eine Kreisbewegung macht.

Der Anhänger wiegt sieben Tonnen und ist nicht eingebremst. Zugegeben, ich habe die erforderliche Kraft völlig unterschätzt! Der Anhänger war nur mit Umlenkrolle zu ziehen, und den zweiten Festpunkt haben wir an der selben Stelle gesetzt.

Fazit: Ging völlig problemlos, wenn auch die Muskelarbeit am Greifzug nicht ohne war. Ich schätze die notwendige Zugraft auf zwischen zwei und drei Tonnen ein. Das Wichtigste: der Festpunkt hat gehalten, wenn auch die Schnureisen am Ende deutlich lockerer im Boden waren als ursprünglich. Neu setzen hätte geschätzt fünf Minuten Zeit gekostet.

Hier übrigens noch eine „Big Lift“ lage mit Greifzug und Festpunkt. Meine ganz große Frage: wenn bei Zug die 1,5fache Seillänge als Gefahrenbereich gilt, kann ich ihn schlecht räumen lassen. Bei Menschenrettung überhaupt kein Problem, aber bei einer Ausbildung? dazu muss man sagen, dass in diesem besonderen Fall ausgesprochen wenig Zugkraft von Nöten ist, da die meiste Kraft direkt über die Stützen in den Boden geleitet wird. Meinungen?

Achsoja, und es ging eigentlich um eine Umfrage: wie ist es bei Euch mit den Greifzug bestellt? Kannst DU damit umgehen?

Wie steht es um Euren Greifzug?

Ergebnisse

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*eigentlich heisst er Mehrzweckzug. Aber Martinhorn, Büffel oder Grefzug kapiert ja wohl jeder (?) Oder eher Habegger oder Luxemburger?

Kommentare

14 Kommentare zu “Umfrage: Greifzug” (davon )

  1. mgrtnr am 29. Mai 2010 11:04

    Mein Lieblingsgerät, seit ich ihn in einer Prüfung „präsentieren“ durfte. Definitiv unterschätzt!

  2. Geza Grün am 29. Mai 2010 14:03

    Ich finde Fachleute sollten Fachbegriffe nutzen. Im Einsatz muß die Chance auf Mißverständisse miniert werden. Mit „Habegger“ oder „Luxemburger“ kann ich nichts anfangen.
    Wir arbeiten mit Mehrzweckzug, hydraulischer Winde, Schäkel, Sammelstück usw.
    Die Umgangssprache sollte man im Sinne der Lernenden nicht mal ansprechen – wobei sich immer ein Depp findet der einem genau das dazwischen blöckt…
    „Kapiert ja wohl jeder“ ist die Disqualifikation für jeden Ausbilder – sorry!

  3. dedner am 29. Mai 2010 14:31

    Die im Artikel genannten anscheinend selbst gebauten verbundenen Schnureisen gibt es übrigens fertig unter dem Begriff Erdnagel

  4. Cimolino am 29. Mai 2010 15:31

    Hallo,

    und vielleicht sollte man auf die allgemeinen Regeln im Umgang mit Seilen, Seilwinden, Mehrzweckzügen, Umlenkrollen und Anschlagmitteln nochmal den einen oder anderen vertieften Blick werfen…

    Hier
    http://www.fwnetz.de/wp-content/uploads/2010/05/greif2.jpg
    find ich suboptimal:
    – heruntergenagelte Anschlagschlinge (ist der selbstgebaute Erdanker wirklich gratlos und steht da auch kein spitzer Stein/Nagel o.ä. darunter aus dem Erdreich?)
    – wieso ist das Drahtanschlagseil direkt neben der Anschlagschlinge? Steht da doch ein Drahtstück hervor wird bei den Bewegungen unweigerlich die Schlinge beschädigt.
    – Wieso ist der Anschlagpunkt mit dem Schäkel direkt neben dem Greifzug? Das behindert bei der Arbeit bzw. kann ggf. auch seitlich zu Beulen führen.
    – Ich kann nicht genau erkennen, wie weit das Zugseil eingezogen wurde. Man sollte das allerdings nie zu knapp halten bzw. zu weit einziehen, um ggf. noch Spielraum für eine stärkere Be-/Entlastung zu haben, wenn man das für Lösen der Schäkel o.ä. braucht, oder der MZ doch mal klemmt…

    Dazu die üblichen Regeln
    – Zug zum Aufrichten? => Gegenzug beachten!
    – Sicherheit gegen Umfallen, Wegrollen
    – Nur Original-MZ-Teile (dies gilt v.a. für die Abscherstifte!) verwenden
    – Winkel der Anschlagseile, falls mehrere verwendet werden
    usw.

  5. Irakli West am 29. Mai 2010 21:25

    Interessantes Feedback.

    @geza: ebenfalls sorry  – schade, dass Du Dich an der Nomenklatur aufhängst. Hier geht es um das Anbringen eines Festpunkts, aber so eine Diskussion ist leider nicht untypisch. Wenns schee macht. Ich kann damit leben, somit kein „Fachmann“ zu sein.

