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(sc). Nur wenn wir Fehler, die wir in Übung und Einsatz begangen haben, aufarbeiten, können wir etwas ändern und es in Zukunft besser machen (vgl. hier). Die Reflektion des eigenen Handelns und die anschließende Kommunikation dieser Reflektion stellen in vielen Feuerwehren jedoch eine Schwierigkeit dar.

Das mag an der Organisation selbst liegen, die zu großen Teilen sehr konservativ bis autoritär geprägt ist, und Diskussion von unten nicht erlaubt. Um in den Worten einer einflussreichen Systemtheorie zu bleiben: In einem System spielen Individuen keine Rolle. Ihr Handeln ist durch das System determiniert. Das klingt fatalistisch und würde bedeuten, dass Änderungen und Verbesserungen nicht möglich sind.

Ein anderer Grund könnte das von den Feuerwehrleuten gelebte Image des „Heros“ und des „starken Mannes“ sein. Ein „Hero“ macht keine Fehler, und ein „starker Mann“ redet nicht darüber. Die Kameraden könnten dieses Wissen ja als Schwäche auslegen.

Beiden Argumenten wohnt etwas Wahres inne: Es gibt streng hierarchische Organisationen, die möglichst viel unter den Teppich kehren, um von Defiziten abzulenken, es gibt aber auch das Individuum selbst, dass sich positiv in Szene setzen will. Aber kommen wir mit einer solchen Einstellung voran? Ich denke nicht!

Im Zentrum der Ausbildung sollten neben dem Dienst nach Vorschrift auch Diskussion und Reflektion stehen. Reflektion nach innen und nach außen. Nach innen meint nichts anderes als über eigene Fehler – oder die Fehler der Kameraden – zu diskutieren und daraus Schlüsse zu ziehen, wie es besser zu machen ist. Nach außen meint schlicht und einfach die Beschäftigung mit den Erfahrungen anderer Feuerwehren, z.B. das Lesen von Unfallberichten.

An die Übungsleiter ergeben sich als Handlungsauftrag, auch selbst begangene Fehler und Erlebnisse zu kommunizieren. Denn was ich selbst falsch mache, machen vielleicht auch andere falsch. Die Kommunikation autobiographischer Details hat hierbei einen weiteren, für die Redesituation positiven Effekt: Das Thema ist weniger abstrakt.

Ich persönlich habe kein Problem mein eigenes Handeln in einer konkreten Situation vor Publikum zu reflektieren. In der Vergangenheit betraf das Dinge, die durchaus bei einem Unfall von Relevanz hätten sein können.

Ich nenne einige Beispiel:

  • Der Transport des Leinenbeutels ist per se eine Crux. Einfach über die Schulter gehängt, fällt er herunter und schräg über den Kopf gehängt, behindert er gewaltig. Ich schaffe es z.B. immer wieder den Trageriemen des Leinenbeutels mit dem Kabel des Funkgeräts und dem Schlauch des Lungenautomaten zu verknoten, sodass ich mich nicht nur der Bewegungsfähigkeit beraube, sondern mich auch selten selbst befreien kann. Eine Lösung habe ich für mich gefunden: Der Leinenbeutel hängt nun am Karabiner an der Koppel.
  • Wir alle lernen im Atemschutzeinsatz Treppen rückwärts herunter zu steigen. Ich selbst hielt mich nicht immer daran, und das führte in einem Einsatz dazu, dass ich ausrutschte und ein paar Treppenstufen nach unten segelte. Kurz zuvor war ich auf nassem Boden ausgerutscht und mit dem Gesicht voran auf ein Balkongeländer gekracht. Daraus lernen wir, dass in jeder Situation auf sicheren Stand zu achten ist, ist besondere dann, wenn Löschwasser bereits den Boden bedeckt.
  • Weniger ein Fehler, dafür aber mehr eine wichtige Beobachtung beim Durchgang in einer feststoffbefeuerten Wärmegewöhnungsanlage machte ich 2006 und 2008. Ich musste zweimal fluchtartig den Container verlassen, weil ich schlagartig einen massiven Wärmedurchschlag im Bereich Ohren und Hals hatte. Die Ursache war einfach: Meine Flammschutzhaube war völlig durchnässt und bot keinerlei Schutz mehr. Daraus ist zu lernen, dass man im Innenangriff sparsam und zielgerichtet mit Wasser umgehen muss, um sich durch das Wasser nicht selbst zu gefährden. Ebenfalls sollte man es vermeiden mit einer z.B. durch Schweiß durchnässten Flammschutzhaube erneute rein zu gehen – wie in meinem Fall.

