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Mercedes und Metz eine Wahlverwandschaft

21. April 2011 von  

Snippets von der Retro Classics (5): Daimler-Benz-Metz Feuerwehrfahrzeuge

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

DL 25 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1959, im Einsatzdienst bis 1987.

(sc). Es gibt Dinge, die sind so wie sie sind. Wir nehmen sie hin, weil es immer schon so war. Verschwinden sie, dann fragen wir auch nicht mehr danach. Vielleicht gehört eine Episode aus der Feuerwehrfahrzeuggeschichte auch zu diesen „Dingen“. Jedes Feuerwehrfahrzeug besteht aus – wenn wir es einfach halten – zwei Komponenten: Chassis und Aufbau. Die Hersteller und Konstrukteure der beiden Komponenten lassen sich in Deutschland an einer Hand abzählen. Dennoch haben wir es mit einer großen Varianten- und Kombinationsvielfalt zu tun. Das war nicht immer so.

Der Markt für Feuerwehraufbauten war lange Jahre ein Claim, das von zwei großen Aufbauherstellern beherrscht wurde: Magirus und Metz. Während Magirus „alles aus einer Hand“, vom eigenen Chassis auf Klöckner-Humboldt-Deutz bis hin zum Aufbau, anbieten konnte, entwickelte Metz nur Fahrzeugaufbauten, und war damit auf einen Partner angewiesen. Dieser Partner hieß über 60 Jahre lang Daimler-Benz.

Ist es euch z.B. nie eigenartig vorgekommen, dass Daimler-LKW fast nur Aufbauten von Metz hatten – von ganz wenigen einmal Ausnahmen einmal abgesehen? Diese Verbindung zwischen Metz und Daimler-Benz war sicherlich eine dieser Dinge, die einem in der Vergangenheit nicht weiter auffiel.

Daimler-Benz und Metz waren vertraglich aneinander gebunden. Diese Bindung geht auf das Jahr 1923 zurück. Damals schlossen die Benz-Werke Gaggenau und die Carl-Metz-Feuerwehrgerätefabrik aus Karlsruhe einen Kooperationsvertrag, der festlegte, dass Benz in Zukunft die Aufbauten für Löschfahrzeuge und Drehleitern von Metz beziehen sollte. Im Gegenzug verzichtete Benz auf die weitere Fertigung von Feuerwehrpumpen.

TLF 15 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schorndorf, Bj. 1950, im Einsatzdienst bis 1978.

TLF 15 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schorndorf, Bj. 1950, im Einsatzdienst bis 1978.

LF 8 TS schwer auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Mühlacker, Bj. 1956, im Einsatzdienst bis 1992.

LF 8 TS schwer auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Mühlacker, Bj. 1956, im Einsatzdienst bis 1992.

 

Allerdings fusionierten Benz und Daimler drei Jahre später. Beide hatten aber bereits seit 1924 einen Interessenvertrag über den Bau von Feuerwehrfahrzeugen in bestimmten Nutzfahrzeugklassen. Die Fusion führte 1933 zu einer Neuauflage und sogar Ausweitung der Vereinbarungen zwischen der jetzigen Daimler-Benz AG und der Carl Metz Feuerwerhrgerätefabrik. Aus dem bloßen Interessenvertrag von 1923, wurde nun ein Fabrikations- und Vertriebsvertrag für das Inland, der die beiderseitigen Verpflichtungen genau regelte.

Metz verpflichtete sich den Bau automobiler Fahrgestelle nicht aufzunehmen, Aufbauten nicht an andere Automobilfabrikanten zu liefern, Feuerlöschfahrzeuge nur auf Fahrgestellen von Daimler-Benz anzubieten, und die eigenen Erzeugnisse in Prospekten mit dem Zusatz „auf Daimler-Benz-Fahrgestell“ zu versehen.

Im Gegenzug verpflichtete sich Daimler-Benz, nur Metz zur Lieferung aller Aufbauten heranzuziehen, den Bau von Feuerlöschpumpen aufzugeben, beim Verkauf der Vertragsware nur noch Metz-Pumpen anzubieten und zu verkaufen, und die Produkte mit beiden Namen zu nennen. Ferner durften beide Vertragspartner die Produkte des jeweils anderen verkaufen.

