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(sc). War die Feuerwehrhomepage vor fünf Jahren ein etabliertes Mittel der Öffentlichkeitsarbeit, so war das Weblog erst in einer Phase der Entdeckung. Das mag auch daran liegen, dass vor fünf Jahren HTML-Websites der Standard waren. Eine mit Weblog-Technik gestaltete Feuerwehrseite stach dabei natürlich ins Auge. Das Thema Feuerwehr und Weblog liegt deshalb im Fokus meines Interesses, nicht zuletzt durch die Interview-Reihe „BOS-Blogs“.

Die Weblogtechnologie ist weit verbreitet und findet als Quasi-CMS oder der einfachen Bedienung wegen als Technologie-Standard Eingang in die Feuerwehr-Homepage-Welt. Der Einsatz von Weblogtechnologie macht eine Seite aber nicht automatisch zu einem Weblog im engeren Sinn. Das führt mich zu der Frage, wodurch sich ein Feuerwehr-Blog auszeichnet.

Die Frage danach, was ein Weblog ist, beantwortet die Kommunikationswissenschaft: Das Führen eines Weblogs ist eine individualisierte Form der Kommunikation, die sich durch Bezug zu anderen Online-Ressourcen (insbesondere andere Weblogs) und Verlinkung auszeichnet, sowie die Grenze zwischen Rezipient und Produzent aufhebt – in der Blogosphäre ist damit u.a. die Möglichkeit des direkten Feedbacks auf Artikel gemeint. Für meine Frage nach den Kriterien eines „Feuerwehr-Weblogs“ helfen diese Merkmale ansatzweise. Ich versuche mal eine Definition zu formulieren.

Ein Feuerwehr-Blog ist ein Blog, der von einer oder mehreren natürlichen Personen regelmäßig mit Inhalt bestückt wird. Die Personen führen das Blog nicht im Auftrag eines kommerziellen Unternehmens oder einer (BOS-)Organisation. Der Inhalt besteht hauptsächlich aus Themen rund Feuerwehr und angrenzenden Themenbereichen. Das Blog spiegelt die subjektiven Interessen der Autoren wieder und dient nicht dem Zweck der Werbung, dem Marketing, der Öffentlichkeitsarbeit und/oder dem Gelderwerb.

Diese Definition hat einen Schönheitsfehler: Inhaltlich-qualitativ gesehen kann eine statische HTML-Seite Blogmerkmale erfüllen. Um eine Abgrenzung zu erreichen, muss ich die Webtechnologie als Merkmal hervorheben. Denn die Blogtechnologie hat die technische Zugangsschranke zum Web für Autoren und Leser aufgehoben. Dies führte erst zum Zusammenfallen von Rezipient und Produzent. Autor und Leser können nun über die Kommentarfunktion einen Text weiterentwickeln und in Diskurs treten.

Nehme ich diese Eigenschaften als Grundlage für meine Ausgangsfrage, ist das Ergebnis ernüchternd. Ich konnte kein halbes Dutzend Feuerwehr-Blogs finden, die diese Charakteristika erfüllen, selbst wenn ich „Themen rund um Feuerwehr“ sehr weit auslege. Lasse ich das Kriterium der Regelmäßigkeit weg, ist die Zahl schon etwas höher, überschreitet ein Dutzend aber immer noch nicht.

Setze ich das ins Verhältnis zur aktiven Gemeinde der deutschen Rettungsdienst-Blogs, führt mich dies zu der Frage, warum es im Bereich Feuerwehr so wenige Blogs gibt? In den USA, dem Mutterland der Weblogs, gibt es eine unüberschaubare Anzahl an Feuerwehr-Blogs, die an meine Kriterien heranreichen.

Technische Hürden scheiden aufgrund der einfachen Bedienbarkeit der Weblog-Software aus. Ebenso können Verständnishürden, die eine fortgeschrittene Nutzung von Webtechnologie entgegen steht, nicht Ursache sein. Dies würde sich nämlich auch in anderen Bereichen des alltäglichen Lebens zeigen.

Der Faktor Geld könnte eine Rolle spielen, denn Blogs benötigen Webspace und eine eigene URL. Alternativ lässt sich hier auf kostenlose Blog-Dienste zurückgreifen. Diese Dienste erleichtern den Einstieg und der Blogger kann sofort loslegen, ohne sich Gedanken über die Technik machen zu müssen.

Zeit ist auch eine Ressource, und davon benötigt ein Blogger viel. Bloggen bedeutet, dass man einen Teil seiner Freizeit für die Arbeit am PC, Recherchen, Interviews, Fotografien etc. nutzen muss. In einem Land, in dem die Regelarbeitszeit zum Fremdwort avancierte, in der selbst die Teilnahme am Übungsdienst der Feuerwehr zum Vabanquespiel wird, stellt die Zeit eine wichtige Ressource dar. Meist warten neben dem Beruf und der Familie noch andere Interessen.

