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(iw). Dieser Artikel dürfte etwas durchwachsen werden, läuft doch gerade das Spiel Deutschland-Australien im Fernseher. Dieser steht in der Bar eines Hotels neben des Messegeländes – mein Zuhause seit Donnerstag letzter Woche. Ich wäre gerne in der Leipziger Innenstadt zum Public Viewing gewesen, aber dazu reichen die Kräfte einfach nicht mehr.

Ich möchte versuchen, ein Paar Gedanken über die Interschutz aus Sicht eines Ausstellers zusammenzufassen. Natürlich wurden mehr Eindrücke gewonnen, als man jemals niederschreiben könnte, deshalb nur die wichtigsten Dinge, an die man sich erinnern kann.

Zunächst einmal die Freude darüber, dass alles – in jeder Hinsicht – endlich vorbei ist. Wie man sich vorstellen kann, laufen die Vorbereitungen schon seit einiger Zeit. Wir haben unseren Stand nicht von Messebauern zusammenstellen lassen, sondern haben alles selbst gemacht. Nicht zuletzt vor zwei Wochen, als wir „Rosie“ – so der Kosename für die USAR-Kriechstrecke – probeweise in Dänemark aufgebaut hatten. Wichtig war uns ein „Action“-Stand, an dem auch etwas geboten war. Insgesamt haben sich die Jungs und Mädel (ohne S) von @fire dreimal pro Tag, also 18-Mal durch das simulierte, eingestürzte Gebäude gebuddelt und dürften somit zu den erfahrensten USAR-Tunnelratten (sorry) überhaupt zählen :)

Wie gesagt, der Aufenthalt ging für uns bereits Donnerstag, den 3.6. los, als das Team hier in Leipzig eintrudelte. Zwischen damals und jetzt liegen 10 Arbeitstage, die es in sich hatten.

Wenn ich mir zwei Dinge aussuchen müsste, die ich sozusagen mitnehme: erstens, und an aller erster Stelle, das Wiedersehen mit unfassbar vielen Bekannten. Hier kam alles zusammen: Kontakte von daheim aus den eigenen Wehren und @fire, Kontakte aus der näheren Umgebung, Kontakte Übungen, Veranstaltungen, Seminaren, Workshops, Kontakten aus Facebook, Twitter und natürlich nicht zuletzt FWnetz. Nicht immer war es einfach, ein Gesicht einem Namen zuzuordnen – deshalb an dieser Stelle ein Sorry bei denjenigen, bei denen es nicht sofort geklappt hat.

Eine kleine Anekdote: man erklärt gerade jemandem etwas, aus dem Augenwinkel erkennt man ein bekanntes Gesicht, mit der Frage: „ich kenn den. Wer ist das nochmal?“. Später am Tag kam mit einem Klick die Antwort: der Spindnachbar aus der Feuerwehr. Sorry, Frank, aber immerhin hat’s mit der Zuordnung geklappt :)

Überhaupt hat die Woche einen „Buffer Overflow“, oder eine Übersättigung des Gehirns hervorgerufen. Am Ende hat man „die Tour“ drauf, und zwar den Interessierten die Geräte ziemlich zügig und hoffentlich überzeugend zu erklären. Nicht, dass ich mir in der Rolle eines Verkäufers unbedingt gefallen würde, aber wenn man mit Überzeugung rangeht, lebt es sich zumindest leichter. Wie gesagt, wir hatten die Geräte „im Einsatz“ gezeigt, und so liess sich leichter über Lagen reden, als nur über das Gerät. Einen Tiefbauunfall kann man nur erklären, wenn dieser auch gezeigt wird.

So waren „Rosie“, der „Beam Bender“, an dem ein Stahl-Träger mit Hochdruckkissen verbogen wurde, und auch die Übungstür für das Halligan (bei uns: Hooligan) wunderbare möglichkeiten, um das richtige Vorgehen bei unterschiedlichsten Situationen zu zeigen.

Da wir eine US-Firma sind, hatten wir nicht zu viele Deutsch sprechende. Der Vorteil: Man fängt gleich um 0900 an zu reden, guckt auf die Uhr, und plötzlich ist es 1800 und der Tag zu Ende. Andererseits ist es körperlich nicht ganz ohne: Nicht nur, dass „Rosie“ einen Kampfgewicht von über drei Tonnen aufweist, aber ein Messetag fordert ganz schön. Nach dem Schlussgong gilt es, ein wenig aufzuräumen, ab ins Hotel, ein extrem wohlverdienstes Bier reinziehen, dann duschen und ab in die Stadt oder zum Abendessen.

