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(sc). Kompakt, wendig und geländefähig ist er, der kleine Unimog von Mercedes-Benz. Auf der Interschutz 2010 in Leipzig stellten Mercedes-Benz und Schlingmann den Unimog U 20 aus. Selbst Mercedes-Benz war von der Resonanz auf die Vorstellung des U 20 als Feuerwehrfahrzeug überrascht, erklärte Jan Debler vom Produktmanagement Unimog.

Den Unimog U 20 gibt es seit drei Jahren. Ursprünglich konzipierte Mercedes-Benz den U 20 um die Lücke unterhalb des U 300 / 400 / 500 zu schließen. Diese entstand durch die von den Maßen immer größer werdenden Unimogbaureihen. Mit dem Wegfall der Reihen U 90 bis U 130 Ende der 1990er Jahre, vergrößerte sich die Lücke, die durch die Weiterentwicklung Ende der 1980er Jahre entstanden war.

Obwohl der U 20 deutlich kleiner ist, besitzt er alle unimogtypischen Eigenschaften wie Allradantrieb, Portalachsen, Differentialsperren sowie Möglichkeiten für den Geräteanbau und Antriebsmöglichkeiten. Die Unterschiede zu den großen Unimogs sind zum einen eine andere Philosophie beim Fahrerhaus, zum anderen der Verzicht auf Features, die für das angedachte Einsatzgebiet des U 20 nicht notwendig sind.

Gedacht war der U 20 für den kommunalen Einsatz in kleinen und mittleren Städten im Bauhof oder in Garten- bzw. Landschaftsbaubetrieben. Aus diesem Grund fehlen Wandlerschaltkupplung, Wechsellenkung, hydrostatischen Fahrantrieb oder die Leistungshydraulik. Die Feuerwehren hatte Mercedes-Benz bei der Konzeption des U 20 nicht im Fokus.

Unimog U 20 von Mercedes-Benz mit Aufbau von Schlingmann

Unimog U 20 von Mercedes-Benz mit Aufbau von Schlingmann

Der Unimog U 20 besitzt einen Radstand von 2.700 Millimeter und hat damit einen Wendekreis von 12,6 Metern. Dies entspricht etwa dem einer Mercedes-Benz A-Klasse. Die Fahrzeugmaße betragen 5.700 x 2.150 x 3.000 Millimeter. Diese Kompaktheit, kombiniert mit den unimogtypischen Eigenschaften, machen den Unimog U 20 für die Feuerwehren interessant.

Einerseits lässt sich der U 20 in engen Stadtgebieten einsetzen, als auch in Waldgebieten. Die Leistungsfähigkeit an Steigungen ist dabei mit einem Steigungswinkel von 30 Grad hinten und 27 Grad vorne für den Outdoor-Löscheinsatz ideal. Gleichzeitig erfüllt der U 20 damit die DIN EN 1846-2 für geländegängige Fahrzeuge.

Für diese zwei hier genannten Einsatzgebiete – Stadt und Wald – bietet der U 20 mit seinem Telligent-Schaltgetriebe die Möglichkeit zwischen 1,1 bis zu 90 km/h zu fahren. Dazu stehen dem Maschinisten 16 Vorwärts- und 18 Rückwärtsgänge zur Verfügung. Zusätzlich kann der zwischen 7,5 und 9,3 Tonnen schwere U 20 als leichte Zugmaschine bis zu 18 Tonnen Zuggewicht ziehen.

Mercedes-Benz sieht in dem U 20 das Potenzial die alten U 900 bis U 1400 abzulösen. Im Feuerwehrbereich hofft Mercedes-Benz ebenfalls bei der Ersetzung der alten TLF 8/18-Flotte mit dem U 20 zum Zuge zu kommen. Das TLF 8/18 gibt es seit der 2. Typenreduzierung nicht mehr, jedoch erkannte der Normenausschuss den Bedarf für ein kleines TLF. Die Nachfolgenorm für ein TLF 10/20 befindet sich derzeit in der Einspruchsfrist. Das Interesse der Feuerwehren am U 20 erwachte damit infolge des Normungsprozesses.

Als TLF verfügt der singlebereifte U 20 über die folgenden Merkmale: Der Wassertank variiert zwischen 2.000 bis 2.400 Litern. Als Pumpe dient eine FPN 10-2000. Die Aufbauhersteller Ziegler und Schlingmann verzichteten bewusst darauf, die Möglichkeit größerer Zuladung zu ermöglichen. Den der Normentwurf für das TLF 10/20 sieht keine große Zuladung vor. In dieser Hinsicht orientiert sich die neue Norm an der alten Norm für das TLF 8/18.

