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Screenshot Polizei-Poeten

Ein Interview mit den Polizei-Poeten

(sc). In loser Folge stellt das FWNetz Blogs und blog-ähnliche Seiten aus den Bereichen Feuerwehr, Rettungsdienst, Katastrophen-/Zivilschutz und artverwandten Organisationen vor. Heute stellt sich Volker Uhl von der Seite Polizei-Poeten unseren Fragen. Er berichtet von der therapeutischen Wirkung des Schreibens und wie wichtig es ist, den Menschen hinter der (grünen/blauen) Uniform zu sehen.

Stellen Sie Ihre Seite in einem Satz vor!

Die Polizei-Poeten gewähren einen Einblick hinter die „grüne Haut“ des einzelnen Polizisten und erlauben einen unverstellten Blick aufs Leben, wie es sich in all seinen Facetten offenbart.

Haben Sie feste Autoren bzw. eine Redaktion oder kann jeder  mitschreiben?

Die Seite steht allen Polizeibeamten/-innen und Beschäftigten in der Polizei offen. Manche Kollegen schreiben nur einmal, andere schreiben regelmäßig. Für die anfallenden Redaktionsaufgaben steht mir ein siebenköpfiges Team zur Seite. Für die Überarbeitung der eingereichten Texte sind wir zu dritt. Je nach freien Kapazitäten verteilen wir die Aufgaben.

Seit wann gibt es die Seite?

Im September 2002 ging die Seite online.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen einen Seite über die Erlebnisse von Polizisten zu führen?

Als Polizeibeamter habe ich am eigenen Leib erfahren, welche entlastende Wirkung das Schreiben hat. Gleichzeitig ist es auch eine hervorragende Öffentlichkeitsarbeit. Ich wollte eine Plattform schaffen, um so den Austausch zwischen Polizisten, aber auch mit der Bevölkerung zu ermöglichen.

Sehen Sie vor diesem Hintergrund das Schreiben als Therapie und Ihre Seite als Therapieangebot für Andere?

Zu Beginn habe ich mir vieles von der Seele geschrieben. Diese Texte waren von Einsätzen und von meinem Dienst geprägt. Im Moment geht es bei meinem Texten mehr um die detaillierten Blicke auf die Menschen mit ihren Eigenheiten.

Schreiben hat erwiesenermaßen eine therapeutische Wirkung. Bei den Texten auf der Seite steht aber die Spannung und die Unterhaltung im Vordergrund.

Ihre Seite will also zeigen, dass hinter der Uniform auch nur ein Mensch mit Gefühlen steckt?

Maria Furtwängler alias NDR-Tatort-Kommissarin Charlotte Lindholm beschreibt die Idee der Polizei-Poeten im Vorwort zum zweiten Band („Jeden Tag den Tod vor Augen –
Polizisten erzählen“ [Link zum Buch]), sehr treffend: All diese Geschichten sind Realität, Fakten, mit denen Polizistinnen und Polizisten jeden Tag fertig werden, sie verarbeiten und neuen Mut entwickeln müssen. Sie gehen uns alle an. Dieses Buch geht uns alle an, denn was dort geschieht, geschieht mitten unter uns…

Was lesen Sie persönlich von den Beitragenden am liebsten?

Eine spannende, humorvolle Geschichte mit einem guten Ende ist schon was tolles.

Die Texte auf Ihrer Plattform berühren Menschen im Doppelten Sinne. Wie handhaben Sie Themen wie den Datenschutz und die Amtsverschwiegenheit?

Der Persönlichkeitsschutz und die Wahrung der Amtsverschwiegenheit sind Grundvoraussetzung eines seriösen Auftritts. Daher werden die Texte vor Veröffentlichung geprüft. So habe ich z. B. auch von der Veröffentlichung von Texten zum Amoklauf in Winnenden/Wendlingen oder zum Unglück bei der Loveparade in Duisburg Abstand genommen.

Volker Uhl von den Polizei-Poeten. Foto: Uhl

Volker Uhl, Polizist, Autor und Gründer der Seite "Polizei-Poeten". Foto: Uhl

Was war bisher Ihr größter Erfolg?