Vielleicht wäre es zu diesem Kooperationsvertrag aber überhaupt nicht gekommen, wenn es 1928 doch zu der von der Deutschen Bank geforderten Fusion der C.D. Magirus AG und Daimler-Benz gekommen wäre.

Magirus kämpfte Ende der 1920er Jahre mit wirtschaftlichen Problemen, und hatte nach dem Tod von Hermann Magirus obendrein eine Führungs- und Innovationskrise. Der Vertrag zwischen den beiden Unternehmen kam aber nicht zustande, weil Magirus den Kontrakt wegen ungenügender Berücksichtigung des Feuerwehrgeschäfts ablehnte.

LF 16-TS auf Mercedes-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Böblingen, Bj. 1958.

LF 16-TS auf Mercedes-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Böblingen, Bj. 1958.

 

Die Kooperation zwischen Daimler-Benz und Metz wurde wenige Jahre nach Abschluss des Interessenvertrages durch die Politik der Nationalsozialisten auf die Probe gestellt. Die Pläne der Nazis zielten auf möglichst wenig Konkurrenz und die Vereinheitlichung von Fahrzeugen. Deswegen kam es in den 1940er Jahren zu dem Versuch, Metz und Magirus zu einem einzigen Unternehmen zu verschmelzen. Nachdem Magirus – ohne das Wissen von Metz – die ersten Schritte in diese Richtung verwirklichte, nahm Daimler-Benz dies zum Anlass, den Kooperationsvertrag mit Metz zu kündigen.

LF 8 auf Mercedes-Benz mit Aufbau von Ziegler der Feuerwehr Esslingen-Hegensberg, Bj. 1963, im Einsatzdienst bis 1997.

LF 8 auf Mercedes-Benz mit Aufbau von Ziegler der Feuerwehr Esslingen-Hegensberg, Bj. 1963, im Einsatzdienst bis 1997.

 

Nachdem die Zwangsehe von Metz und Magirus schon vor dem Zusammengehen scheiterte, erneuerten Metz und Daimler-Benz ihren nun „Freundschaftsvertrag“ genannten Kontrakt am 12. November 1940. Daimler-Benz erhielt in dem bis zunächst 1945 laufenden Vertrag ein Vorkaufsrecht für die Firma Metz. Das Kriegsende 1945 führte zu einer Pause der Kooperation. Der Vertrag fand 1949 eine Wiederaufnahme, nachdem Daimler-Benz mit einem neuen Dreitonner ein für die Feuerwehren interessanten Nutzfahrzeugtyp im Programm hatte.

Obwohl Daimler-Benz einen Vertrag mit Metz hatte, bauten auch andere Aufbauhersteller auf Mercedes-Benz-LKW auf. Dies waren in den 1950er Jahren ausnahmslos kleinere Firmen, die Metz auf dem Markt, wenn überhaupt nur regional Konkurrenz machen konnten. Darunter waren Firmen wie Adam Bachert und Ziegler.

TLF 15 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1954, im Einsatzdienst bis 1981.

TLF 15 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1954, im Einsatzdienst bis 1981.

 

Die Eigentümer der Firma Metz, Alfred und Karl Bachert – die Brüder von Eugen Bachert, der den Aufbauhersteller Adam Bachert führte – gaben der Firma am 06. Oktober 1959 eine veränderte Eigentümerstruktur. Alfred und Karl Bachert planten mit dieser Maßnahme frühzeitig für die Zeit nach ihrem Tod. Über einen Umweg gehörte Metz damit nun zum LKW-Hersteller Kaelble.

Wegen der neuen Teilhaberstruktur kam es abermals zu einer Neuauflage der Vereinbarung zwischen Metz und Daimler-Benz. Inhaltlich blieb es bei dem Übereinkommen aus den 1940er Jahren. Die einzige Änderung betraf Kleinfahrzeuge, wie z.B. das LF8. Fortan waren Kleinfahrzeuge nämlich nicht mehr Bestandteil der Kooperationsvereinbarung.

In Folge dessen entstand eine Lücke, die dazu führte, dass junge Aufbauhersteller, wie Ziegler und Bachert, ein „größeres Stück vom Feuerwehrkuchen“ bekamen. Während die LF 15 (später LF 16 genannt) überwiegend einen Aufbau von Metz hatten, nahm die Variantenvielfalt bei den LF 8 zu. Daimler-Benz konnte in dieser Nutzfahrzeugklasse nämlich lange Zeit kein passendes Fahrgestell anbieten.