FPN 10-200 im Unimog U 20

FPN 10-2000 im Unimog U 20

Schnellangriffseinrichtung des Unimog U 20

Schnellangriffseinrichtung des Unimog U 20

Schläuche und Atemschutzgeräte im Unimog U 20

Schläuche und Atemschutzgeräte im Unimog U 20

Als Basis-Löschausstattung verfügt der U 20 deshalb u.a. über einen 60 Meter Schnellangriffsschlauch, vier Saugschläuche, eine vierteilige Steckleiter sowie der Ausstattung zur Vornahme eine normalen Löschangriffs. Weiterhin finden drei Einsatzkräfte Platz in dem Frontlenker-Fahrerhaus.

Mercedes-Benz hat den U 20 bewusst als günstiges Fahrzeug konzipiert, so Jan Debler, da Mercedes-Benz zunächst an kleinere, weniger finanzstarke Kommunen als Kunden dachte. So gibt es viele Kommunen, die gerne einen Unimog hätten, aber als Ergebnis einer Ausschreibung nicht immer einen Unimog erhalten, weil dieser eben teurer, als Konkurrenzprodukte ist. Das Ziel von Mercedes-Benz ist also ein wettbewerbsfähiges Angebot bei Ausschreibungen im kommunalen Bereich vorlegen zu können.

U.a. aus diesem Grund lag der Fokus auch eher auf Freiwilligen Feuerwehren als mögliche Kunden. Es interessieren sich aber auch (große) Berufsfeuerwehren für den U 20. Dieser eignet sich offenbar auch für den Einsatz als z.B. KLAF. Die Berufsfeuerwehr Wuppertal hat deshalb bereits einen U 20 im Einsatzdienst. Das interessante daran ist, dass der Unimog zum Zeitpunkt der Beschaffung noch in der Konstruktions- und Entwicklungsphase war. Schlingmann und Mercedes-Benz sehen in diesem Beispiel den Bedarf, der für ein kleines TLF besteht. Weitere Bestellungen aus Deutschland, wie auch den benachbarten Ländern liegen vor. Dieses positive Interesse bestätigte sich auch am Stand von Mercedes-Benz, wie Jan Debler betont. Mit dem U 20 scheint Mercedes-Benz eine Marktlücke auszufüllen, die in den letzten Jahren entstanden ist.

Auch der U 20 ist in verschiedenen Varianten realisierbar: Neben der Funktion als Tanklöschfahrzeug, kann er als Löschgruppenfahrzeug, Wechselladefahrzeug, Trockentanklöschfahrzeug, Rüstwagen und weiteren Sonderfahrzeuge aufgebaut werden. Die verschiedenen Aufbaumöglichkeiten des U 20 nutzen die Feuerwehren aus Österreich häufig.

Als Neuerungen bietet der U 20 seit 2010 mit dem OM 904 LA-Motor 130 KW (177 PS) Leistung. Er erfüllt dank der BlueTec-Abgasnachbehandlung die Abgasnorm Euro 5. Mercedes-Benz plant den U 20 ab 2011 auch mit einen Einkreishydraulik anzubieten.

Mercedes-Benz bietet den Unimog mit bis zu vier Hydrauliksystemen an. Für kommunale Fahrzeuge ist die Zwei-Kreishydraulik Standard, denn hiermit lassen sich zwei Fähigkeiten parallel ausführen. Bestes Beispiel ist der Winterdienst: Der Unimogfahrer steuert mit einem Hydrauliksystem die Schaufel, das zweite System dient dem Salzstreuer. Feuerwehren benötigen aber nicht immer zwei Systeme, z.B. wenn nur eine Seilwinde betrieben werden soll. Immerhin ist das Hydrauliksystem ein nicht zu unterschätzender Kostenfaktor. Die Idee eine Ein-Kreishydraulik-Modell anzubieten entstand durch das Interesse der Feuerwehren am U 20.

Eine subjektive Anmerkung des Autors sein an dieser Stelle gestattet: Beim Betrachten des U 20 fühlte sich der Autor unweigerlich an den Unimog (S) 404 erinnert, der als LSHD- und Feuerwehr-TLF maßgeblich das Gesicht von Feuerwehrdeutschland prägte. Im direkten Vergleich sind sich die beiden durchaus ähnlich: Minimale Ausrüstung, klein und wendig sowie geländefähig.

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz wurde möglich durch die Unterstützung von Resqtec.

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