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(sc). Vor einigen Tagen hatte ich berichtet, dass ein Webseitenbetreiber einen meiner Artikel kopierte und auf seiner Webseite veröffentlichte. Urheberhinweise ignorierte diese Person und ersetzte sogar einen zusätzlichen Bearbeitungshinweis durch seinen eigenen Namen. Ich hatte die Gegenseite daraufhin in einem offenen Brief aufgefordert, entweder den Artikel zu entfernen oder einen korrekten Autorenhinweis anzubringen. Noch vor Ablauf der von mir gesetzten Frist kam die Gegenseite dieser Aufforderung nach Entfernung nach, nicht jedoch ohne mir im Gegenzug mit Konsequenzen zu drohen und mir indirekt das Recht an meinen Artikel abzusprechen. Die von mir geforderte Entschuldigung erfolgte nicht.

Daraufhin habe ich die Angelegenheit, aufgrund der besonderen Qualität des Urheberrechtsverstoßes, an den Fachanwalt übergeben, den der DFJV seinen Mitgliedern in solchen Fällen empfiehlt.*  Dieser Vorfall ist für mich ein Grund für grundsätzliche Überlegungen:

Artikelklau ist selten

Derartige Fälle sind selten, sehr selten. Die meisten Webmaster, Blogger etc, die einen Artikel aus dem FWNetz.de übernehmen, kennzeichnen den Artikel korrekt mit Autoren- und Quellangabe. Ich betone es an dieser Stelle ausdrücklich: Solange Autor und Quelle des Original-Artikels angegeben sind, habe ich kein Problem damit, wenn jemand meinen Text auf einer (nicht-kommerziellen) Webseite zur Wieder-Veröffentlichung bringt. Es ehrt mich, wenn jemand meinem Text eine solche Qualität zugesteht, dass man diesen unbedingt zweit-veröffentlichen möchte. Und bisher war das alles kein Problem!

Im Gegenteil: Die von der Rechte-Industrie kolportierte Gratis-, Piraten- und Klaumentalität spielt in Bezug auf die Inhalte im FWNetz.de keine große Rolle und zeugt gleichzeitig von einer hohen Achtung unserer Leser gegenüber unseren Inhalten.

Die wenigen Ausnahmen von dieser Regel haben sich in der Vergangenheit mit einer Email und dem Hinweis, dass vergessen wurde den Quelle/Autor anzugeben, aus der Welt schaffen lassen – oft eine Entschuldigung obendrauf.

Vorfall von neuer Qualität

In dem aktuellen Fall war das leider nicht so. Bisher habe ich es nicht erlebt, dass sogar ein Bearbeitungshinweis ersetzt und mir, auf Bitte um Richtigstellung, gedroht wurde. Aus diesem Grund hatte ich einen Fachanwalt in dieser Causa beauftragt. In diesem Fall zunächst mit den üblichen Rechtsinstrumenten.

Es geht ums Recht

Im Gegensatz z.B. zur Rechte-Industrie geht es mir durch diese Rechtsinstrumente nicht um das Ziel der Gewinnerzielung, sondern einerseits um den erzieherischen Effekt, andererseits um das Recht an meinem Text! Mir geht es nicht darum – ich wiederhole mich – generell zu verhindern, dass andere meine Artikel auch veröffentlichen wollen.

Anerkennung ist mein Honorar

Ich stelle meine Artikel im FWnetz.de unentgeltlich für alle zur Verfügung und erhalte für das Verfassen der Artikel kein Honorar. Ich schreibe, weil es mir Spaß macht und weil ich einige Texte als Referenzen nutzen kann. Außerdem – und das ist ja das Anliegen des FWNetz.de – wollen wir mit unseren Texten zur „Aufklärung“ der deutschen Feuerwehrleute beitragen. Im Grunde ist das ziemlich idealistisch. Unsere Währung (oder Honorar) ist dabei die Anerkennung.

