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(cl). Bei der Feuerwehr Gernsheim am Rhein wird ein neues Hilfeleistungslöschboot (HLB) stationiert. Am 30. April wird es auf den Namen „Hecht“ getauft. Aus diesem Grund hat uns Florian Kissel, Pressesprecher der Feuerwehr Gernsheim diesen Gastartikel zukommen lassen:

Hilfeleistungslöschboot für Gefahrenabwehr auf dem Rhein

Allgemeines

Nach dem Hessischen Gesetz über den Brandschutz, die Allgemeine Hilfe und den Katastrophenschutz (HBKG) haben die Gemeinden die Gefahrenabwehr gegenBrände und Unglücksfälle sicherzustellen (§ 3). Dazu stellen sie entsprechend ausgerüstete und ausgebildete Feuerwehren auf. Dies gilt auch für die Bundeswasserstraßen des Landes Hessen. Gemeinsam mit den Regierungspräsidien und den betroffenen Landkreisen wurde im Jahr 1993 ein Konzept entwickelt, wie die Ausrüstung der Feuerwehren entlang der Bundeswasserstraßen ergänzt werden kann, um die Gefahrenabwehr auf diesen Gewässern zu verbessern.

Ausgangspunkt für diese Überlegungen waren die beiden Standorte von Feuerlöschbooten bei den Berufsfeuerwehren Frankfurt und Wiesbaden. Gleichzeitig wurden in diese Überlegungen die Standorte von gleichwertigen Booten in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz einbezogen. Ziel dieser Regelung sollte es sein, diese Boote mit kleineren Mehrzweckbooten –MZB – in der Gefahrenabwehr zu unterstützen.

Das Ergebnis dieser Überlegungen war, dass an Rhein, Main und Neckar Standorte für Mehrzweckboote festgelegt wurden. Bei den Einsätzen auf dem Rhein hat sich aber gezeigt, dass die vorhandenen Löschboote, hierbei handelte es sich in Rheinland-Pfalz und in Wiesbaden um umgebaute Flussfähren der Bundeswehr, diese Aufgabe nicht im ausreichenden Maß erfüllen können, da insbesondere ihre Geschwindigkeit zu gering ist. Darüber hinaus ist eine durchgängige Einsatzbereitschaft wegen des hohen Lebensalters nicht mehr vollständig gegeben. In der Internationalen Oberrheinkommission gibt es ebenfalls seit einigen Jahren Überlegungen, einheitliche Löschboote für den betroffenen Rheinabschnitt zu konstruieren.

Mitte des Jahres 2006 hat das Land Baden-Württemberg der Schiffswerft Neckar-Bootsbau in Neckarsteinach den Auftrag zum Bau eines Löschbootes erteilt, das inder Nähe der Hafeneinfahrt zum Straßburger Nordhafen stationiert und gemeinsam von Kehl und Straßburg betrieben wird. Die „EUROPA 1“ wurde am 1. Januar 2008 in Dienst gestellt.

Projekt Hessen/Rheinland-Pfalz

Hessen und Rheinland-Pfalz haben sich an den ersten Gesprächen der Oberrheinkommission, die die technischen Lösungen und die Standorte für diese Löschboote betrafen, beteiligt. Sehr schnell jedoch wurde deutlich, dass das Konzeptder Kommission zu Löschbooten führen würde, die einen unverhältnismäßig hohen Unterhaltungs- und Ausbildungsaufwand nach sich ziehen würden. Beide Länderwaren sich im Vorfeld einig geworden, dass diese Boote so ausgelegt werden müssen, dass für ihren Betrieb neben dem Sportbootführerschein, dem Schiffsfunkzeugnis und dem Radar-Fahrpatent keine weitere Ausbildung notwendigwerden darf, da ein aufwendiges Rheinschifffahrtspatent durch Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren nicht zu erbringen ist. Beide Länder waren sich auf der fachlichen Ebene einig, dass sich die Boote in den beiden Ländern gegenseitig unterstützen sollen. Zwischen den beiden Fachreferaten wurde die Gründung von zwei Arbeitsgruppen vereinbart, die einmal die „Taktischen Anforderungen“ und zum anderen die „Technischen Anforderungen“ an diese Boote erarbeiten sollten. Die AG „Taktik“ hat im Dezember 2003 ihre Arbeit mit dem Ergebnis abgeschlossen, dass das Land Rheinland-Pfalz insgesamt vier und das Land Hessen mindestens zwei Löschboote mittel- und langfristig beschaffen müssen. Über die endgültige Stationierung ist nach einsatztaktischen und –technischenErfordernissen noch zu entscheiden.

