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(sc). Als Journalist hat man es im Bereich Feuerwehr nicht immer leicht. Komplexitätsreduktion und kritisches Hinterfragen von Sacherverhalten führen zu latenten Vorbehalten gegen (Feuerwehr-)Journalisten. Nicht selten berührt der Schreiber dabei heikle Befindlichkeiten. Eine dieser Befindlichkeiten stellt das Wort „Feuerwehr“ an sich dar. Feuerwehr ist aber nicht Feuerwehr. Wir kennen Freiwillige Feuerwehren mit und ohne hauptamtliche Kräfte, Berufsfeuerwehr, Pflichtfeuerwehr, Werksfeuerwehr und Betriebsfeuerwehr.

Wenn ich als Journalist nun über einen Einsatz schreibe, dann stehe ich oft vor einem Dilemma. Schreibe ich „Feuerwehr Musterstadt war im Einsatz“, dann fühlen sich womöglich Berufs- oder hauptamtliche Feuerwehrleute nicht korrekt wahrgenommen. Verzichte ich dagegen auf das „Freiwillige“ vor der Feuerwehr, fühlen sich freiwillige Feuerwehrleute falsch etikettiert.

Will man es nun beiden Seiten gleichermaßen Recht machen, führt das zu Satzungetümen wie „Die Berufsfeuerwehr Musterstadt löschte mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Musterstadt den Brand“, bzw. „Die hauptamtliche Wachebereitschaft der Feuerwehr Musterstadt löschte mit Unterstützung der Freiwilligen Feuerwehr Musterstadt den Brand.“ Würde ich es kurz schreiben, stünde da: „Die Feuerwehr Musterstadt löschte den Brand.“ Was klingt nun besser?

Die Frage nach der Ursache dieser Etikette ist schwierig zu beantworten. Ein Blick in die jeweiligen Feuerwehrgesetze hilft da nicht weiter, und verkompliziert das Dilemma sogar noch.

In Baden-Württemberg steht z.B. in §6,1 „Ist eine Einsatzabteilung der Berufsfeuerwehr oder eine Einsatzabteilung mit hauptamtlichen Kräften eingerichtet, führt sie die Bezeichnung „Feuerwehr“ – das „sie“ bezieht sich auf die Gemeindefeuerwehr als Oberbegriff. In Nordrhein-Westfalen heißt es in §9,2 „Eine Berufsfeuerwehr bildet mit der Freiwilligen Feuerwehr und, soweit vorhanden, der Pflichtfeuerwehr die Feuerwehr der Gemeinde.“ In Hamburg lässt sich aus § 2 („Berufsfeuerwehr und Freiwillige Feuerwehren sind Einrichtungen der Freien und Hansestadt Hamburg.“) schon mehr über die begriffliche Differenzierung herauslesen. Dagegen kennt das bayrische Feuerwehrgesetz in §16, Abs. 1 nur die Kooperation verschiedener Arten von Feuerwehren: „Mehrere Feuerwehren einer Gemeinde haben bei der Erfüllung ihrer Aufgaben zusammenzuwirken.“

Nun könnte man zu Recht fragen, was diese Pseudodiskussion soll. Jedoch kommt es immer wieder zu Situationen, in der die beiden Seiten ihre Zugehörigkeit betonen – und hier liegt ein Teil der Ursache.

Einige – nicht alle! – Berufs- und hauptamtliche Feuerwehrleute heben Ihre Professionalität, ihren hauptberuflichen Charakter und bedingt dadurch, mehr Ausbildung und Praxis hervor. Es soll auch vorkommen, dass die Begriffstrennung von Amtswegen aufrecht erhalten wird, ob welcher Ziele auch immer.

Doch auch die Freiwilligen heben ihre Zugehörigkeit hervor: Dabei liegt die Betonung dann auf dem der Freiwilligen Feuerwehr zugrunde liegenden Vereinsprinzip und der Betonung des Charakters der Nebentätigkeit. Ausflüge, Feiern und Kameradschaft bilden hier die Eckpfeiler. (Wobei es auch einen Unterschied zwischen „Freiwillig“ und „freiwillig“ gibt: Der erste Begriff betont die historische Herkunft, während der zweite die berufliche Situation der Feuerwehrleute hervorhebt).

Im Prinzip ist die Differenzierung grober Unfug, denn beide stehen, um es plakativ auszudrücken, im gleichen Feuer. Ob mehr oder weniger Ausbildung, bezahlt oder freiwillig, die zu bewältigenden Aufgabe sind die gleichen.

Mehr noch führt die Unterscheidung in Medien und Öffentlichkeit zu einer Begriffsverwirrung in der Öffentlichkeit, die dann dazu führen kann – wie im Feuerwehr Weblog vor langer Zeit erzählt –, dass man in der Öffentlichkeit zwischen der richtigen und der falschen Feuerwehr unterscheidet, und nur die richtige – also die Berufsfeuerwehr – retten darf.

