Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

 

(sc). Angeregt durch die Diskussionen auf feuerwehr.de, verschiedene Beiträge auf feuerwehrleben.de und nicht zuletzt durch Publikationen über die Zukunft der Freiwilligen Feuerwehr vor dem Hintergrund des demographischen, sozialen, kulturelleren und ökonomischem Wandels, habe ich mir ein paar Gedanken über die Weiterentwicklung oder Neudefinition der Freiwilligen Feuerwehr gemacht.

Die meisten Diskussionen kreisen immer um den Aspekt „Aufrechterhaltung der Leistungsfähigkeit“ und dem Festhalten am Status quo. Diese Leistungsfähigkeit orientiert sich dabei an den Standards, die sich bis zur Jahrtausendwende etabliert haben. Aber warum müssen diese Standards auch in naher Zukunft gelten? Muss jeder Feuerwehrmann ein Atemschutzgeräteträger sein? Muss denn jeder Feuerwehrmann sowohl Feuerausmachen wie Unfallrettung können? Ist der seit Jahrzehnten propagierte Universalfeuerwehrmann in der freiwilligen Feuerwehr überhaupt zukunftsfähig? Benötigt jede Gemeinde ab 5.000 Einwohnern ein HLF 20?

Um ein System oder eine Organisation weiterzuentwickeln, muss man es hinterfragen und nach Alternativen suchen. Ein Ansatz widmet sich der Substitution von freiwilliger durch hauptamtliche Feuerwehr, andere Vorschläge fordern eine Anpassung der Schutzzieldefinition und Auslagerung von bisherigen Aufgaben der kommunalen Feuerwehr. Es geht bei diesen Diskussionen jedoch immer um den Status quo – das Festhalten an dem, was wir bis zum heutigen Tag erreicht haben. Ich will nun einen anderen Ansatz diskutieren, der allerdings nur punktuell und keinesfalls auf die ganze Republik übertragbar ist.

Wenn viele freiwillige Feuerwehren nicht mehr in der Lage sind ihre gesetzlichen Aufgaben oder die Anforderungen diverser Dienstvorschriften zu erfüllen, dann stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung und den entstehenden Kosten. Auflösung von Feuerwehren ist kein Allheilmittel, das vorweg, aber man muss über eine strategische Weiterentwicklung der freiwilligen Feuerwehr nachdenken, dies umso mehr, vor dem Hintergrund der Zunahme wetterbedingter Extremereignisse und der (Terrorisierung der Bürger durch) Terrorwarnungen.

Mein Vorschlag ist deshalb, die freiwillige Feuerwehr mehr zu einer reinen Katastrophenschutz- und Logistik- bzw- Unterstützungseinheit umzubauen, die sich nicht lokal, sondern regional im Sinne taktischer Verbände organisieren. Die klassischen Feuerwehraufgaben wie Brandbekämpfung und technische Hilfeleistung nehmen entweder personell verstärkte hauptberufliche Feuerwachen oder spezialisierte und schlagkräftige freiwillige (Stützpunkt-)Feuerwehren wahr.

Mein Vorschlag gewinnt auch aus einer anderen Perspektive Legitimation: Wenn ich eine freiwillige Feuerwehr in allen Bereichen des Feuerwehrdaseins ausbilde, dann muss ich diesen freiwilligen Feuerwehrmann auch einsetzen, damit er Erfahrung gewinnt. In der Praxis geschieht das gerade nicht – aus verschiedensten Gründen. Die Motivation zu jedem BMA oder unklarer Rauchentwicklung gerufen, dann aber wieder abbestellt zu werden sinkt mit jeder Alarmierung. Wenn ich ausbilde, diese Wissen jedoch nicht einsetze, dann sind die in die Ausbildung investierten Ressourcen schlichtweg vergeudet. Die Berliner Feuerwehr löst diesen Gegensatz dadurch, dass wenig beanspruchte freiwillige Feuerwehren Dienst auf Berufsfeuerwehrwachen schieben und dort dann gerade nicht als Schlauchträger fungieren.

