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Vereinheitlichung der Feuerwehrfahrzeuge

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

(sc). Äußerlich deutlich sichtbares, gleichwohl symbolisches Zeichen der Vereinheitlichung der Feuerwehrfahrzeuge in Deutschland, war die tannengrüne Farbe der Feuerschutzpolizei. Regte Branddirektor Maximilian Reichel* (BF Berlin) schon 1911 eine Normierung bestimmter Teile an, so gelang die Durchsetzung von Normen erst in der Zeit des Nationalsozialismus. Es war aber keineswegs so, dass die Nationalsozialisten die Feuerwehrnomen erfunden haben. Bereits 1920 gründete sich der „Fachausschuß für die Normung der Feuerwehrgeräte“ (FEN), der sich gleich dem Normenausschuss der Deutschen Industrie (NDI) anschloss. Fünf Jahre später gab es die ersten Normblätter für Handdruckspritzen, Drehleitern, Druckschläuche und Druckkupplungen. Im Gegensatz zu heute, waren die Normen damals unverbindliche Empfehlungen. Wie Manfred Gihl bemerkt, hielten sich die Feuerwehren nur bei den Drehleitern weitgehend an die Norm – allerdings beschäftigte sich diese mit nicht mehr als dem maximalen Neigungswinkel und den Belastungsgrenzen der Leitertypen, schreibt Hasemann.

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

Die Stuttgarter Feuerwehrhistoriker zeigten auf der Retro Classics ein als GLG / LF 25-14 bezeichnetes Feuerwehrfahrzeug. Der Daimler-Benz L 4500 F, Baujahr 1941, Aufbau Metz, besaß einen 112 PS, 6-Zylinder-Diesel-Motor vom Typ OM 67/4, der das Fahrzeug auf 70 km/h beschleunigte.

Das Bestreben, Feuerwehrfahrzeuge zu vereinheitlichen, ging zunächst von dem Reichsluftfahrtministerium (RMdL) und später auch dem Reichsministerium des Innern (RMdI) aus. Während das RMdL für den Luftschutz zuständig war, war das RMdI verantwortlich für die zivile Schadenabwehr. Die Gründe für die Vereinheitlichung lagen dabei auf der Hand: Für den kommenden Krieg sollte es einen schlagkräftigen Luftschutz geben: Einheitsfahrzeuge und -geräte waren die Voraussetzung für die Zusammenarbeit und (überörtliche) Führbarkeit von größeren Einheiten. Ferner war die über die Fahrzeug- und Taktikvereinheitlichung hinausgehende organisatorische Gleichschaltung der Feuerwehren Teil der Umsetzung des Führerprinzips.

Schon zwei Monate nach der Ernennung von Adolf Hitler zum 4. Präsidialkanzler der Weimarer Republik, mussten sich die Hersteller von Feuerwehrfahrzeugen am 4. März 1933 zur „Arbeitsgemeinschaft der deutschen Feuerwehrgeräteindustrie“ zusammenschließen. Dieser Schritt war nicht nur Ausdruck der partiell „sozialistischen“ Wirtschaftsvorstellungen der Nationalsozialisten, sondern sollte auch ein erster Schritt zur Vereinheitlichung von Feuerwehrgeräten sein. Die Firmen sollten nicht mehr konkurrieren, sondern „kooperieren“.

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

Die Haspel musste, in der heutigen Zeit kaum vorstellbar, mit drei Feuerwehrmännern abgeprotzt werden.

Den ersten konkreten Schritt hin zu Einheitsfahrzeugen unternahm das RMdL 1934. Dazu ließ das Ministerium Prototypen bauen, die teilweise die Serienfertigung erreichten. Zu den Prototypen zählten die Kraftzugspritze KzS 8 nach DIN FEN 504, die Kraftfahrspritze KS 15 nach DIN FEN 510, die Kraftfahrdrehleiter KL 26 und der Schlauchkw. Bei der KzS 8 saßen die Feuerwehrleute allerdings ohne Wetterschutz im Freien. Die Idee des KzS 8 fand Aufnahme in der Konstruktion des Leichten Löschgruppenfahrzeuges (LLG), aus dem später das Löschgruppenfahrzeug LF 8 werden sollte.

Bis es zu einheitlichen Fahrzeugen und Durchsetzung der (noch zu erarbeitenden) Normen kam, musste das RMdI eine Reihe von weiteren Vorschriften erlassen. Zunächst erließ das RMdI für Feuerwehrfahrzeuge über zwei Tonnen Nutzlast am 22. August 1935 die Vorschrift, dass diese einen Dieselmotor haben müssen. Die Ausnahme stellten lediglich die so genannten „Dresdner Löschzüge“ 1934/35 dar.

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

Nach Angaben der Stuttgarter Feuerwehrhistoriker kam das Fahrzeug von Bamberg nach Stuttgart. In Stuttgart war das LF 25 noch bis zu Beginn der 1970er Jahre im Einsatzdienst.

