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(sc). Ein Wechselaufbaukonzept speziell für Pickup-Fahrzeuge, das sich durch flexible und einfache Handhabung auszeichnet, entwickelte die Neu-Ulmer Firma FFT Zawadke. FFT Zawadke zeigte auf der Interschutz 2010 in Leipzig zwei Aufbaukonzeptionen: Am Messestand von @fire war der Aufbautyp „OSIRAS“, am Messestand von Safe-Tec die so genannte „Slide-on-unit“ zu sehen.

Ein Pickup mit dem Modul OSIRAS auf der Ladefläche. Bild: FFT Zawadke

Ein Pickup mit dem Modul OSIRAS auf der Ladefläche. Bild: FFT Zawadke

Gerade in weniger entwickelten Regionen, in denen es an geeigneten Einsatzfahrzeugen mangelt oder diese nicht zeitnah verfügbar sind, setzt das Wechselaufbaukonzept an. Einzige Voraussetzung ist ein bereit stehendes Pickup-Fahrzeug, um den Aufbau tragen zu können. Thomas Zawadke untersuchte dazu 38 verschiedene Pickup-Fahrzeugtypen, um eine möglichst flexible Verwendung des Wechselaufbaus zu gewährleisten.

Transport-, Lager- und Unterkunftsstätte in Einem: OSIRAS

OSIRAS ist ein flexibles Transportsystem für die Pritsche eines Pickup. OSIRAS ist die Abkürzung für „ordnance shelter for intervention rescue and ambulance skid“. Dahinter steht die Idee, abhängig von den Erfordernissen, einen leicht transportierbaren Wechselaufbau zu haben, der von den Einsatzkräften vor Ort flexibel zu nutzen ist.

Die Einheit ist so ausgelegt, dass die Abmessungen der internationalen „Unit Load Device“ (ULD) entsprechen (Oberes Teil: 2.360 x 1.760 x 1.300 mm, unteres Teil 2.020 x 1.050 x 450 mm). Um die Maßvorgaben der ULD einhalten zu können, müssen die Einsatzkräfte das untere Teil von OSIRAS demontieren, und z.B. im oberen Teil lagern. Eine Frachtmaschine kann OSIRAS dann ohne großen Aufwand zum Bestimmungsort verbringen.

Bereits beim Lufttransport kommt die Flexibilität von OSIRAS zur Geltung: Die Einheit lässt sich analog zu einem ULD-Container als Transportbehälter für die rettungstechnische Ausrüstung nutzen, die die Einsatzkräfte mit in das Einsatzgebiet nehmen. Dies ist z.B. für die internationale Zivilschutz-NGO (1) @fire wichtig, die im Einsatzfall schnell und flexibel reagieren, aber auf die örtlichen Transportmittel zurückgreifen muss.

Das Modul "OSIRAS" am Stand von @fire auf der Interschutz

Die Außenabmessungen für die ganze Einheit betragen 2.360 x 1.760 x 1.750 Millimeter, bei einer Gesamtmasse von 270 Kilogramm (das obere Teil wiegt 215 Kilogramm, das untere Teil 55 Kilogramm).

Prinzipiell ist das Modul stapelbar, sodass ein Lastkraftwagen vor Ort mehrere Einheiten transportieren kann. Die Flexibilität des Moduls zeigt sich dabei in der konkreten Nutzung am Einsatzort. Um möglichst viele Aufgaben mit einem (oder wenigen) Modul(en) abdecken zu können, ist die Innenausstattung variabel konstruiert. OSIRAS eignet sich u.a. als Transportbus für Einsatzkräfte oder Bewohner evakuierter Gebiete. Dazu bietet OSIRAS neun Personen Sitzplätze. Ebenfalls kann die Einheit maximal zwei Tragen mit einem Betreuer aufnehmen und dient dann als Krankentransportfahrzeug. Dazu entsprechen die Innenraummaße einem Krankenkraftwagen vom Typ KTW A gemäß DIN EN 1789 (2). Die Einheit kann ferner zum Transport von Ausrüstung dienen. Die Ladekapazität von OSIRAS richtet sich allerdings nach der Nutzlast des genutzten Pickup-Fahrzeuges.

Neben dem Betrieb auf einem Pickup-Fahrzeug, können die Einsatzkräfte OSIRAS auch mit einer Deichsel-Achskombination verschrauben und so den unteren Teil als Anhänger verwenden. Dieser Anhänger kann bis zu einer Tonne Nutzlast laden.