Die Vorteile meiner Vorschläge liegen auf der Hand: Es gibt weniger Themen für die Ausbildung (der Einheit), die verbliebenen Bereiche erfahren aber eine intensivere Betrachtung und Beübung. Das führt in der Praxis dazu, dass die einzelnen Feuerwehrleute in ihrem Bereich ein mehr Wissen besitzen und routinierter sind. Es ergibt sich in Teilen auch eine Kosteneinsparung, weil jetzt nur noch das für die Aufgaben benötigte Gerät zu beschaffen, zu reparieren oder auszubilden ist – das durch zentrale Beschaffung natürlich einheitlich und kompatibel zueinander ist. Durch die Spezialisierung auf z.B. langfristige Ereignisse ergibt sich für die einzelnen Einheiten und den einzelnen Feuerwehrmann auch eine gewisse Planbarkeit, da das Ausrücken nicht mehr an die Schutzziele gebunden ist. Auch hier möchte ich ein Beispiel aus Berlin anführen. Es gibt freiwillige Feuerwehren die müssen nach 3 Minuten ausrücken können, andere haben 30 Minuten Vorlaufzeit – letztere sind dann die Wehren, die o.g. Wachschichten auf BF-Wachen durchführen, weil sie sonst vorrangig zu Großwetterlagen gerufen werden.

Mein Vorschlag ist aber auch Einschränkungen unterworfen, wie ich oben schon angedeutet habe. Die Spezialisierung erfordert die Verfügbarkeit von Einheiten, die nun die „klassischen“ Feuerwehraufgaben ausführen können. Eine Spezialisierung muss sich immer in ein ausgeklügeltes Gesamtkonzept einpassen lassen. Hier gibt es verschiedene Modelle, dies zu erreichen, von hauptberuflichen über Teilzeit- oder privatwirtschaftlich bezahlten Feuerwehrleuten. Außerdem muss es ein regionales oder sogar überregionales Konzept zur Bildung von kleinen Einheiten bis hin zu taktischen Verbänden geben. Was Feuerwehr A nicht mit an die Einsatzstelle bringt (egal ob Gerät oder Kompetenzen im Allgemeinen), müssen die Feuerwehren B und C im Renedvouzverfahren ergänzen.

Nachteile gibt es natürlich auch. So können sich die Eintreffzeiten der Feuerwehr durch längere Anfahrtswege verlängern. Ferner fehlen „auswärtigen“ Feuerwehrleuten eventuell wichtige Ortskentnisse bzw. der Draht zu den „Einheimischen“. Und noch etwas anderes sollte nicht unerwähnt bleiben: Der Reiz ein Feuerwehrmann zu werden, ginge verloren.

Meine Gedanken sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern orientieren sich an (im Ausland) vorhanden Strukturen. So ist z.B. die Bezirksfeuerwehr Großbasel (Milizfeuerwehr) der Stadt Basel (Schweiz) eine reine Unterstützungs- oder Ablösungskomponente für eine entsprechend starke Berufsfeuerwehr.

Ähnlich ist es in Dänemark organisiert. Stellt ein Dienstleister den Brandschutz, dann sind die kommunalen Kräfte, überwiegend Teilzeitfeuerwehrleute, mit entsprechendem zeitlichem Vorlauf auch in den Alarmplan eingebunden. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Literatur

  • Olaf Huth, Ole Hauptmann: Dänemark: Explosionskatastrophe in Kolding. In: Brandschutz. Nr. 3, 2005, S. 179-198.
  • Ulrich Cimolino, Andreas Bräutigam, Holger de Vries: Führung in Großschadenslagen: Taktische Verbände im Einsatz. Heidelberg 2010: ecomed.
  • Feuerwehr DK: Feuerwehr in Deutschland und Dänemark besucht am 2. Mai 2011 http://www.feuerwehr.dk/.
  • Stefan Cimander: Wieder dem Denkverbot. http://www.fwnetz.de/2010/05/15/wider-dem-denkverbot/
  • Stefan Cimander: Kein Ersatz für kommunale Versäumnisse. http://www.fwnetz.de/2009/11/27/kein-ersatz-fur-kommunale-versaumnisse/