In einem gemeinsamen Runderlass vom 11. September 1936 ordneten RMdL und RMdI die Anwendung der Normen auf dem Gebiet des Feuerlöschwesens an. Dies zeigte aber wenig Wirkung, auch weil zu diesem Zeitpunkt die Feuerwehren de jure noch in kommunaler Trägerschaft waren, und die Wehren das beschafften, was sie als notwendig erachteten. Auch gab es nach wie vor rege Konkurrenz und eine Typenvielfalt auf dem deutschen Automobilmarkt. Die Vereinheitlichung erlangte auf Seite der Fahrzeugtypen erst mit dem Schell-Plan von 1939 einen weiteren Schub.

Aus dem Runderlass zur „Typenbegrenzung im Feuerlöschfahrzeugbau“ vom 16. Februar 1940 resultierte die Anpassung der bei den Feuerwehren eingesetzten Nutzfahrzeugklassen an die Bestimmungen des Schell-Plans. Fortan gab es für die Feuerwehrfahrzeuge nur noch drei Nutzfahrzeugklassen: 1,5 t, 3 t und 4,5 t. Sondertypen waren nicht mehr vorgesehen. Gleichzeitig findet für das LLG und das Schwere Löschgruppenfahrzeug (SLG) eine Festlegung auf einen Aufbautyp statt.

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

Die Feuerlöschkreiselpumpe förderte 2.500 l/min und ist noch heute funktionsfähig. Die Feuerwehrhistoriker nehmen mit dem Fahrzeug an historischen Übungen teil. Das LF 25 verfügt ferner über eine Schnellangriff- und Schaumeinrichtung. Im Vergleich zum SLG hatte es nur mehr Wasser im Tank.

Dafür musste allerdings die Größe der Mannschaftskabine feststehen. Ein besonders wichtiger (und bis heute nachwirkender) Schritt war deshalb das Inkrafttreten der Ausbildungsvorschrift Teil 1 am 27. Oktober 1938 (23.11.38?). Die Vorschrift setzte die Gruppe als kleinste taktische Einheit durch. Mit dieser Definition stand gleichzeitig die Größe der Mannschaftskabine fest.

Ferner erschienen von 1940 bis 1944 dann zehn Hefte, die (Norm-)Vorgaben für verschiedene Typen von Feuerwehrfahrzeuge erteilten. Obwohl organisatorisch die Fäden im RMdI zusammenliefen, gab es 1939, bis auf die zwei Normblätter von 1925, keine Fahrzeugnormen, wie Manfred Gihl schreibt. Ferner lagen am 1. Januar 1938 52 DIN FEN-Normen sowie 34 Normblatt-Entwürfe (darunter 6 Fahrzeugnormentwürfe) vor. Der Schwerpunkt der Normung lag zunächst im Bereich der Wasserversorgung. Der Hintergrund dafür ruhte in der bis Ende der 1930 Jahre herrschenden Beschaffungsmentalität, die sich auch bei den Löscharmaturen offenbarte. Überlandhilfe war z.B. aufgrund der verschiedenen Kupplungen schwer möglich. Symbolisch dafür steht der Brand des badischen Dorfes Oeschelbronn am 9. und 10. September 1933. Deshalb verordnete das RMdI schon 1935 die 1882 patentierte Storzkupplung. Die Einführung verzögerte sich jedoch bis 1938.

Auch auf organisatorischer Seite musste das RMdI Änderungen erzwingen, die letztlich auch Auswirkungen auf die Fahrzeuggestaltung haben sollten. Am 23. November 1938 erfolgte das „Gesetz über das Feuerlöschwesen“, welches die Eingliederung der kommunalen Feuerwehren in die Polizei auf das gesamte Deutsche Reich ausdehnte, nachdem dies im Teilstaat Preußen bereits am 12. Januar 1934 erfolgt war. An dieser Entwicklung waren die Feuerwehren aber nicht unschuldig, wie Blazek und Linhardt zeigen. Spätestens jetzt gab der Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei im RMdI, Heinrich Himmler, die Marschrichtung auch in der Fahrzeugentwicklung vor. Die Kommunen hatten jetzt – bis auf finanzielle Verpflichtungen – in der Feuerwehrorganisation nichts mehr zu sagen. Gleichzeitig beendete das Gesetz das Paradoxon parallel verlaufender Fahrzeugentwicklungen zwischen RMdL und RMdI. Die Feuerwehren waren nun reichseinheitlich auch vor dem Gesetz Instrumente des Luftschutzes.