Am 24. August 2009 unterschrieben der damalige Staatsminister Bouffier und sein Amtskollege Bruch eine Vereinbarung zwischen den beiden Ländern, die im Bereich des hessischen und rheinland-pfälzischen Rheinabschnittes die gegenseitige Hilfeleistung festschreibt und insbesondere eine Doppelvorhaltung von Einsatzmitteln vermeiden soll. Darüber hinaus verpflichten sich damit die Länder, langfristig entsprechende Einsatzmittel im Rahmen einsatztaktischer und einsatztechnischer Übereinstimmung an festgelegten Standorten vorzuhalten, um adäquate Hilfe leisten zu können.

Standort Gernsheim

Auf Grund seiner strategisch günstigen Lage direkt am Rhein hat sich das Land Hessen entschlossen, der Schöfferstadt Gernsheim mit ihrer Freiwilligen Feuerwehr ein landeseigenes HLB sowie eine Steganlage mit Bootshalle im Gernsheimer Hafen zu überlassen, um ihr die optimale Erfüllung der überörtlichen Gefahrenabwehr zu ermöglichen. Ein entsprechender Überlassungsvertrag zwischen dem Land Hessen und der Stadt Gernsheim wurde am 12. November 2010 in Gernsheim von Innen-Staatssekretär Koch und Bürgermeister Müller unterzeichnet.

Im Hafen Gernsheim wird ein neuer Liegeplatz mit Steganlage und Bootshalle fürden Prototyp eines Hilfeleistungslöschbootes -HLB- eingerichtet. Dazu wurde das Hessische Baumanagement vom HMdIS beauftragt, eine Bootshalle zu planen, auszuschreiben und bis Ende des Jahres 2010 in Gernsheim fertig zu stellen. Leider ist es –aus verschiedenen Gründen- zu einer Bauverzögerung gekommen, so dass derzeit ein Fertigstellungstermin noch nicht genannt werden kann.

Hilfeleistungslöschboot „HECHT“

Die europaweite Ausschreibung im Herbst erfolgte über die OFD Frankfurt am Main und endete mit dem Ergebnis, dass der Auftrag in Höhe von rund 1,2 Mio. EUR andie einzige hessische Schiffswerft „Fa. Neckar-Bootsbau“ in Neckarsteinachvergeben wurde.

Das Boot soll im betriebsfertigen Zustand, einschließlich der 3-köpfigen Besatzung und einer Löschstaffel in der Stärke 1/5, (6 Feuerwehrangehörige) eine Geschwindigkeit von mindestens 40 km/h sicher erreichen und eine Wasserverdrängung von ca. 22 t nicht überschreiten. Es muss alle Anforderungen auch für den Einsatz im Explosionsbereich ermöglichen und innerhalb von 35 Minuten jeden Punkt des Einsatzbereiches erreichen.

Allgemeine Technische Daten

  • Länge über alles: 14,99 m
  • Breite über alles: 5,00 m
  • Höchster Festpunkt über Wasserlinie: ca. 4,50 m
  • Tiefgang im betriebsfertigen Zustand: ca. 0,80 m
  • Wasserverdrängung: ca. 22,00 m³
  • Geschwindigkeit mind. 40 km/h
  • Schiffstechnische Besatzung: Bootsführer, Bootsmann, Decksmann
  • Feuerwehrtechnische Besatzung: Staffel 1/5

Einsatzzweck und –aufgaben

Menschenrettung

  • Rettung von Menschen bei Schiffsunfällen und –bränden
  • Personensuche
  • Rettung von Menschen aus dem Wasser
  • Unterstützung des Rettungsdienstes

Brandbekämpfung

  • Brandbekämpfung bei Schiffsbränden im Außen- und Innenangriff
  • Wasserversorgung bei einer Brandbekämpfung im Hafenbereich oder im ufernahen Bereich

Hilfeleistungen

  • Hilfeleistung beim Austritt gefährlicher Stoffe
  • Niederschlagung von Gefahrstoffwolken
  • Lenzeinsätze
  • Transport und Bereitstellung besonderer Einsatzmittel
  • Ausleuchtung von Einsatzstellen
  • Bereitstellung elektrischer Energie
  • Arbeitsplattform

Das Hilfeleistungslöschboot wird am 30. April 2011 im Hafen Gernsheim auf demNamen „Hecht“ getauft. Auf Grund der Taufe wird es am 1. Mai ein Hafenfest rundum die Hafenspitze in Gernsheim geben.

[Links]Feuerwehr Gernsheim, Faltblatt „HLB HECHT“ (pdf)

[maps]Gernsheim

Quellen & Bilder:

  • BOAR Rainer Lauterbacher (Projektverantwortlicher des Landes Hessen)
  • Feuerwehr Gernsheim

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