Kommentare

10 Kommentare zu “Die Zukunft beginnt erst morgen” (davon )

  1. Christian Braun am 2. Mai 2011 14:32

    Hallo Stefan,
    Ich habe deinen Artikel eben mit Interesse durchgelesen und mich gleich im Anschluss dazu entschlossen hier anzumelden.
    Ich stehen deinen Vorschlägen allerdings in einigen Teilen kritisch gegenüber. Doch zuerst zu deinen Beispielen bei der Berliner Feuerwehr. Ich selber war dort ca. ein Jahr Mitglied/Gast einer Feuerwehr, die auf einer BF-Wache stationiert war. Für mich war das Konzept damals vollkommen neu, dass wir dort mehrere Dienste im Monat hatten, wo wir zu jedem Einsatz – noch vor der BF – rausgefahren sind. Dies hatte aber den von dir angesprochenen Vorteil: Trotzdem wir eigentlich nur eine Verstärkungseinheit für die BF darstellten, waren alle Mitglieder hoch motiviert und auf einen guten bis sehr guten Ausbildungstand! Dort hat man während eines Dienstes so viele verschiedene Einsatzszenarien abgearbeitet, wir andere freiwillige Feuerwehrleute im gesamten Jahr nicht zu leisten hatten. Meiner Meinung nach für Großstädte ein ausgezeichnetes Konzept!
    Doch die von dir angesprochenen Veränderungen sehen ich auf dem Land kritischer. Gerade die von dir angesprochene Entwicklung hin zu mehr hauptamtlichen Wachen bereitet mir hier sorgen. Selbstverständlich hast du Recht damit, dass nicht jedes Dorf mit 200 Einwohnern ein TSF braucht, wenn 2-3Km weiter eine Stützpunktfeuerwehr ist. Aber wo will man hier die Grenzen ziehen? Beispielsweise eine Gemeinde mit 5000 EW: Dort immer eine hauptamtliche Wache? Bei einer Fläche von 150km^2 wird das a.) teuer und b.) ziemlich lange Anfahrtswege. Magst du dich hier vielleicht noch einmal ein bisschen konkretisieren was du hier meinst?
    Außerdem dürfte die Motivation eine entscheidene Rolle spielen. Wenn ich im Feuerwehr Forum lese, dass viele aus der Feuerwehr austreten wollen da ihr Standort mit einer Wache in 2 km Entfernung zusammengelegt werden soll und ihnen dieser Weg bereits zu lang erscheint, sehe ich doch ziemlich schwarz für die Einsatzbereitschaft in deinem vorgeschlagenen Szenario.
    Aber fest steht: Wir müssen unsere Konzepte überdenken. Und hierbei dürfen wir nicht den Fehler machen von Anfang an bestimmte Richtungen auszuschlagen, da diese uns Magenschmerzen bereiten oder zu abwegig erscheinen. Denn was am Ende dabei herauskommen mag, kann heute wohl noch niemand mit Bestimmtheit sagen.
    Grüße.

  2. pmew am 2. Mai 2011 15:18

    Das große Problem der deutschen Feuerwehren ist eine fehlende zentrale Steuerung. Viele Bereiche könnten so besser und kostensparender organisiert werden: Verteilung der Technik, Ausbildung, zentrale Beschaffung, Spezialisierung einzelner Wehren etc.
     
    In meinem Landkreis gibt es beispielsweise zwei nur wenige Kilometer auseinanderliegende Stützpunktwehren, die jeweils komplett mit Fahrzeugen ausgestattet sind (DLK, TLW, RW, etc.). Bei einer zentralen Verwaltung könnte jede der Wehren eine Spezialaufgabe erhalten und schon könnte man ohne Probleme 2-3 Großfahrzeuge einsparen.
     
    Es ist einfach unsinnig, dass (fast) jede Gemeinde unabhängig plant und handelt.