In der Zeit des Weltkrieges gab es als genormte Drehleitern die LDL (Leichte Drehleiter, später DL 17) bis etwa 3 Tonnen Gewicht, die SDL (Schwere Drehleiter) bis etwa 4 Tonnen Gewicht und die GDL (Große Drehleiter) bis 4,5 Tonnen. Schlauchwagen gab es mit dem Schweren Schlauchkraftwagen (SSK) und Großen Schlauchkraftwagen (GSK) zwei genormte Typen. [Bild einer LDL in tannengrün, Bild einer LDL in rot]

LF 25 der Feuerwehr Stuttgart

Die nicht verschlossenen Pumpenein- und ausgänge am Heck des Fahrzeuges deuten daraufhin, dass es sich nicht um ein GLG (RMdI), sondern um eine KS 25 (RMdL) handelt. Die GLG/LF25 des RMdI waren vollständig geschlossen, nur die fast baugleichen KS 25 hatten am Heck zunächst keine Abdeckung, später die im oberen Bild zu sehende halb geschlossene Form.

Auf der Seite der Löschfahrzeuge gab es das Leichte Löschgruppenfahrzeug (LLG), das Schwere Löschgruppenfahrzeug (SLG) und das Große Löschgruppenfahrzeug (GLG). Allerdings bestanden Unterschiede zwischen Fahrzeugen des RMdL und des RMdI, die trotz des ab dem 30. April 1943 geltenden einheitlichen Sprachgebrauchs bestanden. [Bild eines SLG]

Die KzS 8 bzw. KS8 wurden zunächst in LLG, und dann in LF 8 umbenannte. Zwar musste des LF 8 einen TSA mitführen, hatte aber immerhin als Norm Bestand bis 1990. Das LLG war als typisches Fahrzeug für freiwillige Feuerwehren gedacht. Seit 1939 war das LLG auch vollständig geschlossen.

Die KS15 wurde später zum SLG/FlKS 15, dann LF15 und später zum LF 16. Das LF 16 hatte Bestand bis 1991. Aus der KS25 wurde das GLG, und dann das LF25. SLG und GLG unterschieden sich, bis auf die Unterschiede der RMdL und RMdI-Varinaten, zunächst nur durch die Größe des Wassertanks.

Die Normung von Feuerwehrfahrzeugen wurde nach der Befreiung von der nationalsozialistischen Herrschaft schon 1948 wieder aufgenommen. Allerdings konnten erst 1969 alle Fahrzeugtypen in die Norm überführt werden. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

* Maximilian Reichel (05.04.1856-21.09.1923) war von 1893 bis 1900 Branddirektor bei der BF Altona, von 1900 bis  1905 Branddirektor bei der BF Hannover, bevor er bis 1922 Branddirektor bei der BF Berlin war.

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Literatur

  • Blazek, Matthias: Unter dem Hakenkreuz: die deutschen Feuerwehren 1933 – 1945. Stuttgart: Ibidem Verlag 2009.
  • Cimolino, Ulrich et al.: Einsatzfahrzeuge für Feuerwehr und Rettungsdienst: Typen: Ausführung und taktischer Einsatzwert. Landsberg: ecomed Sicherheit 2006.
  • Fischer, Klaus: Löschgruppenfahrzeuge LF 16. Berlin: Huss-Medien, Verl. Technik 2005.
  • Fischer, Klaus: Löschgruppenfahrzeuge LF 8. Berlin: Huss-Medien, Verl. Technik 2003.
  • Gihl, Manfred: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus. Bd. 2., Von 1940 bis heute. Stuttgart: Kohlhammer 1999.
  • Gihl, Manfred: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus. Bd. 1., Von den Anfängen bis 1940. Stuttgart: Kohlhammer 1997.
  • Gihl, Manfred: Handbuch der Feuerwehr-Fahrzeugtechnik. 3., überbearb. Aufl. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer 1994.
  • Hasemann, Dieter: Feuerwehr-Legenden: MAN, Magirus-DL. Stuttgart: Motorbuch Verlag 2003.
  • Linhardt, Andreas: Feuerwehr im Luftschutz 1926 – 1945: die Umstrukturierung des öffentlichen Feuerlöschwesens in Deutschland unter Gesichtspunkten des zivilen Luftschutzes. Braunschweig 2002.
  • Paulitz, Udo: Drehleitern und Löschfahrzeuge: Metz und Mercedes Benz. Stuttgart: Motorbuch Verlag 2001.
  • Schütz, Josef: Feuerwehrfahrzeuge Teil 1. Typenbezeichnung, Kurzzeichen und allgemeine Anforderungen an Fahrgestell, Aufbau, löschtechnische Einrichtungen und Beladelisten der Löschfahrzeuge. 11., überarb. und erg. Aufl. Stuttgart: Kohlhammer 1996.
  • Strumpf, Günter: Maximilian Reichel. Vorantreiber der Elektro-Motorisierung, erster automobiler Löschzug der Welt, Gründer des Preußischen Feuerwehr-Beirates. Berlin 2009. (PDF)

[Update 30.03.2011: Angaben zu Maximilian Reichel korrigiert und ergänzt]

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