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Das neue HLF 20/16 der BF Ratingen

(sc). Hierzulande gelten Feuerwehrfahrzeuge, die die Pumpe „midship“ führen als kleine Kuriosität, auch wenn das Prinzip nicht gänzlich unbekannt ist. So hat das LF-Logistik der Freiwilligen Feuerwehr Dortmund eine Pumpe, die sich hinter der Mannschaftskabine befindet. Bisher gab es eine derartige Konstruktion aber nicht für die klassischen Erstangreifer (und Normfahrzeuge). Die Aufbauhersteller Schlingmann und Lentner stellten auf der Interschutz 2010 zwei unterschiedliche Konzepte vor, deren zentrales Merkmal eine Pumpe im „midship“ darstellt.

Die mittige Pumpe und ein (H)LF als Basisfahrzeug für die Konstruktion sind die einzigen, verbindenden Merkmale dieser Konstruktion. Schlingmann und Lentner gingen bei der Konzeption von unterschiedlichen Prämissen und Anforderungen aus. Während Lentner eine echte „midship“ konstruierte, ist der Concept Car von Schlingmann eine unechte „midship“.

Lentner: Individuelle Zuladung soll möglich sein

Die Idee, die Lentner mit einer mittigen Pumpe verfolgt, ist weniger das Verschieben von Gewicht in die Mitte des Fahrzeugs, sondern vielmehr die Möglichkeit über eine Ladebordwand eine individuelle Zuladung des Fahrzeugs zu erreichen, ohne groß von der Norm abzuweichen.

Lentner zeigte dazu ein experimentelles Fahrzeug auf der Interschutz 2010. Grundgedanke war ein von der Beladung her normgemäßes LF 16/20 flexibler zu machen. Dazu hat Lentner das Heck mit einer Ladebordwand versehen. Mittels handelsüblicher Rollcontainer kann die Feuerwehr das Fahrzeug den individuellen Bedürfnissen anpassen, z.B. Schlauchcontainer. Um diesen Platz zu schaffen, verlegte Lentner die Pumpe in die Mitte des Fahrzeuges. Der Maschinist kann dabei die Pumpe sowohl von der linken, als auch von der rechten Fahrzeugseite aus bedienen.

Zuladen lassen sich, bei einem Fahrzeuggewicht von 14,5 Tonnen 1,8 Tonnen. Dies entspricht der Gewichtsreserve. Reizt man die Möglichkeiten des Fahrgestells aus, sind, nach Angaben von Lentner, auch 2,8 Tonnen möglich.

Die Zielgruppe, die Lentner mit diesem Fahrzeug ansprechen will, sind eher kleinere Feuerwehren, die mit einem Fahrzeug mehrere Fähigkeiten abdecken wollen, z.B. „Löschen“ und „Transportieren“. Preislich soll das Fahrzeug kaum von einem normgemäßen LF 16/20 abweichen. Die Reaktionen der Feuerwehrleute nannte Lentner am Montag überwiegend positiv.

Midship-Pumpe von Lentner

Midship-Pumpe von Lentner.

Concept Car von Schlingmann

Anders als Lentner stand für Schlingmann die Entlastung der Hinterachse im Vordergrund. Als Pate für diese Konstruktion diente das neue HLF 20/16 der Berufsfeuerwehr Ratingen. Schlingmann betont bewusst, dass dies ein Konzept ist und wünscht sich eine offene Diskussion um das Konstruktionsprinzip.

Schlingmann nennt zwei Möglichkeiten, die Hinterachslast zu reduzieren. Bisher lösten einige Feuerwehren das Problem mit einem längeren Radstand. Dadurch reduzierte sich der Überhang über die Achse und die Pumpe rutschte mehr in das Innere. Die erreichte Gewichtsreduktion auf der Achse liegt bei 600 Kilogramm. Nachteil dieser Bauform ist der vergrößerte Wendekreis, der insbesondere in Städten problematisch ist. Schlingmann griff daher eine zweite Möglichkeit auf und versetzte den Wassertank und die Pumpe an die Aufbauwand zur Mannschaftskabine hin. Die Hinterachse ist bei dieser Konstruktion um etwa 700 Kilogramm entlastet.