  3. Michael Ochs am 2. Mai 2011 16:49

    Hey,
    klasse Artikel! Nur auf dem Land wahrscheinlich echt schwierig umzusetzen… Doch auch ich vertrete die Meinung: Warum in jedem kleinen Ort ein TSF oder TSF-W? Oftmals sind das einfach verdammt teure „Wettkampffahrzeuge“. Würden wir vielerorts die Kernstadtwehren bestehen lassen, in Technik und Ausbildung aufrüsten und hier eine Allroundkompetenz bilden, die kleineren Ortswehren zusammenlegen und spezialisieren (Höhenrettung, Hochwasser, IuK, Logistik etc.) So würde eine trotzdem „hohe“ Einsatzzahl und damit auch eine Motivation folgen (denn die Kameraden würden nicht mehr nur alarmiert wenn im eigenen Bereich was los ist, sondern auch in andere Bereiche fahren und dort IHRE Kernkompetenz sinnvoll einbringen). Einige ewig Gestrige würden sicherlich austreten, einige würden streiken, doch sind dies Modelle die wir in Zukunft ins Auge fassen sollten/gar müssen – Konzepte gibt es viele, doch wenn wir soweit sind in Zukunft flächendeckend externe Dienstleister oder hauptamtliche einsetzen zu müssen, wird es erst richtig teuer.  
    Doch alles Wunschdenken solange unsere großen Sorgen sind wer dieses Jahr den Stadtpokal gewinnt und wer bei den Kreiseimerspielen am besten abschließt… solange ist die Konkurrenz untereinander größer wie das Zusammengehörigkeitsgefühl und der Wille etwas zu bewegen

  4. Solgull am 2. Mai 2011 19:32

    Ich denke der typische Freiwillige Universalfeuerwehrmann ist ein Auslaufmodell. Der Zeitaufwand um in den einzelnen Bereichen ausreichend trainiert auf dem Stand zu Technik zu bleiben steigt schon seit einigen Jahren.
    Gleichzeitig steigt die Anzahl der Spezialaufgaben pro Feuerwehr.
    Nun muss man sich die Frage stellen wie man die knappe Ausbildungszeit am effizientesten nutzt. Zum einen ist sicherlich die Reduzierung der Spezialaufgaben eine Möglichkeit. Dadurch steht dann anderen Bereich mehr Zeit zur Verfügung. Gleichzeitig stellt sich dann aber die Frage wer diese Aufgaben übernimmt und welche Ausbildung dort reduziert werden kann. Oder ob dann zumindest teilweise, auch auf dem Land eine größere Berufsfeuerwehr notwendig ist, um Spezialaufgaben zu erfüllen.
    Im ersten Schritt wird es aber wohl innerhalb der Feuerwehren zu einer stärkeren Spezialisierung kommen müssen. Zum Teil wird dies ja schon durch geführt, zum Beispiel bei I&K-Gruppen, die bevorzugt einen ELW besetzen. Aber auch die Grundtätigkeiten Brandbekämpfung und Technische Hilfeleistung werden davon in Zukunft betroffen sein.
    Dann kann zwar jeder Feuerwehrmann noch Grundtätigkeiten in den Bereichen ausführen, aber die richtige Einsatzabarbeitung wird durch extra ausgebildete Feuerwehrmänner druchgeführt. Je nach Einsatzart hole ich mir dann zuerst die extra ausgebildeten Einsatzkräfte und fülle erst später mit solchen auf die nur Grundtätigkeiten ausführen können. Hier muss ich natürlich aufpassen, dass ich dennoch jeden Feuerwehrmann ausreichend motiviere.
    Muss jeder Feuerwehrmann dann noch Atemschutzgeräteträger sein? Nein, ich muss nur sicherstellen, dass ich ausreichend Atemschutzgeräteträger habe und den Feuerwehrmann der dies nicht ausführen will anderweitig spezialisieren. Körperlich fit muss er aber trotzdem sein, denn fast alle Aufgaben bei der Feuerwehr erfordern dies nunmal und die wenigen Aufgaben, die für die nicht so fitten bleiben, sind schon durch erfahrene ältere Einsatzkräfte besetzt.

  5. pmew am 3. Mai 2011 10:33

    @Solgull: Ich glaube nicht, dass sich in den Kernbereichen der Feuerwehr (Brandbekämpfung & technische Hilfe) eine Spezialisierung der Kräfte Sinn macht. Schon heute haben viele Feuerwehren Probleme tagsüber eine Gruppe zusammen zu bekommen. Und was macht man wenn es brennt und von der Gruppe zufällig nur einer AGT ist?
     
    Bei IuK, Wasserversorgung, Beleuchtung, Hochwasser und einigen anderen Bereichen macht das Sinn, aber nicht im Tagesgeschäft. Würde man eine Spezialisierung auf die zuletzt genannten Gebiete konsequent durchführen, könnte man die Motivation und Schlagkraft von „kleineren“ Feuerwehren erhöhen und Kosten sparen, wenn gleichzeitig die Gemeinden enger kooperieren würden.

