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Abbildung 1: Die Feuerwehr Frankfurt bestellte zwei baugleiche GTLF. Das erste ist inzwischen ausgeliefert. Den Prototypen zeigte Lentner auf der Interschutz. Die Auslieferung des zweiten erfolgt zusammen mit zwei kleineren GTLF 6 Anfang 2011. Foto: Lentner.

(sc). Die Branddirektion Frankfurt am Main bestellte bei dem Aufbauhersteller Josef Lentner GmbH zwei Großtanklöschfahrzeuge (GLTF). Das erste der beiden Fahrzeuge, gleichzeitig der Prototyp, war auf der Interschutz 2010 in Leipzig am Stand von Lentner zu sehen. Die Ingenieure des Unternehmens hatten das GTLF erst einen Tag vor Beginn der Interschutz fertig gestellt.

Die Dimensionen des GTLF sind gewaltig: Die Abmessungen betragen 9.520 x 2.500 x 3.400, der Radstand 4.500 Millimeter. Der Motor leistet 300 KW (410 PS) und hat eine Hubraum von 11.946 Kubikzentimeter. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 26.000 Kilogramm. Das GTLF verfügt über einen 11.000 Liter Wasser fassenden Tank und zwei Tanks mit je 500 Litern Schaummittel.

Aufgebaut ist das Fahrzeug auf einem Mercedes-Benz Actros 2541 L6x2. Verwendung fand ein herkömmliches Straßenfahrgestell mit gelenkter Nachlaufachse. Die Hinterachslenkung verringert den Wendekreis. Der Maschinist kann zudem die Nachlaufachse bei leerem Wassertank anheben. Der Aufbau ist in GFK-Bauweise (Glasfaserverstärkter Kunststoff) ausgeführt und stammt von der niederländischen Firma Plastisol. Auf dem Fahrzeug finden zwei Einsatzkräfte Platz.

Im Heck ist ein Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-4000 von Godiva und eine Schaumzumischung vom Typ Firedos FD 4000 eingebaut. Auf Wunsch der Feuerwehr Frankfurt ist die Godiva-Pumpe in klassischen Armaturen ausgeführt. Bei der FireDOS-Anlage handelt es sich dagegen um eine Spezialanfertigung, die entsprechend der Anforderungen der Branddirektion Frankfurt konfiguriert ist. Die Zumischrate ist in mehreren Stufen von 0,2, 0,4, 0,6, 0,8, 1,0, 3,0, bis zu 6,0 Prozent Schaummittelzugabe einstellbar.

Weil sich die Feuerwehr Frankfurt die Möglichkeit offen lassen will, große Wassermengen zu fördern, ist ein Pumpeneingang bzw. -abgang als Storz F (Durchmesser 6“, das entspricht 150 mm) ausgelegt. Das Fahrzeug hat ferner vier B-Ein- und Ausgänge. In jeden Abgang kann die Feuerwehr Schaummittel hinzugeben. Dabei ist zu beachten, dass die Abgänge entweder nur Schaum oder nur Wasser abgeben können. Die Löschwasserabgabe erfolgt entweder über eine 50m Schnellangriff DN25 oder über den Dachmonitor.

Pumpenbedienstand am GTLF der Feuerwehr Frankfurt

Abbildung 2: Pumpenbedienstand am GTLF der Feuerwehr Frankfurt. In der Mitte gut zu sehen, der Storz F Ein-/Abgang.

Als Monitor findet der Typ Alco EL 366 24 V DC Verwendung. Dieser verfügt über einen hydraulisch optimierten Wasserweg. Dies ermöglicht große Wurfweiten bei geringen Druckverlusten. Die Durchflussleistung erreicht bis zu 4.000 Liter Wasser in der Minute bei einem maximalen Betriebsdruck von 16 Bar.

Auf dem Monitor sitzt eine Automatikdüse vom Typ Alco MZ A 4000-8 EL. Die Hohl- und Sprühstrahldüse ist elektrisch und stufenlos verstellbar. Die Einstellung reicht von einem  weiten Hohlstrahl bis zu einem breit aufgefächerten Sprühstrahl. Der Schwenkbereich liegt in der Horizontalen bis 330 Grad, in der Vertikalen bis – 45 Grad bzw. + 90 Grad. Der Wasserdurchfluss regelt sich automatisch, angepasst an die Förderleistung der Pumpe von 400 bis 4000 Liter pro Minute. Zusätzlich können die Einsatzkräfte einen neuartigen Schaumaufsatz an der MZ 4000 Düse anbringen, der die Erzeugung von Schwerschaum mit erhöhter Verschäumung ermöglicht. Ferner befinden sich zwei Xenon Scheinwerfer (Weit- u. Breitstrahler) am Monitor.

Funkfernsteuerung von Alco

Abbildung 3: Funkfernsteuerung vom Typ FSE 770 radiobus von HBC Radiomatic.