Der Wassertank rutschte aus praktischen Erwägungen nach vorne: Wäre der Tank im hinteren Teil und die Pumpe im vorderen Teil verblieben, hätte das Fahrzeug keine Durchladung im Aufbau ermöglicht. Die Verstauung eines Spineboards oder einer Rettungsplattform wären damit nicht möglich. Außerdem führte dies zu einer weiteren Entlastung der Hinterachse, denn der Wunsch nach immer größeren Wassertanks bei den HLFs führte in der Vergangenheit zu mehr Belastung auf der Achse.

Die Besonderheit ist allerdings, dass die Armaturen und das Bedienfeld der Pumpe nach wie vor im Heck sind. Diese sind nicht, wie bei Lentner, mit nach vorne gewandert. Der Bedienstand selbst befindet sich rechts außen im Heck, sozusagen auf der verkehrssicheren Seite. Damit muss die Haspel nicht abgenommen werden. Dieses Detail ergab sich, so René Schubert von der BF Ratingen, jedoch erst in der Produktionsphase des Fahrzeugs. Die Armaturen befinden sich klassische in der Mitte, sind nun aber im Freien. Die B-Abgänge fungieren gleichzeitig als Unterfahrschutz und führten zu einer zusätzlichen Gewichtsreduktion.

Daneben bietet das Fahrzeug noch andere Besonderheiten. Eine Aufstiegsleiter auf das Dach fehlt. Stattdessen können Feuerwehrleute die Leitern und die auf dem Dach gelagerten und vorgekuppelten Saugschläuche über eine mechanische Entnahmehilfe entnehmen. Das Dach bleibt aber begehbar. Das Concept Car bietet noch einige weitere Details: So ist der Tank so konstruiert, dass zwischen Fahrzeugdach und Tank kein unbenutzter Raum bleibt, der Aufbau ist teilweise begehbar, die Wartung der Pumpe ist einfach und die Ergonomie spielte bei der Planung eine große Rolle.

Das erste Fahrzeug dieser Bauart geht nach der Interschutz bei der Berufsfeuerwehr Ratingen in Dienst. Die Reaktionen der Feuerwehrleute auf das Konzept beurteilt Schlingmann als „reserviertes Interesse“ bei überwiegend positiven Beurteilungen. Insbesondere das neue Bedienkonzept schreckt zu Beginn ab.

Mechanische Entnahmehilfe für Leiter und Saugschläuche.

Mechanische Entnahmehilfe für Leiter und Saugschläuche.

Die Dachbeladung besteht nur noch aus den Leitern und den Saugschläuchen.

Die Dachbeladung besteht nur noch aus den Leitern und den Saugschläuchen.

Der Lichtmast ist beim Concept Car in Richtung Mannschaftskabine gewandert.

Der Lichtmast ist beim Concept Car in Richtung Mannschaftskabine gewandert.

Pumpenbedienstand an der rechten Seite im Heckbereich.

Pumpenbedienstand an der rechten Seite im Heckbereich.

Die Pumpenabgänge befinden sich - ganz klassisch - im Heck.

Die Pumpenabgänge befinden sich - ganz klassisch - im Heck.

Die B-Abgänge fungieren gleichzeitig als Unterfahrschutz.

Die B-Abgänge fungieren gleichzeitig als Unterfahrschutz.

Querschnitt durch den Aufbau: Der Wassertank befindet sich direkt hinter der Mannschaftskabine.

Querschnitt durch den Aufbau: Der Wassertank befindet sich direkt hinter der Mannschaftskabine.

Die Möglichkeit zur Durchladung gibt es nun im Heck, zwischen den Geräteräumen G3 und G6.

Die Möglichkeit zur Durchladung gibt es nun im Heck, zwischen den Geräteräumen G3 und G6.

Teilweise begehbarer Aufbau im Concept Car.

Teilweise begehbarer Aufbau im Concept Car.

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz wurde möglich durch die Unterstützung von Resqtec.

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