Wenn selbst die einfachen Bedingungen, unter denen wir Texte im FWNetz.de (und früher im Feuerwehr Weblog) zur Verfügung stellen, mit Füßen getreten werden, macht es streng genommen keinen Sinn, weiter Zeit, Energie und eigenes Kapital in die Erstellung eines Fachartikels zu stecken. Und diese Bedingungen sind alles andere als kompliziert: Nennung des Autors/Quelle, kein kommerzielle Nutzung und keine Bearbeitung des Artikels.

Ein Anwalt ist teuer

Durch die Beauftragung eines Anwalts entstehen natürlich Kosten und die betragen in meinem Fall eine Höhe, von der ich drei Interschutz-Besuche** bezahlen könnte. Klar, ich bin im Recht und kann diese Kosten von der Gegenseite einfordern. Aber so einfach wie das klingt, ist es nicht. Ich musste mir also zwischenzeitlich Gedanken machen, woher ich die finanziellen Mittel nehmen könnte, um den Rechtsstreit weiter finanzieren zu können. Wir reden hier von Summen, für die ich mehrere Monate arbeiten müsste.

Reaktionen auf Artikelklau

Vor dem Hintergrund dieses Falles, gibt es für mich drei Reaktionsweisen:
a) Nichts tun und es hinnehmen
b) (Offene) Email schreiben und auf Einlenken hoffen
c) Fachanwalt beauftragen und Recht durchsetzen

Nichts tun und es hinnehmen

Variante Nummer 1, nichts tun und es hinnehmen, widerstrebt mir, da ich nicht will, dass jemand anderes fortgesetzt ideellen oder sogar finanziellen Nutzen aus meinem Artikel zieht, indem er meinen als seinen Text ausgibt. Diese Reaktion ist die denkbar schlechteste, da sie nicht nur Resignation ausdrückt, sondern über kurz oder lang zur Einstellung publizistischen Engagements im Web führt, weil das „Honorar“ – die Anerkennung – ausbleibt. Wozu soll ich etwas schreiben, wenn andere durch den Textklau den „Nutzen“ haben?

Email schreiben und auf Einlenken hoffen

Variante Nummer 2, Email schreiben und auf Einlenken hoffen, ist das „Default“-Vorgehen und führt in aller Regel auch zur Behebung der entdeckten Rechtsverletzung bzw. einer Richtigstellung. Denn oft liegt einfach nur ein Missverständnis oder Schusseligkeit vor, die dazu führten, dass z.B. ein Webmaster die Angaben vergaß. Korrigiert nun die Gegenseite den Fehler, erhält man sein „Honorar“ – die Anerkennung – durch die Korrektur. Weiter oben habe ich bereits geschrieben, dass dieser Weg in der Vergangenheit derjenige war, der am wenigsten Problem verursachte.

Fachanwalt beauftragen und Recht durchsetzen

Variante Nummer 3, Fachanwalt beauftragen und Recht durchsetzen, widerstrebt mir aus mehreren Gründen. Auf die Hilfe eines Fachanwalts kann man aber nicht immer verzichten. Die Mandatierung eines Anwalts ist nicht nur teuer, sondern kann, wenn sich die Gegenseite entsprechend verhält, auch langwierig sein. Dies kann dazu führen, dass man selbst in den wirtschaftlichen Ruin getrieben wird, weil die Gegenseite die Kosten nicht zahlen kann oder will. Dazu kommen ggf. Vorwürfe von anderen „Bloggern“, die dieses Vorgehen als Gewinnerzielungsabsicht missverstehen oder generell die Mandatierung eines Anwalts in Urheberrechtsfragen ablehnen. Eine Mögliche Schlussfolgerung hieraus wäre, im Internet keine Texte mehr zu veröffentlichen, weil man zukünftige Rechtsverletzungen durch das Nicht-Publizieren generell verhindert. Aber will ich das?