Was sind eure Erlebnisse, die ihr als Negativbeispiel oder als Mahnung in einem Übungsabend kommuniziert habt? Oder findet diese Form der Erlebnis-Kommunikation nicht statt? (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

4 Kommentare zu “Aus Fehler lernen setzt Kommunikation voraus” (davon )

  1. Steff am 4. Februar 2011 13:38

    Hallo Stefan,
    klasse Artikel!
    Ich finde die hirachische Organisation innerhalb der BOS sehr wichtig, schließlich kann man bei einem Einsatz nicht erst diskutieren und failschen was man als erstes tut. Aber es sollte jedem Feuerwehrmitglied gestattet sein, innerhalb Proben oder Gremien neue Ideen und Verbesserungsvorschläge einzubringen. Genauso sollte jeder in die Lage versetzt werden Fehler (egal welche) oder Vorgehensweisen anzusprechen und konstruktiv zu kritisieren. Schließlich kann jeder etwas gutes dazu beitragen.
    Man darf in Nachbesprechungen, und speziell bei Fehlern, nie den falschen Weg einschlagen und Schuldige suchen. Viel wichtiger ist es Ursachen für fehlerhafte Handlungen zu suchen und diese durch Verbesserungen für das nächste mal auszuschließen.
     
    Wenn ich ganz ehrlich bin, kann ich von mir sagen, dass ich immer Fehler mache. Egal ob es auf der Anfahrt zum Gerätehaus ist oder im Umgang mit Technik und Taktik. Aber zum Glück bleiben diese Fehler immer im Rahmen!
     
    Danke für Deinen Artikel!
    Mit kameradschaftlichen Grüßen
    Steffen

  2. Bolde112 am 4. Februar 2011 13:52

    Hirarchie schön und gut und auch notwendig. Aber was ist, wenn die Führungsebene diese „Macht“ ausnutzt um sich damit in den Vordergrund zu drängen und um zu zeigen, hier ich bin der BOSS und was ich will ist Gesetz? Bei uns in der Wehr ist es ein Stückweit auch so, weshalb ich mittlerweile immer mehr die Lust auf Ehrenamt Feuerwehr zumindest in meinem Ort verliere. Man macht sich Gedanken und bringt diese vor, meistens wird gar nicht erst darüber diskutiert sondern heißt gleich: Neee lass ma, brauchen wir nicht, ich habe da andere Pläne, so ein Schmarn. Wenn diskutiert wird und es zur Durchführung kommt, dann rühmen sich genau die, die in der Hirarchie ganz oben stehen und verkaufen sich als Erfinder. In meiner Freizeit dreht sich zu 80 Prozent alles um die Feuerwehr. Ich lese Fachliteratur, arbeite Übungspläne aus, mache mir Gedanken wie man Übungen abhalten kann und die technische Ausrüstung der Einsatztaktik anzupassen. Wenn ich nun dies bei meinen Kommandanten vortrage, dann werde ich zumeist nur belächelt oder es wird nur mit einem Ohr hingehört. Von daher denke ich, sollte man vielleicht von der bisherigen Hirarchie ein wenig abweichen und bei so grundsätzlichen Veränderungen und Neuerungen nicht immer nur auf die (erweiterte) Vorstandschaft zählen und die darüber bestimmen lassen sondern die ganze Mannschaft einbeziehen, auch um so wieder das Gefühl der Dazugehörigkeit anzuheben.