Es gibt nur eine Feuerwehr und die hilft allen. Beide haben eine hoheitliche Aufgabe. Begriffliche Unterscheidungen machen intern Sinn, gehören aber nicht in die Öffentlichkeit: Dazu zählen Fahrzeugbeschriftungen, Rückenkoller etc. Ich verzichte in Zukunft also weitgehend auf die begriffliche Trennung, und schreibe nur noch „Feuerwehr“. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

2 Kommentare zu “Feuerwehr ist nicht gleich Feuerwehr” (davon )

  1. simon02 am 22. Juli 2010 10:07

    oder man wird überhaupt nicht genannt, wie z.B. die mittlerweile zahlreichen Feuerwehrdienstleister (Dienstleistungsfeuerwehr).

    Dienstleister die mit  Servicediensten (Brandwachen, Technische Hilfeleistungen, Stellungen Werk-/ Betriebsfeuerwehr usw.) ihr Geld verdienen.

    Dies nur mal als Anmerkung zu den Aufzählungen der einzelnen „Feuerwehrarten“.

    Im übrigen ein sehr guter Artikel!

    Gruß
    Simon

  2. Geza Grün am 23. Juli 2010 18:59

    Wieder ein sehr interessanter Artikel von Stefan Cimander. Danke.
    Er beschreibt eine von vielen Herausforderungen, der man morgens um 2 Uhr nach einem Einsatz gegenüber steht. Für eine Pseudodiskussion halte ich das auf keinen Fall. Diskussionspartner sind leider rar.
    Ich habe klare Vorgaben, wie Sachverhalte gegenüber der Presse kommuniziert werden sollen. So sind wir im Stadtgebiet fünf Wehren – die Stadt hat nur eine Feuerwehr, die in fünf Stadtteilen eng zusammenarbeitet. Ich finde es immer wieder schwierig hier niemanden zurückzusetzen und dass das seit Jahrzehnten überholte Kirchturmdenken der Gestrigen wie auflebt.
    Ebenfalls keine Pseudodiskussion ist die Wortwahl. Seit Jahren suche ich eine Alternative zum Wort „Kammeraden“.
    Was ist mit „Gerätehaus“ und „Feuerwehrhaus“? Jeder hier weiß, dass das Gleiche gemeint ist. Die Wirkung ist unterschiedlich. Das Gerätehaus ist ein Lagerraum. Im Feuerwehrhaus sind neben den Fahrzeugen die Ausbildungsräume, Büros und Werkstätten usw.
    Aus Marketing – Sicht ist es wichtig, die Bevölkerung neugierig darauf zu machen, dass die Feuerwehr mehr als Feuer-Wehr ist.
    Dies ist der Kernpunkt. Das technische Denken steht dem Marketinggedanken im Weg. Ein Artikel für die Publikumspresse muss leicht zu lesen sein. Deswegen formulieren wir leicht und lassen Details weg. So ein Artikel ist sachlich immer noch richtig und wir können verhindern dass falsches Wissen der Redakteure in der Zeitung steht. „Großbrand mit vier Löschzügen“ – tatsächlich waren es vier Fahrzeuge…

    Unter diese Argumentation fällt die Art der Feuerwehr. Der Bürger braucht die Feuerwehr. Über das Dienstverhältnis der Retter macht er sich keine Gedanken – noch nicht. Jeder Feuerwehrler wurde schon mal gefragt, ob, wenn was wirklich Schlimmes passiert, die „richtige“ Feuerwehr kommt. In meinen Presseinformationen schreibe ich – wie Stefan – von „der Feuerwehr“. In den Hintergrundinformationen steht immer, dass wir ausschließlich ehrenamtliches Personal haben.

    In einer Sache teile ich nicht Stefans Meinung.
    Der ehrenamtlichen Feuerwehr liegt nicht der Verein zugrunde.  Der Verein ist eine die Kommune fördernde Einrichtung mit Zweckgebundenheit. Der Verein soll für die Feuerwehr da sein, nicht umgekehrt!
    Die Vereinsarbeit der Feuerwehr in der Öffentlichkeitsarbeit in den Vordergrund zu stellen, halte ich für sehr gefährlich. Schnell wird dann aus der freiwilligen Feuerwehr eine Laien-Feuerwehr.
    Nach dem Sturm „Xynthia“ hat die FAZ in einem Kommentar die Arbeit der Freiwilligen Feuerwehr gelobt. Doch kein Lob ohne Kritik: „Kaum eine Vereinigung verleitet die sich intellektuell Dünkenden so zur Veralberung wie die Freiwillige Feuerwehr mit ihrer manchmal tatsächlich etwas üppigen Vereinsmeierei.“
    Meiner Meinung nach sollten wir die Kritik in diesem Loblied sehr ernst nehmen.
    Geza
    P.S.: Wer für die Öffentlichkeit schreibt, kann sich die Texterfibel kostenlos bestellen. Danach wird man zwar mit Werbung bombardiert, das Heft halte ich dennoch für eine Hilfe.

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