  6. Solgull am 3. Mai 2011 14:16

    Eine Feuerwehr die tagsüber keine Gruppe zusammen bekommt muss ich aus meiner AAO streichen. Die Aufgabe muss dann eben eine andere Feuerwehr mit übernehmen oder alternativ muss ich tagsüber mit Hauptamtlichen Kräfte aufstocken. Alles andere ist nur Betrug am Kunden/Bürger.
    Für kleinere Gemeinden kann das in letzter Konsequenz heißen, dass ich mir Feuerwehr A für TH und Feuerwehr B für Brandbekämpfungen einkaufe. Führt natürlich zu längeren Anfahrtszeiten – letztendlich kann ich aber dann auch davon ausgehen, dass zu diesem (späteren) Zeitpunkt richtig ausgebildete Feuerwehrmänner vor Ort sind.
    Falls ich über Tag gerade noch eine Gruppe zusammen bekomme, dann spezialisiert man sich eben auf Brandbekämpfung und lehrt/lernt für TH nur Grundtätigkeiten – Zum Beispiel Stabilisierung von Lagen. Damit überbrückt man dann die Zeit bis zum Eintreffen einer entsprechend ausgebildeten und ausgerüsteten Feuerwehr.

  7. Christoph Blaschke am 4. Mai 2011 11:42

    Ich bin auch der Meinung, dass das „Tagesgeschäft“ (Brandbekämpfung und einfache TH) zur Grundausbildung jedes FA gehören sollte. Allerdings muss ein FA einer TSF Feuerwehr nicht wirklich auf einen extra TH Lehrgang. So ist auf jeden Fall gewährleistet, dass die Hilfeleistungspflichten bzw. -zeiten eingehalten werden können und eine „Erstversorgung“ geschaffen ist, bis die schlagkräftige Truppe eintrifft. Hierdurch wird weiterhin sichergestellt, dass auch kleinere Wehren sich nicht ausgegrenzt fühlen, da sie nun nur noch in ihrem Spezialgebiet tätig werden. Die Spezialisierung erfolgt dann zusätzlich und hat den großen psychologischen Vorteil, dass sich Angehörige dieser Spezialgruppen auf ihrem Gebiet wichtig fühlen (Motivation +1!). Aus der Streichung dieser Wehren, mit dem Gedanken, dass die ehemaligen Angehörigen dann bei der „Kernstadtwehr“ mitfahren, erzeuge ich allerdings das Gegenteil (Motivation -5!), da nun der immer noch verbreitete Bezug zum eigenen Kirchturm fehlt. Ein weiteres Problem, welches noch hinzukommt ist, dass ich davon ausgehen muss, dass ich in der „Kernstadtwehr“ nur supermotivierte Leute habe, die top ausgebildet sein wollen und kein Problem damit haben, dass die Einsatzhäufigkeit steigt! Das ist vielerorts aber nicht der Fall. Auf jeden Fall müssen und werden sich Änderungen ereignen. Allerdings müssen auch Punkte wie Ausbildungsmotivation, Führungsstruktur, geographische Gegebenheiten und Personalstärke mit in die Überlegungen einbezogen werden. Bezogen auf meinen eigenen Standort werden Schließungen von kleinen Wehren damit (zur Zeit) unmöglich. Wie Stephan schon schrieb, sein Ansatz kann nicht allgemeingültig sein und stellt auch gar nicht den Anspruch daran. Im Laufe der zeit muss sich jede Stadt/Gemeinde ihre eigenen Gedanken zu einer Neustrukturierung machen müssen. Leider werden es dann wieder Leute durchführen die überhaupt keine Ahnung haben…..

  8. Stefan Cimander am 4. Mai 2011 12:25

    Mich hat ein Kommentar erreicht, dessen Schreiber anonym bleiben will. Er schreibt folgendes:

    ————————–

    Hallo Stefan

    erst einmal Glückwunsch zu deinen Artikel wirklich sehr interessante Gedankengänge.

