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Bush Truck von Morita

(sc). Einen ungewohnten Anblick erhielten die Besucher der Interschutz 2010 auf dem Freigelände. Morita, der führende Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen aus Japan, stellte zwei Fahrzeuge aus, wobei eines durch sein ungewohntes Design besonders herausstach.

Morita ist ein 1907 gegründetes Unternehmen, das zunächst nur Pumpen produzierte. Die erste Drehleiter („Ladder Truck“) kam 1933 auf den Markt. Morita verkauft seine Fahrzeuge auf dem gesamten asiatischen Markt, China bildet dabei den Hauptkunden. In Japan hat Morita einen Marktanteil von 90 Prozent bei den Drehleitern und 50 Prozent bei den Pumpenfahrzeugen. Ausländische Hersteller haben es auf dem japanischen Markt schwer, da dieser zugunsten der einheimischen Hersteller reguliert ist.

Auf dem europäischen Markt ist Morita noch nicht aufgetreten, da das Unternehmen eine andere Produktpalette fertigt, als auf dem europäischen Markt bisher verlangt wird. Ziel des Interschutz-Besuchs ist es aber auf die Produkte aus dem Haus Morita insgesamt aufmerksam zu machen, in der Hoffnung, dass die Normen und Spezifikationen der Märkte am Rande Europas, wie z.B. der Türkei, sich derart ändern, dass auch Morita an Ausschreibungen teilnehmen und gewinnen kann. Anders ausgedrückt: Form follows function – die Norm soll sich an die Wünsche der Feuerwehren anpassen, die Morita induzieren will. Morita strebt keinen Wettbewerb auf dem europäischen Markt an, da man sich der Eigenheiten und Erfordernisse bewusst ist. Tetsuo Kawaguchi von der Morita Corporation betont, dass sich der Besuch der Interschutz finanziell nicht lohnen wird. Denn mitgebracht hatte Morita einen „Ladder Truck“ und einen „Bush Truck“, die eigens für die Interschutz von Japan nach Deutschland gebracht wurden.

Bush Truck von Morita

Das "Bush Truck"-Konzept von Morita. Bild: Morita Corporation.

Der „Bush Truck“ mutet futuristisch an und unterscheidet sich in seinem Design grundlegend von dem, was europäische Feuerwehrleute kennen. Der „Bush Truck“ ist ein speziell für die Waldbrandbekämpfung konstruiertes und für den asiatischen Markt entwickeltes Fahrzeug. Die Entwicklung des „Bush Truck“ erfolgte auf Anforderungen von Kunden, z.B. aus Australien.

Das Fahrzeug ist eine Kooperation zwischen Morita und einem anderen Fahrzeughersteller. Morita entwickelte das Design, das Chassis stammte vom Kooperationspartner. Morita betont, dass bei der Entwicklung des Fahrzeugs „innovatives Design und Funktionalität“ im Mittelpunkt standen.

Als Löschmittel für die Bekämpfung von Waldbränden setzt Morita auf CAF-System. Einerseits aufgrund der begrenzten Löschwassermengen, andererseits wegen der Löscheigenschaften von CAFS. Daneben legte Morita großen Wert auf die informationelle Vernetzung des Fahrzeugs. Die Computer des „Bush Truck“ erlauben einen lückenlosen Informationsaustausch zwischen Luft- und Landeinsatzkräften sowie der Einsatzzentrale vor dem Hintergrund einer dynamischen Waldbrandlage. Der „Bush Truck“ dient hierbei als Kommunikationsbasis für die Waldbrandbekämpfung.

Die Kommunikation erfolgt über ein rückwärtiges Terminal, das so genannte „Operation deck“. Die Brandbekämpfung kann während der Fahrt durch die Feuerwehrleute zu beiden Seiten mit Hilfe von Deckspritzen erfolgen. Dies erlaubt eine hohe Flexibilität bei schneller Reaktionszeit, weil keine Schläuche verlegt oder zum Pumpenbedienstand gewechselt werden muss.

Bush Truck von Morita

Operation deck des Bush Truck von Morita.

Im Aufbau befindet sich neben dem Wassertank und der CAF-Anlage zu beiden Seiten Hubschränke mit Gerät für die Brandbekämpfung. Die CAF-Einheit wird bedient über eine Touch-Bedienfeld. Auf dem Dach ist ein motorbetriebener, mit Wasserhydraulik ausfahrbarer Lichtmast mit vier LED-Leuchten (je 150 Watt) untergebracht. Die gesamte Konstruktion ist auf GFK gefertigt und besitzt damit hohe Robustheit. Das Fahrzeug misst 7.170 x 2.490 x 3.610 Millimeter bei einem Gesamtgewicht von 9,5 Tonnen. Der „Bush Truck“ bietet vier Personen Platz.

Der „Bush Truck“, in der auf der Interschutz gezeigten Variante, ist ein reines Konzept, das, aufgrund des hohen Preises, wohl eher nicht in der Verkauf kommt. Jedoch liegt dem „Bush Truck“ ein Modulprinzip zugrunde. Morita montiert den Aufbau oder Teile davon auf jedes gewünschte Fahrzeug. Bis zur Serienreife vergehen nach Angaben von Tetsuo Kawaguchi zwischen zwei und vier Jahren.

Bush Truck von Morita

Deckspritze auf der Seite des Operation Deck.

Bush Truck von Morita

Hubschrank mit Material für die Waldbrandbekämpfung.

Bush Truck von Morita

CAF-Anlage des Bush Truck von Morita.