Neben den beschriebenen Transportaufgaben, eignet sich OSIRAS auch zum stationären Betrieb als Funk – und Befehlsstelle (Einsatzleitung) sowie als Schutz- und Unterkunftsraum (Shelter) für die Einsatzkräfte. OSIRAS deckt damit viele Einsatzfahrzeugtypen ab. Neben der Flexibilität bekommt das Modul einen ökologischen Aspekt, und erleichtert zugleich die Logistik und Organisation vor Ort.

Vier bis sechs Einsatzkräfte können den Aufbau mit wenigen Handgriffen auf- und absetzen. Auf der Pritsche eines Pickup sichern die Einsatzkräfte das Modul mit Spannschlössern oder Spanngurten. Die Anhängersteckdose dient während der Fahrt als Stromquelle für die LED-Beleuchtung im Aufbau. Im stationären Betrieb genügt der Anschluss an eine Stromsteckbuchse zur Stromversorgung. Alle Aufbauelemente sind standardisiert. Damit ist die Produktion kostengünstig und eine Reparatur vor Ort mit einfachsten Mittel gewährleistet.

Flexible und kleine Pumpeneinheit: Slide-on-unit

Parallel zu OSIRAS zeigte FFT Zawadke am Stand des Sicherheitstechnikspezialisten Safe-Tec einen Wechselaufbau mit Pumpe und Tank. Diese Konstruktion entspricht derjenigen, die FFT Zawadke auf einem VW Amarok fest montiert hat. Der einzige Unterschied ist, dass ein 18 PS starker 2-Zylinder Vanguard V-Twin Verbrennungsmotor von Briggs & Stratton die Pumpe antreibt und das Modul abnehmbar und mit Spannschlössern oder Spanngurten auf der Pritsche festgemacht ist.

Blick auf die Sliede-on-unit von FFT Zawadke

Blick von der Pumpenseite her auf die Sliede-on-unit von FFT Zawadke. Gut zu erkennen ist die an das Europallettenmaß angepasste Breite der Einheit.

Die Maße der Einheit betragen 1.450 x 1.000 x 1.450 mm. Die Länge der Einheit liegt bei dem Prototyp über dem Maß einer Europalette (800 x 1200 x 144 mm), um die volle Ladekapazität auch bei kurzen Pickup-Pritschen nutzen zu können. Auf Wunsch kann die Einheit auch kürzer sein. Eine Ladefläche, für z.B. zusätzliche Löschgeräte, ist, im Gegensatz zu der fest verbauten Version auf dem VW Amarok, nicht vorhanden. Das Gestell der Slide-on-unit ist von FFT Zawadke jedoch so konstruiert, dass Einsatzkräfte mit einer Achse und Deichsel (analog zu OSIRAS) die Einheit als Anhänger mitführen können. Das Gewicht liegt zwischen 680 und 900 Kilogramm, je nach Füllzustand des Wassertanks.

Die Slide-on-unit hat den Vorteil, dass sie ebenfalls luftverlastbar ist. Auch sie Entspricht den Bestimmungen der International Load Device. Um Lagerplatz bzw. Kapazitäten beim Transport zu sparen, ist es möglich die Slide-on-unit innerhalb der Einheit OSIRAS zu verstauen.

Ein Baustellenkran kann die Einheit außerdem in Tief- und Hochbaustellen heben und dort der Brandbekämpfung oder -vorsorge dienen. Damit beschränkt sich der Einsatz nicht nur auf die Vegetationsbrandbekämpfung.

Die Löschtechnik besteht aus einer Hochdruckaxialkolbenpumpe, zwei Haspeln mit je 80 Meter Schlauchleitung und einem Tank mit einem nutzbaren Inhalt von etwa 375 Litern. (3)

Die pulsationsfreie Pumpe stammt von der Callies Brandbekämpfungssysteme GmbH. Pulsationsfrei bedeutet, dass die Pumpe konstant den gleichen Druck liefert und keinen temporären Druckabfall aufweist, wie dies z.B. bei einem Reinigungsgerät der Fall ist. Die Pumpe ist selbstschmierend, d.h. das Wasser übernimmt die Funktion des Schmiermittels. Aus diesem Grund dürfen die Einsatzkräfte die Pumpe nur mit sauberem Wasser betreiben. Dazu verfügt diese über eine Filtereinheit, die das Wasser vor Eintritt in den Tank reinigt. Zum Reinigen muss der Benutzer lediglich den Filter durch spülen. Die Reinigung des Wassers ist auch deswegen erforderlich, weil die Hohlstrahlrohre empfindlich auf verschmutztes Wasser reagieren, und weiterhin das Wasser aus dem Tank im „Fronteinsatz“ auch der Trinkwasserversorgung der Einsatzkräfte dienen können muss.