Die ganz grosse Lehre: solides Frühstück einnehmen, von dem man den ganzen Tag zehrt. Zwischen 1500 und 1700 eine Cola und Snack, und spätes Abendessen um 2000. Bett um Mitternacht frühestens. Grosser Vorteil: man schläft so schnell ein wie noch nie. Nachteil: man wacht zu den blödesten Zeiten auf, so ab vier. Irgendwie kann man sich durchhangeln, viel länger darf die Geschichte natürlich nicht gehen.

Nach dem Abbau heute ist es eigentlich fast nicht zu glauben, dass es vorbei ist. Der anstrengende Teil, die Nachbereitung, kommt natürlich noch.

Der zweite, ganz grosse Punkt: Schwere Technische Rettung steht fast nirgends auf dem Plan. Allerdings gab es einige Gespräche mit Kreisbrandräten (der Bayerische Begriff für „Fire Chief“ in einem Landkreis), die wirkliche Hoffnung aufkeimen lassen: Die Themen „Gebäudeabstützung“, „Tiefbauunfälle“ oder „Schwerer VU“ sollen auf (Land)kreisebene angegangen werden. Klar, das ist ein Langfristprojekt, aber irgend jemand muss ja irgendwo damit anfangen, und alleine das ist fantastisch. Ich freue mich unheimlich darauf, mit diesen (Land)kreisen übergreifende Konzepte ausarbeiten zu können, und diese Themen endlich vernünftig einzusteuern.

Immerhin ist der zeitkritische Stress nun vorbei. Die grösste Herausforderung bestand eigentlich darin, plötzlich und unerwartet einen PKW-Anhänger plus Schrottwagen zu besorgen, nachdem das mir versprochene plötzlich wegfiel. Somit an dieser Stelle ein dickes Dankeschön an die Feuerwehren Thalfingen und Göppingen für die grosse Hilfe!

Was sonst anzumerken bleibt: Leipzig ist eine wirklich schöne Stadt! Ich kenne sie eigentlich nur vom auf der A9 Richtung Dänemark vorbeifahren – so einen zentralen Platz mit viel Leben kenne ich eigentlich nur noch vom Heumarkt in Köln.

Die Messe Leipzig ist ein sehr weitläufiges Gelände. Wer mal einen 25-Kilo-Koffer vom Parkplatz zum Stand transportieren durfte, weiss, was ich meine. In Verbindung mit Hitze und Feuchtigkeit wird das Ganze echt zum Dschungelcamp. Ich habe mir sagen lassen, am Donnerstag wäre unsere Halle das allerkühlste auf dem Gelände gewesen. Die Menschen (und Aussteller) in der Glashalle sind sicher nicht zu beneiden gewesen.

Drei unerklärliche Dinge: warum gibt es an der Hallendecke keinen Strom? Warum gibt es – wie bei anderen kleinen und grossen Messen im Ausland – keine Besucherscanner für Aussteller? Und letztens: warum gibt es keinen messbaren Luftaustausch auf den Klos? Wer mal musste: das war kein Spass.

Ansonsten war die Woche natürlich in einem Aspekt besonders lehrreich: die Klassifizierung der Besucher. Diese fällt in drei ganz grossen Gruppen: der Jäger und Sammler mit Löscheimer, Carambahut und Rucksack, der interessierte und der Händler. Ich werde zeit lebens nicht verstehen, was man mit Nomexhose, Sandalen, FME am Gürtel, und Bier in der Hand (um 0900!) erreichen möchte. Einfach ausklammern, das macht das Leben einfacher.

Ich hätte mir bei uns am Stand auch mal ein wenig mehr Lockerheit gewünscht, aber man hat hier und dort gesehen was passiert, wenn man Bier ausschenkt: gröhlende, trinksprüchige Besucher sind kein Mehrwert. Das kann man sich abends für den Ausflug in die Stadt aufheben.

Was Auf- und Abbau betrifft: ein guter Logistiker ist Gold wert. Insbesondere was die Ein- und Ausfahrt aus dem Gelände betrifft, aber auch Ver- und Entpacken, Strom organisieren, und vieles mehr.

Wie oben erwähnt, als deutsch sprechender hat man durchgehend Standdienst. Ich hätte mir wirklich gewünscht, ein wenig mehr sehen zu können. So musste sich das Sightseeing leider auf ein Paar wenige Minuten vor 0900 beschränken. Das Meiste gab es an den Aufbautagen zu sehen, oder heute beim Abbau. Schade, aber das gehört dazu.