  3. SebastianSalzburger am 4. Februar 2011 13:54

    Nicht nur die Feuerwehr hat das Problem, des nicht reflektierens, sondern auch das THW. Ich mutmaße sogar, dass dies in allen Hilfsorganisationen bzw. Organisationen mit einer stark hierarchischen Führungsorganisation so ist.
    Nach einem Einsatz ist es meist so, dass sich alle gegenseitig „Honig ums Maul schmieren“, nach dem Motto, das hat doch gut geklappt, wir sind die größten. Wenn dann Stimmen aufkommen, die etwas kritischer sind und auf Fehler (eigene oder von Kameraden), Mangelnde Ausrüstung oder Ausbildung etc. aufmerksam machen kommt meist die Aussage: „Das passiert halt mal“ bzw. „hat doch alles geklappt“. Aber ist dies der richtige Weg? Ist der Mensch nicht das einzige Wesen, das zur Selbstreflexion fähig ist?
    Gerade nach einem Einsatz oder einer Übung besteht doch die Chance Dinge zu verändern. Aber, eine Reflexion muss zügig gemacht werden, direkt nach dem Einsatz, spätestens jedoch beim nächsten Dienst. Auch die beste Reflexion nützt nichts, wenn das Erlebnis schon Monate her ist und einige Punkte schon lange vergessen sind.
    Doch auch eine Reflexion nützt nichts, wenn sich nichts ändert. Ich kann reflektieren so viel ich will, wenn sich daraus keine Konsequenzen ergeben.
    Als Beispiel möchte ich betreten von beschädigten Gebäuden nennen. Leider sehe ich immer häufiger von THW Helfern, aber auch von Feuerwehrleuten, das dass Gebäude betreten wird, ohne sich umzuschauen -> Fazit: Genaues Hinsehen, sind Decken intakt, sind Holzbalken gebrochen oder fast durchgebrannt etc.
    Für mich selbst mache ich das immer wenn ich ein Gebäude betrete. Der Blick geht an die Decke und die Wände. Dabei stehe ich noch im Türrahmen. Bei mir ist dies allerdings eine vermutlich studium- bzw. berufsbedingte Krankheit.

  4. PJ am 5. Februar 2011 16:06

    Hallo Stefan,
    das Problem was Du mit Deinem Artikel ansprichst spiegelt wie ich glaube die gelebte Realität in den meisten Wehren dar. Ändern kann sich nur etwas, wenn Veränderung gewollt und praktiziert wird. Das beginnt leider zu oft mit dem Wehrführer (-leiter), wenn hier schon alles behindert wird kann man von unten her strampeln, Ausbildungen auf dem höchsten Niveau halten, Zuarbeiten für Theorie und Praxis bringen, der Effekt ist = O.
    Hierarchie ist in der Feuerwehr notwendig, aber an der entsprechenden Stelle, die sehe ich im Einsatz, denn da ist der Erfolg von Organisation und einer klaren Zielsetzung abhängig. Im normalen Dienstbetrieb sollte man kooperativ, aufgeschlossen und ehrlich miteinander umgehen, aber wie meine Vorschreiber schon feststellen mangelt es auch da gewaltig, der Eine verkauft die Idee des Anderen als seine Erfindung, am Stammtisch Politik machen ist viel interessanter.
    Man muss sich mal überlegen, ich gehe jetzt mal vom Ehrenamt aus, dass wir das alle in unserer Freizeit machen, was etwas mit Lust, Liebe und sagen wir Abwechslung zu tun hat und haben soll. Und dann wird einem das Alles durch alte, starre und sture Strukturen sowie Geltungsbedürftige erschwert oder gar die Lust darauf genommen. Vielmals geht der Sinn unseres „Hobbys“ (Berufung?!) dabei verloren.
    Die Reflexion und Selbstreflexion sind unverzichtbar, denn nur so kann man lernen und bewegen. Wer Fehler und Schwächen zugeben kann zeigt Verantwortung, denn nur derjenige kennt auch seine Grenzen!
     

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