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(sc). In den letzten Wochen lese ich in Berichten über Feuerwehrgeneral- und Hauptversammlungen vermehrt die Klage, dass die Politik und die Bürger die ehrenamtliche Arbeit der (freiwilligen) Feuerwehrleute nicht anerkennen oder honorieren würden. Beispielhaft verweise ich an dieser Stelle auf vier Presseberichte über die Feuerwehren Rickenbach-Hottingen (bw), Langenau (bw), die Feuerwehr Langen (he) und im Kreis Darmstadt-Dieburg (he).

Täusche ich mich oder nehmen die Klagen der Feuerwehrleute in der Presse insgesamt zu? Oder sind die Medien gegenüber diesen Klagen aufgeschlossener als früher? (Das Thema „Feuerwehrstreik“ schließe ich an dieser Stelle bewusst aus, denn mir geht es hier nur um das Verhältnis von Feuerwehr, Bürgern und Politik.)

Die Klagen betreffen das Verhältnis von Feuerwehr, Bürger und Politik. In Rickenbach-Hottingen ist es u.a. die mangelnde Investitionsbereitschaft der Gemeinde, in Langenau die Sparvorgaben, in Langen und im Kreis Darmstadt-Dieburg fühlt man sich von den Bürgern nicht richtig wahrgenommen.

Zunächst müsste man natürlich wissen, wie ein gesundes Verhältnis in diesem Beziehungsdreick aussieht. Das ist schwierig und lässt sich allenfalls damit beschreiben, wie es nicht sein sollte. Ich liste mal ein paar Aspekte auf, die mir spontan einfallen:

  • Die Politik verschiebt notwendige Investitionen immer wieder
  • Die Politik sieht im Ehrenamt nur die Möglichkeit Geld zu sparen
  • Die Politik sieht in der Feuerwehr ein lästiges Übel
  • Politik und Bürger sehen in der Feuerwehr nur einen „Verein“
  • Der Bürger sieht nicht das Ehrenamt hinter der Feuerwehr
  • Der Bürger ruft die Feuerwehr und dann kommt sie eben
  • Der Bürger äußert Vorurteile gegenüber der (freiwilligen) Feuerwehr

Ich behaupte einfach mal, dass diese Meinungen, Annahmen und Vorurteile latent immer mehr oder weniger stark vorhanden waren, aber durch einen verstärkten Verteilungskampf um finanzielle Mittel und Personal ungewollt Auftrieb erhalten. Der Kuchen aus dem sich Feuerwehr, Vereine und die Gemeinde bisher ohne größere Probleme bedient haben, schrumpft Stück um Stück. Es hängt also an der jeweils agierenden Persönlichkeit vor Ort, wie groß das Stück ist, das man bekommt.

In einer fragmentierten Gesellschaft unterliegt die Feuerwehr wegen des sich wandelenden sozialen Umfelds einer anderen Wahrnehmung. Feuer-Wehr ist eine Dienstleistung der Gemeinde, die halt „einfach da ist“. Die Abgrenzung von sozialen Milieus und die Rückkehr der Bürger ins Private lassen Ehrenämter ferner außen vor. Viele Bürger kennen „das Ehrenamt“ nicht mehr aus ihrer eigenen Sozialisierung. Deshalb kommt es einem Kulturschock gleich, wenn man mit einer ehrenamtlichen, aber hoheitlichen Aufgabe konfrontiert wird.

Aber auch die mediale Aufmerksamkeit spielt eine Rolle. Eine alte Nachrichtenweisheit besagt, dass „schlechte Nachrichten, gute Nachrichten“ sind. Diese erlangen mehr Aufmerksamkeit. Das führt wiederum zu einer höheren Auflage und damit zu mehr Umsatz und Gewinn. Außerdem erlaubt das digitale Zeitalter die Verbreitung von Nachrichten in „Mopsgeschwindigkeit“. Die Welt wird zu einem Dorf – jeder erfährt alles.

Vorschläge zur Verbesserung der Motivation der Feuerwehrleute oder zur Steigerung der Attraktivität des Ehrenamtes gibt es viele. Aus diesem Grund möchte ich hierauf auch nicht weiter eingehen. Ich möchte nur einen Punkt aufgreifen, der im Artikel über die Feuerwehren im Kreis Darmstadt-Dieburg zitiert ist: „Wir interessieren uns nicht für einen Stundenlohn, sondern dafür, besser wahrgenommen zu werden“. Mit Geld allein lässt sich das Problem nicht lösen. Zumal diese Möglichkeit in Zeiten knapper Kassen ausscheidet. Es gilt also das Wesen und die Bedeutung des Ehrenamtes, und den sozialen wie ökonomischen Nutzen für die Gesellschaft herauszuarbeiten.