Wie auch immer, man nimmt einiges an Eindrücken mit nach Hause. Diese Eindrücke gilt es, erstmal zu sortieren und zu verarbeiten. In jeder Hinsicht war es ein tolles Erlebnis, aber die Vorfreude auf ein Familienwiedersehen ist natürlich enorm!

Wie gesagt, die Eindrücke sind so vielfältig, dass man sie hier nur bruchstückhaft widergeben kann. Ich hätte gerne wesentlich mehr von den Fachinfos mitgenommen, beispielsweise Vorträge und Symposien, aber da mussten andere ran :)

In diesem Sinne, ein grosses Dankeschön, und spätestens bis Hannover 2015 :)

Kommentare

6 Kommentare zu “Die Aussteller-Interschutz” (davon )

  1. Sebastian Busch am 13. Juni 2010 23:19

    Artikel gerade auf dem Rückweg von Leipzig quasi verschlungen. Großartig!

  2. alltagimrettung am 14. Juni 2010 08:42

    Schöner Bericht Irakli. Nur als ich die Karte vom „Auerbachs Keller“ gesehen habe, stieg mir die Zornesröte ins Gesicht. Viel zu teuer und geschmacklich eher unterirdisch.

  3. sebastian am 14. Juni 2010 08:51

    Sehr schöne Eindrücke, Irakli. Ich war ja „nur“ am Samstag unterwegs. Das Wetter war dort ja nicht wirklich berauschend, aber die Hallen waren trotzdem zu warm! Und wenn man das jeden Tag hat, macht es einen wohl wirklich kaputt.
    Ansonsten – sehr gelungen!

  4. Cimolino am 14. Juni 2010 09:16

    Hallo,

    USAR in den Kreisen:
    wollen wir wetten, dass man dann an vielen Orten den Tag verfluchen wird, wo man das LF 16/12 und den RW 2 durch ein HLF 20/30 und ein GW-LF-irgendwas ersetzt hat?
    Dann hat man aber wenigstens Argumente, noch schneller auch im ländlichen Bereich ein WLF-Konzept einzuführen, wenn man eine „richtige Feuerwehr“ sein will. Egal ob man dafür genug Trägerfahrzeuge/AB hat, der Platz vor Ort ausreicht usw.
    Natürlich ist das ein Thema, das weiter vertieft werden muss. Dabei sollte man aber das THW von Anfang an mit einbinden (v.a. in die Alarmierung), weil die vieles von dem schon können, was wir hier erst mühsam dazu lernen müssen und auch Spezialisten bei den Feuerwehren zulassen. Die Fw ist hier aber nicht verzichtbar, weil das THW hier i.d.R. erst die 2. oder gar 3. Welle stellen kann. (Die aber dann mit Macht und ausdauernder als wir.)

  5. neklaf am 14. Juni 2010 14:22

    Ich war etwas erschrocken vom Publikum am Freitag und Samstag. Sowohl auf der Messe als auch Abends/Nachts in der Innenstadt. Mich wundert es nicht mehr, dass viele (Leipziger) Mitbürger das Bild vom saufenden Feuerwehrmann im Kopf haben. Ein Kollege beschrieb das mit den Worten ‚wie beim Vatertag, nur weniger Frauen‘.

  6. brunsben am 14. Juni 2010 20:00

    Auch ich möchte mich bei dir noch einmal bedanken. Es war eine sehr schöne Siuation, als einige Leute unserer Whe an eurem Stand nach Informationen zu Hebekissen fragte und schon wieder eine, von wenig Fachwissen aber viel Verkaufswillen geprägte Antwort erwarteten, denn das haben wir leider häufiger erlebt. Die Gesichter war einfach traumhaft, als sie mit Fachwissen und Tipps fast überhäuft(im positiven Sinn, sie haben alles verstanden) worden sind und sich nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr für Hebekissen sondern Luftheber interessierten. Ich glaube die hat selten jemand so schnell überzeugt! Danke dafür noch einmal. Ich denke gerade in vielen kleinen Feuerwehren wird mangels Wissen einfach immer das Hebekissen eines bekannten Herstellers angeschaft, „weil es die anderen auch haben“. Mit dem Besuch an eurem Stand wurde, zumindest bei uns, ein Anstoß in eine andere Richtung gegeben.

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