An dieser Stelle könnte die Sozialstruktur der Feuerwehr eine Rolle spielen. In der Feuerwehr finden sich verhältnismäßig viele Selbstständige und Handwerker. Das sind Berufe, die eine hohe Arbeitszeit aufweisen. Aber auch Angestellte haben mit gestiegenen Anforderungen im Job zu kämpfen. Dieses strukturelle Problem wirkt sich jedoch auch auf andere Lebensbereiche aus, und hat wenig feuerwehrspezifisches.

An der Anzahl der Feuerwehrleute in Deutschland kann es nicht liegen, denn davon gibt es hauptberuflich wie freiwillig viele. Die Bezeichnungen „hauptberuflich“ und „freiwillig“ sind an dieser Stelle fehl am Platz, denn sie verleiten zu der Annahme, dass hier unterschiedliche Maßstäbe gelten. Die Feuerwehr ist aber eine Behörde, die eine hoheitliche Aufgabe wahrnimmt – egal ob als Beruf oder freiwillig. Und hier liegt ein weiterer Grund.

Denn sowohl als Ehrenbeamter, als auch als hauptberuflicher Feuerwehrmann unterliegt man beamten- oder anderen verwaltungsrechtlichen Gesetzen und Vorschriften. In diesen Schriftwerken steht zwar nirgends, dass die Meinungsfreiheit nicht gilt, dafür ist aber geregelt, was ein Feuerwehrmann öffentlich über die Feuerwehr sagen darf. Restriktive Vorgaben der Feuerwehr, wie Publikationsverbote, verschärfen das. So lange diese Schranke die eigene Feuerwehr betrifft, ist das nachvollziehbar. Doch ist das kein Grund, keinen Blog zu führen. Es ist zwar schade, wenn die Themen eines Blogs gar keinen Bezug zur eigenen Feuerwehr-Realität haben, jedoch gibt es noch immer genügend andere Aspekte, über die man bloggen kann, ohne die eigene Feuerwehr zu erwähnen.

Das mangelnde Mitteilungsbedürfnis könnte aber auch in fehlender Empathie oder Egoismus liegen. So wie ein Großteil der Menschen nicht bereit ist Anderen in einer Notlage auf der Straße zu helfen, könnte dies auch auf die Bereitschaft Informationen und Erfahrungen zu teilen, zutreffen. Jeder behält Informationen für sich selbst, um anderen zu schaden oder sich einen Vorteil zu schaffen.

Für die Feuerwehr ist dieses Argument ein zweischneidiges Schwert: Einerseits sind Feuerwehren auf den Informationsaustausch angewiesen, andererseits lässt sich die Feuerwehr als struktur- und meinungskonservativ bezeichnen. Veränderungen und Neuerungen benötigen lange Zeit, bis diese akzeptiert sind und Anwendung finden. Diese konservative Prägung könnte Auswirkungen auf die einzelnen Mitglieder haben und zu dem Mitteilungsdefizit führen.

Genau das macht die Sachlage vielleicht ganz einfach: Es besteht schlicht und einfach kein Interesse an unabhängigen und privaten Blogs, eben weil konservative Strukturen bestehen, die das Mitteilungsdefizit fördern. Nur dort, wo eine Nachfrage herrscht, gibt es ein Angebot.

Es gibt sicherlich noch mehr Aspekte, z.B. Urheberrecht, Angst vor Abmahnungen, Konsumgesellschaft, etc. die ein Rolle spielen könnten. Doch lassen sich diese Argumente auch auf alle nicht-Feuerwehr-Blogs anwenden.

Ohne Meinung gibt es keine Diskussion, und ohne Diskussion gibt es keine Veränderung. Es gibt viele Nischen und interessante Themen im BOS-Bereich, über die sich bloggen lässt und für die sich interessierte Leser finden. Einen Versuch ist es wert. Mehr Feuerwehr-Blogger bitte. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

(Vielen Dank an viele Korrekturleser und Tippgeber!)

Kommentare

6 Kommentare zu “Mehr Feuerwehr-Blogger bitte!” (davon )

  1. alltagimrettung am 1. Oktober 2010 11:18

    Ich persönlich würde es sehr begrüßen, wenn es mehr Blogger aus dem Bereich Feuerwehr aber auch BOS geben würde.
    Natürlich bedeutet ein Blog, dass man Zeit, Geld und viele andere Dinge braucht, um einen guten Blog zu führen. Nichts ist in meinen Augen schlimmer, als irgendwelche Texte hinzuschmieren. Man muss auch nicht täglich bloggen, wenn man gute Texte schreibt.
    Wichtig in meinen Augen für Kollegen, die gerne Bloggen wollen, nehmt euch Zeit, schreibt keinesfalls über Betriebsinterna und versucht Einsätze so anonym wie möglich zu verfassen, dass der Arbeitgeber oder andere Personen daran keinen Anstoß nehmen können.
    Wer sich gerne mal als Blogger probieren möchte, dem sei http://www.blaulichtgeschichten.de/ zu empfehlen. Dort können Texte eingereicht werden, ohne eine eigenen Blog zu besitzen.