Das zweite von Morita präsentierte Fahrzeug war ein „Ladder Truck“ (D), der auf den ersten Blick einer normalen, europäischen Drehleiter ähnlich sah. (Seitlich betrachtet sieht es einem Mercedes-Benz Econic ähnlich).

Morita produziert zwischen 40 und 50 Drehleitern für den japanischen Markt jedes Jahr, davon sind etwa die Hälfte mit der auf der Interschutz vorgestellten Kabine, die speziell für den japanischen Markt zusammen mit der Firma HINO entwickelt wurde. Je nach Kundenwunsch baut Morita seine Leitern auf verschiedene Chassis auf, wobei in Japan die einheimischen Hersteller bevorzugt werden.

Ladder Truck von Morita

Der Ladder Truck Super Gyro Ladder MLL Series von Morita.

Die grundlegenden Eigenschaften und Funktionen der Drehleiter von Morita sind nahezu die gleichen, wie bei den auf dem europäischen Markt angebotenen Leitern, wie z.B. die Memory-Funktion, automatische Kontrolle der Ausladung, Monitor im Korb. Zwei Detailunterschiede gibt es dabei. Morita setzt auf die Waagerecht-Senkrecht-Abstützung, wie z.B. Metz Aerials. Das zweite Detail schreckt europäische Feuerwehren nach Aussage von Tetsuo Kawaguchi ab. Der Leiterpark ist nicht starr, sondern leicht gebogen, ähnlich einem Bambusrohr, das zwischen zwei Händen liegt und in der Mitte durchhängt. Dieses Bambusprinzip sorgt dafür, dass die Leiter Schwingungen und Vibrationen besser aufnehmen kann.

Um auf die maximale Höhe von 31 Metern zu kommen benötigt die Super Gyro Ladder MLL Series 30 Sekunden. Der Korb trägt, je nach Ausführung, zwischen 270 und 360 Kilogramm. Die Leiter misst 10.700 x 3.600 x 2.500 Millimeter bei einem Gewicht von 19.800 Kilogramm. Das oberste Leiterteil ist dabei als Gelenk ausgeführt und kann abgewinkelt werden. Zusätzlich verfügt die Leiter über einen Lift mit einer Tragekapazität von 180 Kilogramm, der zeitgleich zur Benutzung des Korbs betrieben werden kann.

Wie auch in Europa liegt die gängige Höhe von Drehleitern in Japan bei 31 Metern, wobei es einige wenige Leitern in der Größenordnung von 50 bis 53 Metern nach dem Bambusprinzip gibt. Teleskopmasten sind in Japan wenig verbreitet.

Ladder Truck von Morita

Ladder Truck von Morita.

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz wurde möglich durch die Unterstützung von Resqtec.

Kommentare

6 Kommentare zu “Morita: Führender Feuerwehrfahrzeughersteller aus Japan” (davon )

  1. TilMar am 8. Juni 2010 09:24

    Also könnte man sich prinzipiell in einer deutschen Stadt (Ausschreibung und dergleichen lassen wir mal außen vor) für so eine DLK entscheiden und in den Dienst stellen?
    PS sehr interessanter Bericht :)

  2. ro0f am 8. Juni 2010 11:13

    Naja, bei den Drehleitern von Magirus fällt es gar mit bloßem auge auf, dass diese auch in der Mitte durchhängen. Ich wüsste also nicht was da den europäischen Markt abschrecken sollte. :)
    Interessanter Bericht, da sieht man auch mal was entfernt von uns gängiger Standard ist. :)

  3. Bolde112 am 8. Juni 2010 19:14

    Wie beschrieben, dass der Leiterpark in der Mitte durchhängt um Vibrationen und Schwingungen besser aufzunehmen. Das klingt sehr logisch und würde eine Firma in Europa so etwas einführen und logisch präsentieren, dann würden zu 100% diese Produkte gefragt sein. Wenn aber eine Firma aus Japan ankommt, dann schreckt es wohl eher ab, dass diese Leiter mehrere 1000 km weit von uns entfernt produziert wurde und keine Erfahrungsberichte hierzu vorliegen, als das der Leiterpark einer Banane ähnelt. Ich finde das Fahrzeug recht interessant, allein die Kabine mit Mannschaftsraum, wenn man das auf dem Foto richtig erkennen kann. Das Design lass ich mal außen vor.

  4. TilMar am 9. Juni 2010 08:52

    @Bolde112 je außergewöhnlicher das design, desto mehr fällt das fahrzeug auf – sollte für die Feuerwehr eigentlich wichtig sein. einsatzfahrten etc.
    mich würde mal der preis interessieren, ob es somit preislich konkurrenzfähig ist.

  5. Bolde112 am 9. Juni 2010 22:50

    @TilMar aber was bringt einer Wehr das schönste Fahrzeug, welches sich mit hunderten Designerpreisen rühmen kann, wenn der Nutzen von dem Fahrzeug dermaßen gering ist. Du kannst mit einer fahrbaren Kugel viel Aufmerksamkeit erregen, aber wenn diese Kugel zum Beispiel keinen Wassertank, Monitor, Schläuche wie auch immer mitführt, dann ist es denkbar ungeeignet für einen Brandeinsatz. Wichtiger sind da dann die Sondersignalanlage, Heckwarneinrichtung etc.
     

  6. Sascha255 am 10. Juni 2010 08:48

    http://www.flickr.com/photos/sascha255/4686094448/
    Hier ist die angesprochene Drehleiter mal in „Action“

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