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Vom offenen zum geschlossenen Feuerwehraufbau

Das Fahrzeug der FF Bretten wurde von 1998 bis 2001 restauriert.

Das Fahrzeug der FF Bretten wurde von 1998 bis 2001 restauriert.

(sc). Bis Ende der 1930er Jahre ließen die Feuerwehren Feuerwehrfahrzeuge mit offenen Mannschaftskabinen bauen – auch wenn eine geschlossene Kabine technisch möglich war. Diese überkommene Reminiszenz galt trotz benzin-elektrischer Motorisierung als selbstverständlich, denn Feuerwehrleute hatten in der chauvinistisch geprägten, konservativ-militaristischen Gesellschaft harte Männer zu sein. Als Argument für offene und ungepolsterte Holzbänke galt die „Abhärtung der Mannschaften“ (zit. n. Schütz). Die Entwicklung vom offenen zum geschlossenen Aufbau entwickelte sich mit einem Zwischenschritt. Dabei ging es zunächst nur um einen Wetterschutz aus imprägniertem Segeltuch. Das Fahrzeug war also nach wie vor offen, und die Feuerwehrleute Wind und Kälte ausgesetzt.

Das Umdenken und die Umstellung auf geschlossene Kabinen setzte ab 1929 ein. Die Weimarer Republik erlebte 1929/30 einen besonders kalten Winter – darunter hatten besonders die in offenen Wagen ausrückenden Feuerwehrleute zu leiden, die nicht selten Erfrierungen erlitten. Der Winter brachte damals nicht nur Temperaturen von bis zu -45 Grad, sondern führte auch zu besonders vielen Einsätzen der Feuerwehr. Gihl berichtet von einem Einsatz in Stuttgart, bei dem die Feuerwehr in offenen Feuerwehrfahrzeugen zum Einsatzort gebracht und dann später die „Mannschaften in geschlossenen Sanitätsfahrzeugen zurückgefahren“ wurden.

Ganz ohne staatlichen Druck geschah die Umstellung nicht. Im Zuge der Durchsetzung von Normen und einheitlichen Feuerwehrdienstvorschriften durch das Reichsministerium des Inneren und des Reichsministeriums der Luftfahrt, waren für die neuen Standardfahrzeuge nur geschlossene Mannschaftskabinen vorgesehen. Anders ausgedrückt die von den beiden Ministerien entwickelten Fahrzeugtypen hatten keinen offenen Aufbau mehr – auch wenn es 1939 noch nicht wirklich viele Fahrzeugnormen gab.

Nicht wenige sprachen im Zusammenhang mit der Einführung vollständig geschlossener Kabinen von Verweichlichung und dem Ende des Feuerwehrfahrzeugs. In dieser Frage zeigte sich die Nähe der ersten Automobile zu den alten Gespannen, die ja offen waren. Zu Beginn der Motorisierung saß der Fahrer folglich auch rechts, so wie einst der Kutscher. Allerdings standen die Feuerwehren zunächst nicht nur den geschlossenen Mannschaftskabinen kritisch gegenüber, sondern auch zunächst gegenüber dem Explosionsmotor, der Luftgummibereifung, Stahlleitern, … .

Die Berliner Feuerwehr stellte 1930 das erste Fahrzeug mit vollständig geschützten Mannschaftsraum hatte. Dass aber auch noch in den 1930er Jahren Feuerwehrfahrzeuge nur mit Wetterschutz gebaut wurde, zeigt der Mannschafts- und Gerätewagen der Feuerwehr Bretten. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Literatur:

  • Manfred Gihl: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus. 2 Bde., Stuttgart 2002.
  • Josef Schütz: Die Roten Hefte, Bd.8a, Feuerwehrfahrzeuge, Stuttgart 1996.
  • Udo Paulitz: Feuerwehr-Klassiker, Drehleitern und Löschfahrzeuge. Stuttgart 2003.
  • Rolf Metzger: 150 Jahre Metz Feuerwehrgeräte. Ein Unternehmen schreibt Feuerwehrgeschichte. 1992.
  • Interview mit Förderverein FF Bretten
  • Homepage Förderverein der FF Bretten

Kommentare

4 Kommentare zu “Snippets von der Retro Classics (2): Wetterschutz” (davon )

  1. Cimolino am 25. März 2011 09:50

    Hallo,

    ein gutes Beispiel wie schon damals die Akzeptanz einer dringend nötigen Änderung bei der Fw von „Praktikern“ verhindert, verzögert und veralbert wurde…
    Hat sich nicht wirklich viel geändert. Um etwas zu diskutieren dürfen braucht es 10 Jahre, um etwas in die Köpfe der Führung zu bekommen nochmal 10, um von da die Masse zu erreichen, nochmal 10..

  2. bigthoom am 25. März 2011 14:47

    Zum Thema Sitzgelegenheit:
    Aktuelle Sitzflächen, besonders 2te und 3te Reihe, in Fw-Fahrzeugen fühlen sich ähnlich an wie eine Holzbank, sind aber aus Kunststoff.
    Selbst zu DDR-Zeiten wurde dem Personal ne gepolsterte Sitzbank zugebilligt. Unser Traditionsfahrzeug IFA W50 LF16-TS ist vom Sitzkomfort wesentlich besser als es in modernen LFs ist. Kunstoff ist halt so schön billig!
    Keiner verlangt Massagesitze :) … Aber etwas personalfreundlichere Sitzgelegenheiten dürften es schon sein.

  3. Christian Lewalter am 25. März 2011 17:33

    @bigthoom Dafür sind die Hosen heutzutage dicker ;-)

  4. Jochen Petzinger am 25. März 2011 21:57

    Bei der vfdb gibt es dazu eine Biographie des Dipl.-Ing Paul Kalaß, der 1934 die erste Norm eines Fahrzeuges mit geschlossener Manschaftkabine einführte (als Modell diente ein in Mannheim konzipiertes Fahrzeug der Firma Metz) .
    http://www.vfdb.de/Download-Bereich.111+M548862d1d92.0.html

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