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(hl). Am 17. August berichtete das FWNetz bereits in den Feuerwehrnews, dass die Berufsbildene Schule Landstuhl (rp) ab diesem Schuljahr eine feuerwehrtechnische Grundausbildung anbietet. Das FWnetz sprach nun mit Thomas Jung, stellvertretender Wehrleiter der Verbandsgemeinde Landstuhl.

Herr Jung, das Wahlfach „feuerwehrtechnische Grundausbildung“ ist nicht das erste an einer Berufsschule in Rheinland-Pfalz. In Bitburg und Germersheim gingen Pilotprojekte voraus. Ist Landstuhl das dritte Pilotprojekt?
Mir ist bekannt, dass letztes Jahr Germersheim mit diesem Projekt begann. In diesem Jahr werden die Berufsbildenden Schulen Landstuhl und Rodalben folgen.

Wird dieses Wahlfach derzeit oder in Zukunft von allen Berufsschulen in Rheinland-Pfalz angeboten?
Das Wahlpflichtfach wird derzeit an den Berufsbildenden Schulen Germersheim, Landstuhl und Rodalben angeboten. Der Landesfeuerwehrverband beabsichtigt die Ausweitung dieses Wahlpflichtfaches im Lande Rheinland-Pfalz.

Wie kam es in Landstuhl zur Zusammenarbeit zwischen Feuerwehr und Berufsschule?
Initiator war der Landesfeuerwehrverband in Vertretung von Otto Fürst. Er hat dieses Konzept unserer ersten Kreisbeigeordneten Gudrun Heß-Schmidt erläutert. Diese wiederum kam sowohl auf die Berufsbildende Schule Landstuhl, als auch auf uns zu und bat uns hier mitzuwirken. In einem dann gemeinsamen Gespräch befürworteten alle Parteien dieses Projekt.
Hierbei darf man auch Dr. Peter Degenhardt, 1. Beigeordneter der Verbandsgemeinde Landstuhl und Dezernent der Feuerwehr, nicht vergessen. Er genehmigte nicht nur die Verwendung von Fahrzeugen, Gerätschaft und Unterkunft in der Feuerwache Landstuhl. Er stellt in diesem Jahr auch die beiden hauptamtlichen Gerätewarte für die Ausbildung zur Verfügung.

Wer unterstützt das Wahlfach finanziell?
Die Kreissparkasse Kaiserslautern unterstützt das Projekt. Sie finanzierte die komplette Einsatzkleidung in Höhe von 6.000 Euro. Diese Kleidung geht in den Besitz der Schule über.

Wie viele Feuerwehrkameraden unterstützen das Wahlfach, beispielsweise als Ausbilder?
Die Ausbildung wird von den Kreisausbildern der Feuerwehr der Verbandsgemeinde Landstuhl durchgeführt. Sie führen ansonsten den Truppführerlehrgang im Landkreis Kaiserslautern durch. Es haben sich zehn Kreisausbilder bereit erklärt mitzuwirken. Diese Kreisausbilder werden dies überwiegend im Rahmen Ihrer Freizeit tun. Entweder nehmen Sie sich frei oder können durch Schichtarbeit auch morgens zur Verfügung stehen. Zusätzlich gibt es an der Berufsbildenden Schule Landstuhl einen Lehrer für Fachpraxis, der auch in einer freiwilligen Feuerwehr aktiv ist. Dieser absolvierte jetzt seinen Kreisausbilderlehrgang an der Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule Koblenz. Auch er wird in der Ausbildung mitwirken.

Wie viele Schüler hat das Wahlfach?
Es haben sich 17 Schüler für das Wahlpflichtfach angemeldet.

Wie viele Stunden Unterricht werden in einer Schulwoche gehalten?
Auf dem Stundenplan sind immer montags die beiden ersten Stunden (8 bis 9:30 Uhr) für das Wahlpflichtfach gebucht. Sollte dies nicht ausreichen, können wir noch zwei Stunden, jeweils freitags anhängen.

Ist für dieses Wahlfach ein anderes Angebot an der Schule entfallen?
Ein Wegfall von einem anderen Angebot ist mir nicht bekannt.

Was für einen Abschluss, Qualifikation oder Vorteil hat ein Berufsschüler, wenn er / sie sich für dieses Wahlpflichtfach entscheidet?
Die Ausbildung ist identisch mit der Grundausbildung als Truppmann. Sie umfasst die 70 stündliche Ausbildung, inklusive dem Erste-Hilfe-Lehrgang von 16 Stunden. Bei erfolgreichem Abschluss haben somit die Schüler den Lehrgang „Grundausbildung“ absolviert. Sind diese Schüler am Dienst in der freiwilligen Feuerwehr interessiert, benötigen Sie nur noch die interne Ausbildung in der Wehreinheit, um als Truppmann eingesetzt werden zu können. Zusätzlicher Vorteil ist der Erste-Hilfe-Lehrgang. Selbstverständlich wird dieser beim Erwerb des Führerscheins anerkannt.

Welche Art von Jugendlichen haben sich für dieses Wahlfach entschieden? Wie alt sind die Teilnehmer?
Es sind alle diejenigen Schüler, die in einer zweijährigen Ausbildung den Abschluss der mittleren Reife erreichen wollen. Diese Schüler haben bereits ein Jahr hinter sich und sind jetzt im zweiten und letztem Schuljahr. Sie sind alle zwischen 17 und 20 Jahre alt.