  2. Ludger Kotulla am 1. Oktober 2010 13:07

    sorry, ich bin wohl etwas begriffstutzig: bitte helft mir weiter:
    Was unterscheidet einen Blog von einer Webseite? Dank CMS können doch die Leser zu jedem Artikel einer Webseite Stellung nehmen und diskutieren?
    Oder ist die Grenze nicht ganz so sauber zu ziehen?
     
    Liebe Grüße,
    L. aus H.

  3. Jochen Petzinger am 3. Oktober 2010 15:29

    Blogs (und z.B.: auch Wikis) sind CMS. CMS sollte eher als „Überschrift“ für die ganze Palette an Online-Veröffentlichkeitssystemen verwendet werden, bei denen man online (meist mit einem WYGIWYS-Editor) Inhalte bearbeiten kann.

    Auch finde ich die Definition nicht wirklich passend: „Das Blog spiegelt die subjektiven Interessen der Autoren wieder und dient nicht dem Zweck der Werbung, dem Marketing, der Öffentlichkeitsarbeit und/oder dem Gelderwerb.“

    Die meisten Onlineinhalte spiegeln subjektive Interessen wieder (selbst Wikipedia ist durch seine „Relevanzkriteren“ subjektiv), das ist kein Herausstellungsmerkmal für Blogs. Und auch gerade (Video)blogs sind perfekte Instrumente bzw. lassen sich perfekt instrumentalisieren um das sogenannte „virale Marketing“ durchzuführen – dienen als auch (wenn auch teilweise ungewollt) dem Marketing und dem Gelderwerb. Für die Öffentlichkeitsarbeit sind sie genauso verwendbar – Warum sollte ich (Gesetz dem Fall ich würde einen Blog führen) damit nicht auch auf den Tag der offenen Tür meiner Feuerwehr hinweisen und hinterher darüber berichten? Und schon sind wir in der ÖA…

  4. Solgull am 4. Oktober 2010 13:29

    Ich könnte mir vorstellen, dass Bloggen innerhalb der Feuerwehr noch nicht wirklich gesellschaftsfähig ist. So wie in vielen Feuerwehren auch Kritik noch nicht akzeptiert wird.

    Gerade nach aussen hin stellt sich die Feuerwehr meist als unfehlbar dar, so dass (öffentliche) Kritik oder Anregungen im Keim erstickt werden. Das bedeutet aber auch für den Blogger, dass es ihm kaum möglich ist frei über aktuelle Ereignisse innerhalb der eigenen Feuerwehr zu schreiben. (Zum Beispiel über eine Fahrzeugbeschaffung)

    Dadurch sind von Anfang an viele Themen die einen persönlich bei der Feuerwehr beschäftigen für ein öffentliches Blog tabu. Damit bleiben nur solche Themen die andere Feuerwehren oder alle Feuerwehren gleichermaßen betreffen. Da aber auch die anderen Feuerwehren selten echte Kritik nach aussen über sich zulassen, bleiben nur allgemeine aktuelle Themen und Entwicklungen über die man berichten könnte.

    Berichtet man allerdings allgemein über Feuerwehren fehlt oft das persönliche, gerade das, was es als Blogger ausmacht – die eigenen Erfahrungen über etwas nieder zu schreiben.

  5. Andre Schild am 4. Oktober 2010 16:59

    Danke für den Artikel Stefan!
    Wäre sehr schön wenn mein Reader da noch voller wird.
     
    Was mir als Blogger immer wieder fehlt ist das Feedback. Leider ist es schwer zu messen, ob man auf dem richtigen Weg mit seinem Blog ist bzw. dem ganzen was man so als Betreiber einer Website tut. Rückmeldungen in Form von Kommentaren, E-Mail usw. helfen da enorm weiter.

  6. oschwab am 29. November 2011 17:57

    Ich möchte – wenn auch etwas verspätet – Andre Recht geben. Vieles Bloggen ist ok, die Messinstrumente zeigen auch leidlich viele Besucher, aber ob man auf dem Richtigen Weg ist, bleibt offen.
    Ich habe neben meinem Feuerwehr-undvielesmehr-Blog (blog.sta-rnberger.de) nochmal den Versuch gestartet, einen themenbezogenen Blog zum Thema „Sichere Einsatzfahrt“ zu führen. Eigenunfälle aus allen Fakultäten sollen hier genannt und nach Möglichkeit auch die Ermittlungsergebnisse aufgeführt werden. Gerade hierfür wären natürlich die Rückmeldungen aus den Regionen hilfreich, aber vielleicht muss ich auch noch mehr Geduld haben ;-)

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