Neben der Größe des GTLF ist eine Funkfernsteuerung für das Fahrzeug die Besonderheit. Die Funkfernsteuerung vom Typ FSE 770 radiobus von HBC Radiomatic kann die Hauptpumpenfunktionen und die Schaumzumischung aus bis zu zweihundert Metern Entfernung steuern. Die Einsatzkraft kann mit Hilfe der Fernsteuerung die Pumpe ein- und ausschalten sowie die Pumpendrehzahl regulieren. Ein beleuchtetes Display zeigt den aktuellen Pumpendruck an. Ebenfalls kann der Maschinist die Schaumzumischung über die Fernbedienung ein- und ausschalten, die Zumischrate verstellen und einen der beiden Schaumtanks auswählen. Außerdem kann der Feuerwehrmann mit der Fernsteuerung alle Funktionen des Werfers bedienen. Das heißt die Arbeits-/Parkposition, Bewegung des Werfers, Voll-/Sprühstrahl, Wasser auf/zu sind bedienbar. Zusätzlich gibt es eine Taste für die Durchflussreduzierung, die dazu dient, am Anfang nur mit geringer Durchflussmenge die Position des Werfers einrichten zu können.

Eine Batterie hält die Fernsteuerung etwa zehn Stunden aktiv. Sollte die Batterie keine Leistung mehr bringen, ist im Fahrerhaus ein Ersatzakku neben der Ladestation untergebracht.

Daneben sind auf dem GTLF noch weitere Ausrüstungsgegenstände untergebracht. Hervorzuheben ist dabei das mobile Schaumerzeugungssystem Flexi Foam M/L 4. Flexi Foam dient der Schaumerzeugung unmittelbar am Einsatzort. Ein TEMPEST-Hochleistungslüfter erzeugt dazu die Luft außerhalb des Brandbereichs und transportiert diese mittels Spirallutte zum Schaumerzeuger. Durch die Regelung der Luftzufuhr steuert man die Verschäumungszahl und die damit zusammenhängende Fließfähigkeit des Schaums.

GTLF 10 der Feuerwehr Frankfurt: Bild: Uwe Lorz

Abbildung 4: In Frankfurt lautet die offizielle Bezeichnung des Fahrzeuges GTLF 10. Der Funkrufname ist Florian Frankfurt 4/26. Foto: Uwe Lorz

Weiterhin befinden sich die üblichen Schläuche, wasserführende Armaturen und Werkzeug auf dem Fahrzeug. Im Aufbau sind ferner zwei Atemschutzgeräte und Schneeketten sowie drei Waldbrandbekämpfungstaschen mit D-Schläuchen und D-Strahlrohren verlastet.

Als Sondersignalanlage finden auf dem Führerhaus ein Warnbalken vom Typ FG Hänsch DBS 3000 LED, vier Max B. Martin Pressluftschallbecher, an der Fahrzeugfront zwei Blitzer vom Typ FG Hänsch Nano LED bzw. an den hinteren Aufbauecken sowie zwei Blitzer über dem Pumpenraum Verwendung. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Links / Quellen

Bildnachweise

  • (1)  Josef Lentner GmbH
  • (2, 3) FWNetz / Cimander
  • (4) Uwe Lorz

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz 2010 wurde ermöglicht durch die Unterstützung von Resqtec.

Kommentare

5 Kommentare zu “11.000 Liter Wasser auf Rädern” (davon )

  1. Florian am 30. September 2010 22:17

    Mich würde interessieren, für welchen Anwendungsbereich die Feuerwehr Frankfurt diesen Fahrzeugtyp benötigt. Innerhalb des Stadt- und Gewerbegebiets ist doch eine ausreichende Löschwasserversorgung vorhanden.
    Was gibt es denn außerhalb, was solch eine Fahrzeugbeschaffung erforderlich macht?

  2. Christian Lewalter am 1. Oktober 2010 06:35

    Hallo Florian. Ich denke, dass es hauptsächlich für die Autobahnen und den Stadtwald gedacht wird. Aber auch als „Puffer“ für Großbrände in Gewerbegebieten kann es sich eignen. Die Fahrzeuge sind ja keine neu Idee der BF Frankfurt, sondern alte Fahrzeuge werden ersetzt.

  3. Stefan Cimander am 1. Oktober 2010 08:01

    @Forian: Deine Fragen hatte ich auch und habe diese an die Pressestelle der Feuerwehr gestellt, aber bis heute keine Antwort erhalten. Ich denke aber, dass sich der taktische Nutzen eines TLF (egal ob 5.000 oder 11.000 l Wasser) in jeder Stadt ähneln dürfte. Außerdem wäre der Artikel zu lang geworden, wenn ich das taktische Konzept auch noch erklärt hätte. (Ich versuche meine Artikel in Zukunft kürzer zu halten, weil die wegen der Länge kaum einer liest).

  4. maos am 1. Oktober 2010 17:03

    @SC
     
    Genau das habe ich aber vermisst!
    Aber Meinungen und Vorlieben sind nunmal unterschiedlich… ;)

  5. Stefan Cimander am 29. Juli 2011 20:09

    In der aktuellen Ausgabe der Brandschutz (8/2011) steht ein Artikel über das GTLF-Konzept in FFM und der Hintergrund bzw. Ablauf der Beschaffung der neuen GTLF-Generation.

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