    Zuerst zu meiner Person. Ich bin Kommandant einer kleinen TSF Feuerwehr in Bayern. Dieses Amt habe ich seit 3 Jahren inne obwohl ich erst Mitte 20 bin.
    Die Wehr selber besteht aus 32 Aktiven, die ca. fünf bis acht Einsätze pro Jahr fahren. Ca. fünf dieser Kameraden, kann man als Karteileichen bezeichnen. Weiter zehn sind starrsinnige Feuerwehrmänner die, wenn es denn mal brennt, den Brand statt zu löschen in das nächste Dorf spülen wollen. Auch bilden diese den Großteil der Vorstandschaft, weswegen für sie der Verein an erster Stelle kommt. Der Rest versteht manche Ansätze und versucht wo es nur geht an Ausbildungen teilzunehmen. Auf diesen Fakten begründet sich meine Meinung.

    Ich muss sagen das du in etlichen Punkten vollkommen recht hast, in anderen kann ich dir aber (aus meiner Sicht) nicht zustimmen.

    Zuerst möchte ich zum Punkt Spezialisierung von freiwilligen Feuerwehren Stellung nehmen. Über die Vorteile brauchen wir uns nicht unterhalten, diese überwiegen meiner Meinung auch. Was aber hätten Feuehrwehren wie die unsere an Nachteilen, wenn sie nur noch spezielle Aufgaben zu bewältigen haben? Klar würde sich die Anzahl der Einsätze erhöhen und damit auch die Motivation der Mannschaft. Aus wem besteht aber dann noch die Mannschaft? Meiner Meinung nach wären die Karteileichen immer noch da aber ohne Ausbildung also nicht einsetzbar. Die starrsinnigen würden sich noch mehr auf den Verein konzentrieren und wahrscheinlich anfangen gegen die Aktive Mannschaft zu arbeiten (Ist schon vorgekommen, deswegen trat auch mein Vorgänger zurück). Die jungen und motivierten würden es vielleicht begrüßen und die Ausbildung absolvieren. Sie allein könnten aber die Anzahl der Einsätze alleine nicht meistern. Hauptsächlich wegen den Arbeitgebern, die mit zwei bis drei Einsätzen pro Jahr schon ein Problem haben. Aus diesen Gründen versuche ich momentan die motivierten weiter auszubilden und mit Ihnen Konzepte über die Zukunft zu erarbeiten. Die Starrsinnigen versuche ich eventuell doch etwas in die richtige Richtung zu bringen auch wenn es sehr schwer ist. Die Karteileichen werden, wenn sie auf Einsätzen auftauchen für kleine Arbeiten eingeteilt und danach deren Meckern ertragen :-).

    Zum Thema hauptamtliche bzw. Stützpunk- Feuerwehren. Dies wäre wohl in unserer Gegend, nicht machbar. Allein die benötigte Anzahl um die gesetzliche Hilfsfrist einzuhalten wäre finanziell nicht zu stemmen. Stützpunkt Feuerwehren haben mit den gleichen Problemen wie die kleinen zu kämpfen (teilweise nur Fensterplätze besetzt). Weiterhin kommt das von dir schon beschriebene Thema Ortskenntnis hinzu. In wessen Garten war noch mal der Hydrant? Was also tun um die gesetzlichen wie auch die selbst gestellten Aufgaben (sollten zumindest vorhanden sein) zu erfüllen? Wir haben uns ein Beispiel am Nachbarlandkreis genommen. Dort hat jede TSF Feuerwehr die Pflicht, PA und CSA Träger auszubilden. Dies geschieht hauptsächlich um Stützpunkt-Feuerwehren, die Gerätschaften mitbringen, zu unterstützen. Folgende Vorteile ergeben sich daraus. Die Einsätze nehmen zu, hauptsächlich werden nur ausgebildete Kräfte eingesetzt, was andere zur Ausbildung motiviert und der Vorteil der Ortskenntnis ginge nicht verloren. Weiterhin ist die Gemeinde zufrieden, da zwar eine Spezialisierung stattfindet ohne das Ausrüstung beschafft werden muss. Dies ist ein nicht zu verachtender Punkt, da schon ein Bedarf von 2000 Euro pro Jahr erhebliche Diskussionen seitens der Gemeinde nach sich zieht.