Mittlerweile sind vier Bücher im Piper-Verlag erschienen. Besonders gefreut hat mich der Zuspruch von dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler. Er schrieb zu unserem ersten Band: Es ist ein wichtiges Buch, das den Blick auf den Menschen in der Uniform des Polizeibeamten richtet.

Wie kam es dazu, dass aus der Geschichtensammlung im Internet ein Buch wurde?

Die Idee eines Buches existierte von Anfang an. Die Webseite war und ist das optimale Medium schnell eine große Zielgruppe zu erreichen. Aber ehrlich gesagt, ich sitzt lieber auf dem Sofa und schmökere in einem Buch…

Wie kam Ihre Seite bei Lesern und Kollegen?

Nach der anfänglichen Skepsis, sehr gut. Viele Kollegen erkannten sich in den Geschichten wieder und viele wurden zum Schreiben animiert.

Viele Internetseiten-Betreiber haben mit Vorgesetzten Probleme, wenn es um den Job im Internet geht. War und/oder ist das bei den Polizei-Poeten nicht der Fall?

Nein, im Gegenteil. Mittlerweile wird anerkannt, dass die Polizei-Poeten einen wesentlichen Beitrag zur Imageverbesserung leisten.

Inwiefern spielt Ihre Seite im Rahmen Ihrer Tätigkeit an der Polizeiakademie eine (dienstliche) Rolle?

Seit Jahren bieten wir an der Akademie Schreibseminare für Polizeibeamte an, die der individuellen Nachbereitung belastender Einsätze dienen. In vielen Seminaren und Workshops werden die Elemente des expressiven Schreibens gefördert.

Wie sind Ihre Kontakte zu anderen Seiten aus dem Bereich der Gefahrenabwehr?

Die Rettungssanitäterin Joanna Eglmeier aus München nahm meine Anregung auf, für ihre Kollegen und Kolleginnen im Rettungsdienst eine eigene Webseite zu gründen. Herausgekommen ist dabei die Seite: www.blaulichtgeschichten.de (Anmerk. d. Red. Interview im FWNetz hier).

Ansonsten beschränkt sich die Web-Zusammenarbeit auf Link- und Erfahrungsaustausch. Wir geben unsere Erfahrungen an andere weiter, weil Gestaltung und Betreuung einer derartigeren Internetseite wahrlich ein Großprojekt ist. Zunächst geht es um das Erreichen der Zielgruppe, des Gewinnens von Akzeptanz und dem Opfern vieler Freizeitstunden, um die Seite zu betreiben und um den neuen Autoren ein verlässlicher Partner zu sein. Den gleichen Fehler nicht zweimal machen, Bewährtes auszubauen, dass sind die Früchte solch eines Informations- und Erfahrungsaustausches.

Was wünschen Sie sich in Bezug auf Ihre Seite bzw. was möchten Sie mit Ihrer Seite erreichen?

Polizei-Poeten – wir bewegen Menschen! – dieses Motto möchte ich weiterhin pflegen, dass wir sowohl die Kolleginnen und Kollegen, als auch die Menschen, für die wir täglich unser Leben aufs Spiel setzen, sich von unseren Geschichten bewegen lassen.

Ein großes Anliegen ist mir auch, dass schon in der Schule durch die Geschichten der Polizei-Poeten ein breiteres Bild über die Menschen in der Polizei und ihre Aufgaben entstehen kann.

Stellen Sie sich kurz vor.

Ich mache es kurz und knackig: Ich bin Volker Uhl, Kriminalbeamter und stv. Fachkoordinator für Konflikthandhabung und Krisenmanagement an der Akademie der Polizei in Freiburg. 2002 gründete ich die Autorenplattform www.polizei-poeten.de. Ich bin Jahrgang 1962, 1979 begann ich die Ausbildung bei der Polizei. Danach war ich Streifendienst, später dann Kripo und Studium an der Hochschule für Polizei. Ich bin verheiratet und habe 3 Kinder.

Vielen Dank an Volker Uhl für das Interview.  Das Interview führte Stefan Cimander für www.fwnetz.de.

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