LF 16-TS auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1960, im Einsatzdienst bis 1984.

LF 16-TS auf Daimler-Benz mit Aufbau von Metz der Feuerwehr Schwäbisch Gmünd, Bj. 1960, im Einsatzdienst bis 1984.

 

LF 16 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Ziegler der Feuerwehr Ebersbach / Fils, Bj. 1960, im Einsatzdienst bis 1982.

LF 16 auf Daimler-Benz mit Aufbau von Ziegler der Feuerwehr Ebersbach / Fils, Bj. 1960, im Einsatzdienst bis 1982.

Nach dem Tod der Firmeninhaber Alfred (1967) und Karl Bachert (1968) gehörte Metz faktisch zu einhundert Prozent der Kaelble-Gruppe. Dies machte wiederum eine Anpassung des Vertrages mit Daimler-Benz erforderlich. Dies geschah 1969. Allerdings erfuhr das Abkommen eine erneute Modifikation. Dafür gab es Gründe: Einerseits hatte man bei Daimler-Benz eine neue Fahrgestellgeneration eingeführt, andererseits wollte Metz den Handlungsspielraum für den Vertrieb erweitern. Beide konnten jetzt als Generalunternehmer für Feuerwehrfahrzeuge auftreten. Zu einem Konflikt zwischen den beiden LKW-Herstellern Daimler-Benz und Kaelble kam es nicht, da Kaelble ohnehin kaum eine Rolle auf dem Markt spielte. Es entstanden auch nur sehr wenige Feuerwehrfahrzeuge auf einem Kaelble Chassis.

Trotz der Vertragsanpassungen endete die Zusammenarbeit zwischen Daimler-Benz und Metz 1972. Einerseits war Metz in zunehmenden Maße bei der Fahrgestellauswahl eingeschränkt, andererseits expandierte Daimler-Benz, und wollte durch Bindung an Metz keine Aufträge verlieren. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Eine ungekürzte Fassung dieses Artikels können interessieret Leser in meinem privaten Blog :galaxy quest lesen.

Links

Literatur

  • Ambrosius, Rolf J.: Magirus. Die Geschichte eines Ulmer Unternehmens. 1864 – 1935, Biberach 1997.
  • Brennecke, Bodo: Rote Riesen. Lösch-Exoten: Feuerwehren auf Kaelble-Chassis, In: Historischer Kraftverkehr, Nr. 6, 2001, S.
  • Fischer, Klaus: Löschgruppenfahrzeuge LF 16, Berlin: Huss-Medien, Verl. Technik 2005.
  • Fischer, Klaus: Löschgruppenfahrzeuge LF 8, Berlin: Huss-Medien, Verl. Technik 2003.
  • Gihl, Manfred: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus, Bd. 2., Von 1940 bis heute. Stuttgart: Kohlhammer 1999.
  • Gihl, Manfred: Geschichte des deutschen Feuerwehrfahrzeugbaus, Bd. 1., Von den Anfängen bis 1940. Stuttgart: Kohlhammer 1997.
  • Gihl, Manfred: Handbuch der Feuerwehr-Fahrzeugtechnik, 3., überbearb. Aufl. Stuttgart, Berlin, Köln: Kohlhammer 1994.
  • Rolf Metzger: 150 Jahre Metz Feuerwehrgeräte. Ein Unternehmen schreibt Feuerwehrgeschichte, 1992.
  • Paulitz, Udo: Drehleitern und Löschfahrzeuge: Metz und Mercedes Benz, Stuttgart: Motorbuch Verlag 2001.
  • Rabe, Klaus: Der Zukunft ein Stück voraus. 125 Jahre Magirus, Düsseldorf 1989.

Kommentare

2 Kommentare zu “Mercedes und Metz eine Wahlverwandschaft” (davon )

  1. Florian Körblein am 21. April 2011 13:02
    Florian Körblein

    Der Artikel und die ganze Serie zu diesem Thema finde ich äußerst interessant! Weiter so!!!

  2. Stefan Cimander am 21. April 2011 13:16
    Stefan Cimander

    @Florian Danke für das Lob. Endlich bekundet mal jemand Interesse an diesem Themenbereich.

    Zwei Artikel habe ich für die Serie noch geplant, wobei einer auf der Kippe steht bzw. verschoben werden muss. Der andere existiert nur in Form von Exzerpten und Notizen

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