    Wie kann also ein stimmiges Konzept in solchen Gegenden aussehen?
    Ich denke sogenannte Unterstützungsgruppen sollten vermehrt gebildet werden, sei es im Thema Atemschutz, THL, CSA, Absturzsicherung. Das einzelne Feuerwehrmänner und -frauen diese Ausbildung nicht absolvieren können, ist vollkommen klar. Deswegen bin ich der Meinung, das sich einzelne Wehren mit der motivierten Mannschaft Gebiete suchen sollten auf die sie sich neben den Grundtätigkeiten spezialisieren. Auch das bilden von Gemeinde Wehren sollte diskutiert werden. Damit ist nicht das schließen bzw. zusammenlegen einzelner Standorte gemeint, sondern das beschaffen unterschiedlicher Fahrzeuge nach örtlicher Gegebenheit. Was bringen 3 TSF verteilt auf 8 qkm? Warum stellt man die einzelnen Feuerwehren nicht anders auf? Feuerwehr A PA und Wasser, Feuerwehr B THL und Feuerwehr C Versorgung und Führung. Somit wären mehrere Bereiche abgedeckt, jede Wehr könnte Ihren Grundtätigkeiten nachgehen, behielte die örtliche Zuständigkeit, hätte ein „Spezialgebiet“, könnte Stützpunkt-Feuerwehren überörtlich unterstützen und könnte die wenigen motivierten sinnvoll ausbilden und einsetzen.
    Wir sollten uns alle vor Augen führen, wie wir am besten unsere Arbeit erledigen können und nicht wie unsere Feuerwehr besser da steht, wie die Feuerwehr 2 km weiter.

    Dies ist nur meine Meinung und nicht die meiner Feuerwehr.

  9. ChristianF am 5. Mai 2011 22:31

    Das ganze ist ein schwieriges Thema und es ist darauf zu achten, dass durch die Spezielisierung nicht genau das Gegenteil von dem passiert, was eigentlich geplant war…
    Was ich ehrlich gesagt nicht leiden kann, dass sind die Aussagen, die (auch hier) immer wieder getroffen werden, was denn eine „TSF-Wehr“ wissen darf und was nicht.
    I.d.R. von Leuten getroffen, die noch nie mit einem TSF gearbeitet haben…
    Ich hatte zu diesem Thema schon vor ziemlich genau zwei Jahren etwas geschrieben….
    Kleine Feuerwehren up to date
     

  10. Christoph Blaschke am 8. Mai 2011 18:18

    Wissen darf eine „TSF-Wehr“ natürlich alles. Keiner sollte in der Freiheit eingeschränkt werden zu Wissen was er möchte. Je nach Aufgabe würde ich auch lieber mit einem Zug bestehend aus TSFs ausrücken als mit einem Drehleiterzug. Es geht glaub ich eher darum was Sinn macht und was nicht. In Kombination mit der Erfahrung, dass viele Leute auf Lehrgänge gehen, um ihre Karriere vorranzutreiben. Es ging ja auch hier, so wie ich es verstanden habe, auch nur um die „Grundkonzeptionierung“ im Bezug auf Aufgabenverteilung, Ausstattung und Ausbildung. Jeder FA der möchte, kann sich natürlich weiterbilden. In TH Lagen haben es die Wehren mit einem TSF in der Regel oftmals sogar schwieriger, als die „Großen“, da sie i.d.R. keinen Rettungssatz haben und dadurch viel mehr Erfindungsreichtum benötigen. Deshalb werfe ich einfach mal den Gedanken in den Raum, neben der grundsätzlichen TH auch evtl. mal „TH- Vorrausmaßnahmen“ ins Ausbildungsprogramm mit aufzunehmen um einfach mal aufzuzeigen, was ich mit einem TSF alles anstellen kann. Das ist meiner Erfahrung nach viel. Allerdings gibt es auch viele Wehren, die sich selbst aufgrund der Größe des Fahrzeugs unterschätzen. Dies im Bezug auf ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten. Dazu kommt noch die Unterdrückung durch einige „Große“. Aber wie gesagt, es geht wohl eher um eine Grundkonzeptionierung und der Begriff „TSF-Wehr“ soll nicht als Abwertung gemeint sein, sondern eher zur Größendefinition benutzt werden. Vielleicht politisch nicht wirklich korrekt, aber für jedermann verständlich.

Bottom