Bei einem Systemdruck von 130 Bar kann die Pumpe pro Strahlrohr ca. 32 Liter pro Minute abgeben. Aufgrund dieses Druckes entfernt das Wassers eventuelle Verschmutzungen am Strahlrohr, die durch den Einsatz im Gelände entstehen können. Die beiden Schnellangriffsvorrichtungen mit einem speziellen Hochdruckstrahlrohr erzeugen einen feinen Wassernebel, der die Flammen erstickt. Diese spezielle Hochdruck-Wassernebel-Technologie hat eine hohe Effektivität bei der Brandbekämpfung, aufgrund der spezifischen Eigenschaften des Nebels. Die Strahlrohre verfügen über spezielle Düsen, die unter hohem Druck zur Bildung kleinster Tröpfen führen. Diese weisen eine mehrfache (in der Praxis bis zehnfach höhere) Wärmebindungskapazität auf.

Dabei basiert das Löschprinzip nicht nur auf Kühlung des Brandgutes sondern gleichzeitig auf der Verdrängung von Sauerstoff. Die Oberflächenvergrößerung des Wassers durch das Callies-Höchstdruck-Wassernebel-System führt außerdem zu einer enormen Wasserersparnis. Deshalb kommt die Einheit auch nur mit einem 375 Liter Wasser fassenden Tank aus. Damit ist das System effektiver gegenüber dem Einsatz eines C-Rohres und u.a. ideal für den Wald- und Vegetationsbrandeinsatz im Gelände.

Zudem bietet diese Technik die Möglichkeit wasserhydraulische Werkzeuge wie z.B. Kernbohrgeräte, Tauchpumpen, Betonkettensägen oder Trennschleifer zu betreiben. Anstelle des Strahlrohrs kuppelt der Anwender das entsprechende Werkzeug an. Über eine Rücklaufleitung wird das Wasser drucklos ins Freie oder in den Tank zurückgeführt. Diese Mehrfachnutzbarkeit und schnelle Umrüstbarkeit ist der eigentliche Clou des Aufbaus.

Slide-on-unit von FFT Zawadke

Blick auf die Pumpe, die auf der Slide-on-unit von FFT Zawadke montiert ist

FFT Zawadke hat mit OSIRAS und der Slide-on-unit eines der Glanzlichter auf der Interschutz gezeigt. Nicht für jede Funktion muss eine Feuerwehr ein eigenes Fahrzeug beschaffen bzw. vor Ort akquirieren. Mit Hilfe des flexiblen Aufbausystems können die Einsatzkräfte verschiedenste Aufgaben mit wenigen Trägerfahrzeugen ausführen.

Die Fahreigenschaften des Trägerfahrzeuges sind nicht zusätzlich begrenzt, da sich die Aufbauten innerhalb der Fahrzeugkonturen und in Einklang mit den Zulassungsbestimmungen befinden.

Ursprünglich für die Aufgaben von @fire entwickelt, hat das Wechselaufbaukonzept auch Potenzial in mitteleuropäischen Feuerwehren zur Anwendung zu kommen. Insbesondere Feuerwehren in ländlichen Regionen erhalten mit dem Konzept deutlich mehr Flexibilität. Aber auch in Städten mit engen Gassen stellt das Konzept eine interessante Option dar. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Fußnoten

1: NGO steht für None-Governmental-Organization, zu deutsch: Nicht-Regierungs-Organisation (NRO)

2: Die DIN EN 1789 unterteilt alle Krankenkraftwagen in drei Typen, mit jeweils unterschiedlichen Aufgaben. Für den Typ KTW A1 gilt, dass die Länge des Patientenraumes mindestens 2.000 mm und die Höhe mindestens 1.400 mm betragen muss. Die medizinische Ausstattung ist relativ gering und beschränkt sich u.a. auf Verbandsmaterial, Infusionshalterung etc.

(3): Der folgende Abschnitt ist weitgehend identisch mit der Beschreibung der Löschtechnik im Artikel Schnellangriffsfahrzeug für Wald- und Flächenbrände.

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Externe Links

Der Besuch des FWNetz-Teams auf der Interschutz 2010 wurde ermöglicht durch die Unterstützung von Resqtec.

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