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Russland, (sst). Die Hitzewelle, die Deutschland im Juni und Juli im Griff hatte, beherrscht zur Zeit das Leben in Mittel- und Westrussland. Seit mehr als einem Monat werden dort Temperaturen von mehr als 35 Grad Celsius erreicht. Hinzu kommen noch starke Winde, die zusammen mit der Trockenheit die besten Voraussetzungen für heftige Waldbrände sind.

In mehreren Regionen seien die Waldbrände gelöscht worden, teilten die russischen Behörden mit. Allerdings brachen in den vergangenen 24 Stunden auch mehr als 250 neue Feuer aus. Moskau ist wegen der Torfbrände im Umfeld der Hauptstadt weiter in dichten Qualm gehüllt. Die Torfbrände sollten künftig rund um die Uhr bekämpft werden, sagte Vize-Zivilschutzminister Alexander Tschuprijan, bislang seien die Brände nachts lediglich kontrolliert worden. Rund um das atomare Forschungszentrum in Sarow etwa 400 Kilometer östlich von Moskau schlugen Soldaten und Feuerwehrleute eine acht Kilometer lange und 150 Meter breite Brandschneise. Die Lage sei unter Kontrolle, teilte das Zivilschutzministerium mit. Alle in dem Zentrum lagernden explosiven und radioaktiven Stoffe waren nach Angaben der Behörden bereits an andere Standorte gebracht worden.

Unterdessen schickte Frankreich ein Löschflugzeug nach Russland. Italien bot ebenfalls an, mehrere Maschinen zur Verfügung zu stellen. Aus Polen waren 155 Feuerwehrleute auf dem Weg nach Russland. Deutschland liefert auf Bitten Russlands 100.000 Atemschutzmasken nach Moskau, außerdem Schläuche, Pumpen sowie Motoraggregate. Die Hilfslieferungen sollen am Montag ankommen. Das Innenministerium dementierte jedoch, dass auch deutsche Helfer in Moskau eingetroffen seien. Das hatte Interfax unter Berufung auf einen namentlich nicht genannten Mitarbeiter des Zivilschutzministeriums gemeldet. Nach offiziellen russischen Angaben sind unter anderem Rettungskräfte aus Italien, Polen und Bulgarien im Einsatz gegen die Feuerwalze.

Bislang kamen mindestens 52 Menschen in den Flammen ums Leben, bis zu 2000 Wohnhäuser wurden zerstört. Hunderte Verletzte liegen in Krankenhäusern, Tausende sind auf der Flucht vor den Flammen. Russische Hilfsorganisationen schätzen, dass die Zahl der Toten weit höher liegt. Russische Behörden haben eingeräumt, dass die 10.000 zur Verfügung stehenden Feuerwehrleute nicht für die Brandbekämpfung ausreichten.

Entwässerte Sümpfe begünstigen Brände

In Russland steht nicht nur der Wald in Flammen, sondern auch der Torfboden, auf dem die Bäume stehen. Torf besteht aus Moos. Getrocknet ergibt das Pflanzenmaterial, genau wie Heu oder Stroh, einen exzellenten Brennstoff und erreicht einen Heizwert wie Braunkohle. Es gibt kaum eine Region der Welt, in der es größere Torfflächen gibt als in Russland. Mehr als 10 Prozent der Fläche Westrusslands waren nämlich früher Sumpfland.

So lange die Sümpfe noch in ihrem ursprünglichen Zustand nass waren, konnten sie nicht brennen. Sie sind jedoch in den letzten 100 Jahren nach und nach trockengelegt worden. Die gewaltigen Landflächen konnten so als Acker, Wiesen oder Wälder genutzt werden. Deshalb kann inzwischen aus jedem kleinen Waldbrand ein schwelender Torfbrand werden.

Das Feuer frisst sich in den Boden hinein. Heiß brennen kann es schon nach einigen Zentimetern nicht mehr. Dazu fehlt der Sauerstoff, also schwelt der Brand und verursacht mehr Qualm als ein herkömmlicher Brand.

Das derzeit größte Problem in Russland: In den Rauchschwaden der Torffeur sind jede Menge winziger Partikel, die tief in die Lunge gelangen können. Außerdem setzen die Brände große Mengen giftiger Kohlenwasserstoffe frei. Die hängen über dem Land und weit darüber hinaus: Bis Kiew in der Ukraine reichen die Rauchschwaden, das haben Messungen der Feuerökologen an der Universität Freiburg ergeben. Für die Menschen dort sind die Dämpfe so schädlich, als würden sie Zigaretten in Kette rauchen.

Torffeuer sind weltweit ein Dauerproblem. Vor allem in den mächtigen Mooren Südostasiens können sie mehrere Jahre schwelen. In Russland gehen die Brände derzeit nur an wenigen Stellen in tiefere Bodenschichten. Der Feuerökologe Goldammer schließt aus Weltraumaufnahmen, dass die Feuer derzeit im Torf relativ oberflächlich brennen. Aber auch so braucht es ungeheure Mengen Löschwasser, um einen solchen Brand in den Griff zu kriegen.

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