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(cl/hw). Die Brandweer Nijmegen (NL) nutzt seit ungefähr vier Jahren eine Einsatzunterstützungssoftware, die dem Einsatzleiter zahlreiche Informationen bietet und ihm die Möglichkeit zur Interaktion mit anderen, am Einsatz beteiligten Stellen zulässt. Dieses System wurde auf der Interschutz vorgestellt.

Das System basiert auf einem Navigationssystem für die BOS, das ungefähr 100 Feuerwehren in den Niederlanden nutzen. In diesem Navi kann der Benutzer manuell bestimmte Straßen priorisieren. Wenn eine Straße zum Beispiel eine Busspur besitzt, hat sie eine sehr hohe Priorität, da die Einsatzfahrzeuge dort schnell voran kommen.

Kombiniert ist das Ganze mit einem Hydrantenplan und Luftbildaufnahmen der Stadt, die eine Genauigkeit von zehn Metern aufweist. Dies verschafft dem Einsatzleiter einen guten Überblick.

Ebene Luftaufnahme

Die Idee für die Software kam einigen Feuerwehrmännern nach Feierabend, als diese sich fragten, ob man nicht die Einsatzpläne der Objekte mit einer Brandmeldeanlage auf das tragbare ARMOR Tablet PC übertragen könne. Mit Hilfe der Firma CityGIS (Geographic Information Systems) [http://citygis.nl/index.php?option=com_content&task=view&id=13&Itemid=27] realisierten die Feuerwehrleute das System.

Nach Erreichen der Einsatzstelle hat der Einsatzleiter den Übersichtsplan des Gebäudes mit allen allgemeinen Infos: Aufstellung der ersten Fahrzeuge, Zugänge zum Gebäude, Löschwassereinspeisestellen, aber auch den Besitzer des Gebäudes und die Verwendung. Auf der nächsten Ebene kann die Software zusätzliche Infos einblenden: Bauweise des Gebäudes, Öffnungszeiten, Anzahl der Mitarbeiter, durchschnittliche Anzahl der Besucher, Rauchabzüge oder eventuell im Gebäude vorhandenen Gefahrgüter.

Informationsansicht BMA

Die dritte Ebene ermöglicht dem Einsatzleiter den Zugriff auf die Gebäudegrundrisse mit Brandabschnitten, etc. Sollte der Betreiber umbauen, muss dieser der Stadt die Umbaumaßnahme mitteilen. Die Stadt informiert die Feuerwehr, die dann eine Begehung des Gebäudes durchführt. Die Feuerwehr aktualisiert die Pläne dann im Computer.

Grundriss mit Infoleiste
Grundriss

Der Einsatzleiter hat auch Zugriff auf Informationen von Wohngebäuden. Besitzer, Bauweise und vor allem die Anzahl der dort gemeldeten Personen kann der Einsatzleiter abfragen.

Der Einsatzleiter kann auf dem Bildschirm zeichnen. Speichert er das Bild, so wird es über ein gesichertes Mobilfunknetz auf alle anderen Bildschirme und in die Leitstelle übertragen.

Das System lässt sich mit Livebildern aus einer Kamera am Korb der Drehleiter (Normal- oder Wärmebild), Drohnen oder Überwachungskameras koppeln. Mit Hilfe des Livebildes und der Karten errechnet die Software eine 3-D-Ansicht.

Auf den Löschfahrzeugen sind an der Leiterhalterung auf dem Dach ebenfalls eine Normalbild- und eine Wärmebildkamera montiert. Entnehmen die Feuerwehrleute die Leiter und die Saugschläuche vom Dach, klappt die Halterung nach oben und die Kameras kommen in eine erhöhte Position. Die Bilder der Kameras werden über die Datenfunkverbindung den anderen Teilnehmern automatisch zur Verfügung gestellt. So können sich die Kollegen aus der Leitstelle oder von anderen Fahrzeugen ein Bild der Lage aus einem anderen Blickwinkel verschaffen.

Kameras

Das System bietet allerdings noch deutlich mehr Funktionen. Auch für Polizei und andere Sicherheitsbehörden ist es geeignet. So erleichtert es die Verfolgung von Personen, indem andere vorhandene Datenquellen wie Gebäudedaten, Überwachungskamera und Umweltdaten mit in die Darstellung eingeblendet werden. Bei Planung großer öffentlicher Veranstaltung kann beispielsweise Bereiche ein Scharfschütze von einem bestimmten Standort abdecken kann.

Bis zu 120 Meter kann sich der Einsatzleiter von seinem Fahrzeug entfernen, ohne den Kontakt zu verlieren. Aktualisiert wird das System manuell alle 2 Monate oder bei Bedarf. Eine tägliche, automatische Aktualisierung geht demnächst in die Erprobungsphase.

Über ein ähnliches System berichtete Stefan Cimander im FWNetz-Magazin im Februar. In Deutschland ist es in Erprobung durch die Bundeswehr. [Link]

Ebenfalls auf dem System integriert ist eine Crash-Recovery-Datenbank von moditech [Link]. Hier haben es die niederländischen Feuerwehren leicht: Denn ein in den Niederlanden zugelassenes Fahrzeug behält immer sein Nummernschild. Durch Eingeben der Nummer erscheint sofort das richtige Fahrzeug auf dem Bildschirm. Eine manuelle Auswahl ist natürlich auch möglich.

Crash Recovery Ansicht

Andere Feuerwehren sind noch nicht mit diesem System ausgerüstet, da es sehr aufwändig ist, die Daten alle in das System einzupflegen und aktuell zu halten.

Christian Lewalter und Michiel Hartermink

Wir führten das Gespräch mit dem Feuerwehrmann Michiel Hartermink, der maßgeblich an der Entwicklung des Systems beteiligt war.

[Links] Brandweer Nijmegen 1,  Brandweer Nijmegen 2, Brandweer Nijmegen GIS

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz wurde möglich durch die Unterstützung von Resqtec.

Kommentare

5 Kommentare zu “Interschutz: Software zur Einsatzunterstützung” (davon )

  1. Sebastian Busch am 15. Juni 2010 12:28

    Schon sehnsüchtig auf den Bericht gewartet. Wirkliche beeindruckend das ganze…

  2. Stefan Cimander am 15. Juni 2010 16:21

    Sehr interessant. Während man in Dtsl noch an  Lösungen forscht (siehe mein Artikel), sind die Nachbarn mal wieder weiter

  3. martien am 15. Juni 2010 17:23

    Die Fahrzeugsuche ist wirklich einfach im System: Kennzeichen werden nur von einer Behörde vergeben und der Tablet-PC hat eine Datenleitung mit Priorisierung zu der Behörde.

  4. martien am 15. Juni 2010 17:24

    Die Fahrzeugsuche ist wirklich einfach im System: Kennzeichen werden nur von einer Behörde vergeben und der Tablet-PC hat eine Datenleitung mit Priorisierung zu der Behörde (Nachteil ist das das System immer eine Handy-Verbindung braucht).

  5. Stefan Cimander am 24. Dezember 2010 11:52

    Die Zeit berichtet über sowas: http://blog.zeit.de/open-data/2010/12/23/open-data-feuerwehr/ ist das das gleiche, oder eine anderesy System?

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