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(sc). Gestern Abend bin ich mit einem sehr interessanten und spannenden Thriller fertig geworden, der mich entfernt an das von mir vor einigen Wochen rezensierte Buch „Schwarzfall“ von Peter Schwindt erinnerte. „Black Monday“ von R. Scott Reiss beschreibt ein Szenario, in dem plötzlich alle Erdölvorkommen durch eine Mikrobe unbrauchbar werden. Zeigte Schwindt in „Schwarzfall“ die Abhängigkeit von der Verfügbarkeit von Strom, so zeigte Reiss, dass das Vorhandensein von Strom, bei gleichzeitigem Fehlen von Treibstoff in einer modernen Gesellschaft fatale Auswirkungen hat.

Zum Inhalt

Eine ominöse Organisation um einen schottischen Ölmagnaten verseucht die Erdölvorkommen bewusst, um eine neue Weltordnung herzustellen, in der weder Amerika, noch die erdölexportierenden Länder aus dem persischen und arabischen Raum und Lateinamerika eine Rolle spielen. Wie es sich für einen Thriller gehört, macht natürlich ein Profikiller jagt auf alle Leute (Wissenschaftler, Polizisten, …) die zu viel über diese bewusst herbeigeführte Kontamination wissen.

Öl als Kitt der Zivilisation

Interessant waren dabei weniger die erzähltechnischen Aspekte, als vielmehr der Verweise auf die Reaktionen in Politik und Bevölkerung, angesichts einer derartigen Krise im aufziehenden Winter. Da es an nicht kontaminiertem Treibstoff mangelt, kann der Staat die Ordnung am Ende nicht mehr aufrecht erhalten. Denn sowohl Polizei als auch Armee benötigen Treibstoff für Ihre Fahrzeuge. Die Lebensmittelversorgung bricht auch zusammen, da die Fabriken Schmieröl für die Maschinen benötigen, als auch auf LKW als Transportmittel zurückgreifen müssen. Es herrscht mit zunehmender Dauer des Mangels Chaos, Gewalt und das Recht des Stärkeren: „Kaum nimmt man ihnen ihr Geld, ihr Öl und ihre Autos weg, gehen sie einander an die Gurgel“ heißt es gegen Ende des Buches.

Zurück in die Zukunft Vergangenheit

Reiss stellt eindrucksvoll dar, wie schnell eine zivilisierte und hochtechnisierte Gesellschaft zurück ins Mittealter fällt, und wie schnell animalische Instinkte die Oberhand über die Ratio gewinnen. Der durch den Mangel an Treibstoff bedingte Rückzug des Staates führt zu einem Machtvakuum, das von Warlords und Selbstschutzgruppierungen gefüllt wird. Obwohl die Erzählung in den USA spielt (Reiss wählte wohl bewusst die amerikanische Bevölkerung, um die Zerrissenheit des Landes zu zeigen), sind die Reaktionsweisen der Bevölkerung auf das Fehlen staatlicher Macht übertragbar auf andere Gesellschaften.

Erhalt des Staates als Problem

In der Rezension von „Schwarzfall“ erwähnte ich den „molekularen Bürgerkrieg“ (Enzensberger) als dominierende Reaktion. Diese Reaktion ist auch in „Black Monday“ beschrieben. Reiss geht aber darüber hinaus und erwähnt Aspekte, die für die Staatsräson bzw. den Erhalt des Staates insgesamt von Bedeutung sind.

Das zivilisatorische Hexagon

Dazu ein wenig (politische) Theorie: Der Politikwissenschaftler Dieter Senghaas entwickelte das so genannte „zivilisatorische Hexagon“, um anhand dieses Modells die Bausteine für eine stabile und friedliche Gesellschaft visuell darzustellen. Das Hexagon besteht aus sechs Bausteinen, die sich wechselseitig stärken, aber auch schwächen können.

„Ein wesentlicher Baustein ist (1) das Gewaltmonopol, d.h. die Entprivatisierung von Gewalt und dessen Legitimation, sprich die „Entwaffnung der Bürger“. Der nächste Baustein, (2) Rechtsstaatlichkeit, beinhaltet die Kontrolle des Gewaltmonopols. Dies ist eine Voraussetzung dafür, dass das öffentliche Gewaltmonopol nicht despotisch missbraucht werden kann. Denn ohne eine rechtsstaatliche Kontrolle wäre das Gewaltmonopol nichts weniger als eine Diktatur. Der dritte Baustein, (3) Demokratische Partizipation beinhaltet die demokratische Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an Wahlen und anderen Entscheidungsfindungsprozessen. Ohne dieses Mitwirkungsrecht würde sich das Volk nicht an die vorgegebenen Spielregeln halten. Auch muss das durch das Volk entgegengebrachte, für die Legitimierung des Gewaltmonopols notwendige Vertrauen durch Gleichberechtigung abgesichert werden. Dies geschieht unter anderem durch den vierten Baustein, die (4) Soziale Gerechtigkeit. Soziale Gerechtigkeit beinhaltet die Sicherung der Grundbedürfnisse eines jeden Menschen. Dazu kommt die Sicherung der sozialen Menschenrechte. Der nächste Baustein trägt die Überschrift (5) Konstruktive Konfliktkultur. Hiermit ist die Fähigkeit zu Toleranz in einer multikulturellen Gesellschaft und die Bereitschaft zu kompromissorientierter Konfliktlösung gemeint. Der letzte Baustein des Hexagons ist mit (6) Interdependenzen und Affektkontrolle überschrieben. Hierunter fallen die wechselseitige Abhängigkeit zwischen den Mitgliedern einer Gesellschaft und ihre Selbstkontrolle in Konfliktsituationen. Wenn dies gegeben ist, nimmt die Wahrscheinlichkeit gewaltsamer Konfliktaustragungsformen ab.“ [zit. n. Wikipedia] [Siehe auch Bundeszentrale für politische Bildung (PDF)]

Das Hexagon und „Black Monday“:

Der Staat kann mangels Treibstoff sein Gewaltmonopol nicht durchsetzen. Für die USA kommt erschwerend hinzu, dass keine Entwaffnung der Bürger stattgefunden hat. Zusammen mit dem Gewaltmonopol ist auch die Rechtsstaatlichkeit nicht mehr arbeitsfähig, denn auch hier fehlen die Mittel zur Gegenwehr. Fehlt nun auch eine konstruktive Konfliktkultur, ist das Hexagon derart destabilisiert, dass „Frieden“ und „Gewaltfreiheit“ zum Fremdwort werden. Die weiteren Eckpunkte des Hexagons beziehen sich mehr auf das Verhältnis von dem Staat auf die Bürger, wirken aber, ob der speziellen Situation, auch destabilisierend. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

Ein Kommentar bisher zu “Öl – die Lebensader der Zivilisation” (davon )

  1. norge am 1. Juli 2010 14:46

    Eine ähnliche Thematik hat das Buch „Ausgebrannt“ von Andreas Eschbach. Auch sehr zu empfehlen!

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