Sind Frauen und Jugendliche mit Migrationshintergrund in der Gruppe?
Leider sind keine Mädchen dabei. Natürlich sind hier einige Jugendliche mit Migrationshintergrund integriert. Letztlich macht dies auch der Unterricht interessant. So können doch alle sich in die Gemeinschaft einbringen. Schließlich erleichtert eine solche Ausbildung auch den Einstieg in der Freiwilligen Feuerwehr des jeweiligen Wohnorts. Sie können dann bereits mit den notwendigen Kenntnissen beginnen, was auch eine Selbstwertsteigerung zur Folge hat.

Wie war der erste Eindruck vom „Feuerwehr-Unterricht“ aus Sicht der Ausbilder?
Im Moment werden die Jungs in der Ersten-Hilfe unterrichtet. Erst ab Mitte November beginnt der „richtige“ Feuerwehrunterricht. Die Rückmeldungen vom Erste-Hilfe-Ausbilder sind sehr positiv. Es ist auch etwas anderes für die Schüler, ob der bekannte Lehrer, oder eine von außen installierte Person den Unterricht hält.

Haben schon ein oder mehrere Schüler signalisiert, dass sie in rund einem Jahr – also nach dem Wahlfach – bei einer Feuerwehr weitermachen wollen? Ist die Hoffnung groß, dass die Schüler nach dem Schuljahr bei der Feuerwehr weitermachen?
Für eine Prognose ist es jetzt noch zu früh. Diese Fragen kann man erst im Frühjahr 2011 beantworten.

Sind Schüler bereits bei einer Freiwilligen Feuerwehr engagiert und haben das Fach gewählt?
Bei meinem ersten Begrüßungsgespräch habe ich auch die Frage gestellt. „Wer hat in irgendeiner Form schon etwas mit der Feuerwehr zu tun gehabt?“. Ausnahmslos alle hatten bis dato nichts mit der Feuerwehr am Hut. Einige wenige waren einmal im Rahmen der Brandschutzerziehung mit ihrer Grundschule in einer Feuerwehr. Das war’s dann aber auch.
Hier gilt es nun, diese Jugendlichen zu begeistern und Interesse an der Feuerwehr zu wecken. Schließlich ist dies auch ein Hauptziel der Ausbildung. Man möchte natürlich Nachwuchskräfte für die Freiwilligen Feuerwehren gewinnen. Ein wesentlicher Unterschied gegenüber denjenigen Jugendlichen, die zu uns kommen und schon Interesse an der Feuerwehr haben.

Orientiert sich die Ausbildung an den entsprechenden Feuerwehr-Dienstvorschriften oder hat das Ganze einen auf die Jugendlichen abgestimmten Rahmen?
Da der Abschluss „Grundausbildung Teil 1“ Ziel der Ausbildung ist, unterliegt die Ausbildung auch unseren bekannten Vorschriften. So wird in der FwDV 2 der Umfang der Ausbildung erläutert. Zusätzlich kommen weitere FwDV´s wie die 3 oder die 10 hinzu. Auch die Lehrgangsmappe unserer Feuerwehr- und Katastrophenschutzschule wird eingesetzt.
Natürlich wissen die Ausbilder, dass Sie mit Jugendlichen arbeiten. Dies ist aber auch in unserer Feuerwehrausbildung der Fall.
Man darf nicht vergessen: Dieses Wahlpflichtfach wird genauso behandelt wie andere Fächer. Am Ende steht hierfür eine Note im Zeugnis. Diese Note ist versetzungsrelevant. Es werden vier Klassenarbeiten geschrieben. Wer sich einbringt kann mit dieser Note auch schlechtere Noten ausgleichen.

Gibt es „Sonderausbildungen“ außerhalb der üblichen Schulzeit?
Sicherlich wird es am Abschluss der Ausbildung eine „Sonderausbildung“ wie zum Beispiel einen BF-Tag geben.

Was soll den Schülern außer feuerwehrtechnischem Wissen und Erste-Hilfe-Kenntnissen vermittelt werden?
Neben der feuerwehrtechnischen Grundausbildung wird den Jugendlichen auch die Zusammenarbeit in einer Gruppe vermittelt. Sie lernen kennen, dass das Getriebe nur dann funktioniert, wenn alle Zahnräder sich drehen. Egal ob groß, klein, schnell oder langsam. Sie gewöhnen sich an den Umgang innerhalb einer Gruppe. Sie lernen eine partnerschaftliche Ausbildung kennen, die sich bei einem Einsatz aber auch mehr zum autoritären Führungsstil wandelt.
Auch wenn sich die Schüler nicht für den Einstieg in den Feuerwehrdienst entscheiden ist dies eine sehr wichtige Erfahrung für den dann beginnenden Berufsalltag.

Gab es schon erste Reaktionen oder Rückmeldungen? Falls ja, positiv oder negativ?
Alle Beteiligten sind positiv eingestellt. Sowohl meine Ausbilder als auch die Politik und die Schule. Auch mancher Arbeitgeber findet dies gut und stellt seinen Angestellten für die Ausbildung frei.

Danke an Thomas Jung für das Interview, das Harald Laier von FWNetz führte.

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