Fazit: Textklau schädigt alle

Um es zusammenfassen: Wer Texte klaut, beraubt die Urheber ihrer Währung – der Anerkennung. Geschieht dies, hat das u.U. zur Folge, dass der beklaute Urheber nichts mehr publiziert oder den Zugang zu seinen Texten begrenzt. Legt man die o.g. Maxime der „Aufklärung“ zugrunde, ist diese Reaktion kontraproduktiv und schädigt damit alle die, die die Texte zur Erweiterung des eigenen Wissens nutzten und die Arbeit des Autors schätzten.

Actio gleich Reactio

Der aktuelle Vorfall ist inzwischen abgeschlossen. Ich behalte mir aber vor, jederzeit wieder gegen so offensichtliche Rechtsverletzungen mit aller Härte vorzugehen – auch wenn ich erneut einen Fachanwalt einschalten muss. Auch lasse ich mir nicht verbieten, einen offenen Brief im FWNetz.de zu veröffentlichen, um diese Rechtsverletzung anzuprangern. Wer „klaut“ (Actio) muss mit Reactio rechnen.

Ab in die Sommerpause

Ich gehe jetzt erst mal in die Sommerpause, einerseits um mir Gedanken über die Zukunft des FWNetz.de zu machen und weitere Artikel fertig zu stellen, aber auch um über Grundsätzliches nachzudenken. Weiterhin haben mich die Gespräche mit dem Fachanwalt auch so einiges gelehrt, z.B. was schutzwürdig ist. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

* Der DJFV bietet seinen Mitgliedern eine kostenlose Erstberatung durch seine Vertragsanwaltskanzlei an. Der Anwalt unterstützt die Mitglieder in den Bereichen Urheber-, Verlags- und Medienrecht. Ich habe dieses Angebot nun schon zum zweiten Mal angenommen, und bereue es nicht. Gerade bei „kleinen“ Fragen, rechtlicher Unsicherheit und Vorfällen (wie oben beschrieben) kann dieses erste Gespräch helfen und die weiteren Wege aufzeigen.

** Als Grundlage dienen mir meine Kosten auf der vergangenen Interschutz in Leipzig.

Kommentare

6 Kommentare zu “Anmerkungen zu einem aktuellen Vorfall” (davon )

  1. maos am 9. August 2010 17:59

    100% Zustimmung!
     
    Von der HP meiner FW wurden bereits 2 mal Texte in eine Wochenzeitung kopiert. Hier habe ich jedoch Variante 1 angewandt und gehofft, es wird nicht mehr vorkommen. Das war  jedoch garantiert das letzte Mal, nächstes Mal gibt es einen bösen Brief!

  2. Medevac71 am 9. August 2010 18:37

    *Daumen hoch*

  3. Cimolino am 9. August 2010 19:33

    Hallo,

    leider seit Jahren ein Problem bis hin in den Printbereich.

    Ich verfolge nach immer schlechteren Erfahrungen mit „wird schon werden“ mittlerweile nach Nachfrage über das „Versehen“ in der 2. Welle direkt über meine Anwältin.

    Da sich das rumzusprechen scheint, habe ich seit einiger Zeit weniger Probleme als früher…

  4. Florian Fastner am 9. August 2010 20:29

    einen schönen Urlaub, hoffentlich kannst ein wenig ausspannen :-)

  5. Sebastian Stenzel am 10. August 2010 00:39

    Volle zustimmung! Wobei ich das Gefühl habe, dass das „Versehen“, einen entsprechenden Hinweis auf den Autor zu setzten, oft genug beabsichtigt ist.

    Hab dazu auch einen guten Artikel bei Blogprojekt.de gefunden, in dem auch gezeigt wird, wie Duplikate einfach gefunden werden können…

    Content-Diebe finden und bekämpfen

  6. Stefan Cimander am 10. August 2010 08:37

    @Florian Fastner bin nicht wirklich im Urlaub, bin weiterhin am Arbeiten. Ich mache jetzt nur „Urlaub“ vom FWNetz. ;-) Dank interschutz wird mein Sommerurlaub sehr kurz

     

    @Sebastian Stenzel Interessanter Artikel. Besonders die in dem Blogartikel genannten Tools sehen nach dem ersten Testen nützlich aus.

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