    @Uli valide Punkte – die ich größtenteils entchärfen kann. Mit abstehenden Seilteilen, Steinen etc. hätte ich ganz sicher nicht gezogen oder ziehen lassen. Ich habe Verantwortung ggü Gerät und Mannschaft.

    Tatsächlich könnte man das Zugseil sauberer verlegen, und den zweiten Ankerpunkt separat setzen, anstatt alles in einem System zu haben. Ging allerdings wirklich sauber und problemlos. Das einzige „Problem“ war die Endloschlinge direkt am Greifzug, hier führt das Seil vorbei und verschmiert die Schlinge.

    Wie immer freue ich mich über lösungsorientierte Rückmeldungen :)

     

  6. Irakli West am 29. Mai 2010 21:27

    Also als „Depp“ bin ich auch nicht oft genannt worden. Ja mei, das Leben ist kein Ponyhof.

  7. AchimZO am 29. Mai 2010 21:39

    Ich denke mal die Bezeichnung „Greifzug“ geht schon in Ordnung… es gibt ja z. B. auch „das Rollgliss“, was meines Wissens nach auch ein Firmenname ist.

  8. maos am 29. Mai 2010 22:29

    Ich geh mir jetzt ein Nuss-Nougat-Schokoladen-Brot schmieren!
    Manche Markennamen sind einfach seit Jahrzehnten schon Dudenreif, das sollte man akzepieren.

    Zum Thema zweiter Fixpunkt. Wenn ein Fahrzeug oder Baum in der Nähe steht, ok. Aber pro GREIFzug ist i. d. R. nur ein Satz Erdnägel da, ausserdem will ich mal das Thema Zeitdruck mit ins Spiel bringen. Von dem her habe ich mit der gezeigten Lösung keinerlei Probleme.

  9. Geza Grün am 30. Mai 2010 00:48

    @ Irakli: Der „Depp“ bezog sich auf die Ausbildungssituation. Von irgendwo kommt immer der Kommentar mit den falschen Bezeichnungen.
    Ich gehe beim FWNETZ von einem hohem fachlichem Niveau aus.Die Gründe für mein Beharren auf der richtigen Bezeichnung habe ich meiner Ansicht nach ausreichend dargestellt.

  10. LarsR am 30. Mai 2010 11:00

    Klar, wir sagen zukünftig dann bestimmt auch alle:
    Atemanschluss
    Maschinelle Zugeinrichtung
    Leitungsroller
    Einrichtung zur schnellen Wasserabgabe
    Hydraulisches Schneidgerät
    Brustbund mit Pfahlstich
    Anhaltestab
    Funkmeldeempfänger bzw. Digitaler Meldeempfänger
    usw.
     
    Man kann’s auch echt übertreiben.

  11. Max60 am 30. Mai 2010 16:17

    Nicht zu vergessen, die Löschmittelauswurfvorrichtung ;)

  12. BjoernM am 31. Mai 2010 23:52

    Das die Erdnägel in Zugrichtung eingeschlagen werden habe ich schon gehört. Aber ich konnte dazu bisher keine Quelle finden, nur glaubhafte Erfahrungsberichte.
    Ich habe auch bis jetzt nicht endgültig verstanden warum das so ist. Müssen die Erdnägel in den Löchern im Flacheisen verkanten um ein hochrutschen zu verhindern? Wir benutzen für Erdanker das Anschlagstück (sowas: http://www.thw-mainz.de/images/articles/20060725174000415_3_original.JPG ) und ich bin mir fast sicher das dieser „Bügel“ an den in Zugrichtung eingeschlagenen Erdnägeln hochrutschen würde.
    Und wie genau legt man nun den Winkel fest? Sowohl der Erdnägel als auch den Öffnungswinkel der Flacheisen.
    Das mit der Kreisbewegung der Last habe ich nicht verstanden.
    Überhaupt habe ich keine einzige gute Beschreibung zu Erdankern im Netz gefunden, und alle Bücher in die ich so reingucken durfte sagten entweder garnix zur Einschlagrichtung oder eben „entgegen der Zugrichtung“.

  13. Torben am 1. Juni 2010 08:29

    Moin,
    ich liebe diese Diskussion, klar das ist ein Mehrzweckzug der Firma Greif….. Ich war im letzten Jahr im dt. Museum in München und habe das hier gesehn.

    Beim näher hinschauen fand man folgende
    Erläuterung

    Also wenn die das dürfen…. ;)

  14. SebastianSalzburger am 22. Juli 2010 11:15

    Die Werkfeuerwehr des Flughafen Stuttgart hat zum Thema Erdnägel in Zugrichtung, gegen Zugrichtung und einfach Vertikal glaube ich mal Versuche gemacht. Es kam heraus, dass es eigentlich völlig egal ist, wie man die Erdnägel hereinschlägt (von der möglichen Zugkraft her).
    Wie Bjoern schon vermutet ist es teilweise notwendig die Erdnägel schräg einzuschlagen, damit das Anschlagstück nicht hochrutscht.

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