Ehrenamtliches Engagement, noch dazu in einer Organisation, die qua Gesetz eine hoheitliche Aufgabe ausführt, lebt von der Motivation. Fehlt diese, sinkt auch die Bereitschaft sich zu engagieren. In einem sensiblen Bereich, wie es bei der Feuerwehr der Fall ist, wirkt sich das natürlich auf die der Feuerwehr übertragenen Aufgaben aus. Kurz gesagt, die Sicherheit der Bürger ist an einem bestimmten Punkt gefährdet. Eine ganz andere Frage ist dann natürlich, ob das Ehrenamt in hoheitlichen Bereichen überhaupt noch Sinn macht. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

4 Kommentare zu “Die Feuerwehr kommt, wenn ich sie rufe” (davon )

  1. Solgull am 11. Februar 2011 14:43

    Ich denke ein entscheidener Punkt sind die unterschiedlichen Interessen der drei Gruppen.
    – Die Kommune möchte sparen, weil die Kassen leer sind.
    – Die Bürgen wollen vollständige, professionelle und schnelle Hilfe wenn sie Hilfe brauchen.
    – Die Feuerwehrangehörigen möchten Anerkennung ihrer Arbeit.

    Spart die Kommune nun ein, kann die Feuerwehr unter Umständen nicht mehr das leisten, was sie bisher konnte. Dann beschwert sich wiederrum der Bürger, dass die Feuerwehr nicht leistet was sie sollte. Ist die Feuerwehr dagegen nicht bereit zu sparen, beschwert sich die Kommune und macht unter Umständen Druck über die Bürger. In beiden Fällen wird sich die Feuerwehr nicht anerkannt fühlen.
    Anerkennung ist aber letztendlich ein hoher Teil der Motivation einer freiwilligen Feuerwehr. Wenn niemand möchte, dass ich ein Ehrenamt ausführe, werde ich es irgendwann einfach aufgeben. Insbesondere falls von verschiedenen Seiten Druck auf die Feuerwehr ausgeübt wird, ohne dass die Feuerwehrangehörigen selbst etwas daran ändern können wird sich Frust anstauen, der dann auch mal gerne über die Presse veröffentlich wird.
    Nebenbei werden entsprechende Geschichten natürlich auch wesentlich weiter getragen. Früher hätte es einen entsprechenden Bericht im lokalen Teil einer Zeitung gegeben und vielleicht noch im Überregionalen Teil. Nun kann aber dank Foren, Blogs, E-mail und Suchmaschinen innerhalb kurzer Zeit eine recht breite (Fach-)Personengruppe informiert werden.

  2. maos am 11. Februar 2011 17:38

    Dazu kam gestern im Radio auf Bayern3 ein Interview mit einem KBM (oder KBI) des LK Ebersberg:
    Er klagte darüber, dass die FW immer häufiger wegen Bagatellen, sprich unnütz gerufen wird.
    Als Bsp. nannte er einen herunter gestürtzten Ast in den Garten eines Privathauses(!), Türöffnugen für ausgesperrte Personen (als Ersatz für teuren Schlüsseldienst) oder eine Alarmierung wegen 2cm Wasser im Keller.
    Das Problem sei, dass durch solche Alarmierungen (im Grunde sind es für mich FEHLalarmierungen) auf der einen Seite die Moral der FA sinkt, auf der anderen Seite fällt die Bereitschaft der Arbeitgeber, ihre Leute zum Einsatz zu lassen, wenn sie von solchen „Einsätzen“ erfahren.

  3. Einsatzinfo112 am 11. Februar 2011 22:51

    Moin
    Also bei uns in Niedersachsen haben wir die Probleme nicht. Wasser aus den Kellern zu pumpen ist bei uns Kostenpflichtig. AUch Ölspuren beseitigen gehört nicht mehr zu den Aufgaben der Feuerwehr. Dazu haben wir Spezialfirmen die sowas beseitigen. Was ich noch begrüßen würde sind die BMA Alarme. Manche Feuerwehr rückt da mehrmals am Tag aus obwohl es Fehlalarme sind. Auch diese Fehlalarme sollten die Betreiber in Rechnung gestellt werden.

  4. Geza Grün am 14. Februar 2011 00:03

    Ich sehe die Ursache zum Teil bei uns. Mit großem Staunen stelle ich immer wieder fest, dass auch sehr engagierten Feuerwehrleuten nicht klar ist, dass die Feuerwehr kein Verein ist. Um so größer ist die Verwirrung bei der Bevölkerung. „Die Feuerwehr“ veranstaltet Feste, Feiern und Fasching. Der Unterschied zwischen dem Förderverein und der Behörde wird so gut wie gar nicht kommuniziert. Da bekommt man von der Verwaltung schon mal auf eine Anforderung eine negative Antwort mit Verweis auf die Vereinsförderungsrichtlinien.
    Kennen die (ehrenamtlichen) Politiker den Unterschied zwischen diesen Organisationen, die sich beide „Feuerwehr“ nennen?
    Wie Stefan schon schreibt wird die Feuerwehr in der Öffentlichkeit oft als großer Posten im kommunalen Haushalt gesehen. Der Steuerzahler möchte wissen, wozu sein Geld genutzt wird! Leider ist in sehr vielen Feuerwehren die Öffentlichkeitsarbeit nicht oder inkompetent besetzt. Im schlimmsten Fall bekommt der Bürger nur was von der Feuerwehr zu lesen, wenn Werbung für das nächste Fest gemacht wird.
     

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