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Frei übersetzt von Jan Südmersen, Original von Brian Bush, Colorado)

Zufällig stieß ich auf dieses dieses Foto von Glenn Duda (www.allhandsworking.com) – und es haute mich um.

Feuerwehrmann mit Kind auf Arm. Foto: Glenn Duda

Foto: Glenn Duda

Bis dahin habe ich mich im Wachalltag über alle möglichen Kleinigkeiten beschwert und das nächste „richtige“ Feuer herbeigesehnt. Ich hatte auch keine Lust mehr auf das ganze Üben und Trainieren ohne es jemals so richtig anzuwenden können.

Was bin ich doch für ein Idiot!

Ich bin ziemlich sicher, dass der Kollege alles in der Welt geben würde, um den Einsatz mit dem leblosen Kind gegen eine „langweilige“ Powerpoint-Fortbildung tauschen zu können.

Mal aus der Sicht eines Vaters gesehen kann und will ich mir nicht vorstellen, dass es da draußen wirklich Leute gibt, die so abgefahren sind, dass sie sich und/oder ihr Können an meiner von Feuer und Rauch bedrohten Familie beweisen wollen.

Ich habe anscheinend komplett das Ziel, den Sinn meiner Aufgabe vergessen. Es geht hier nicht darum, mir oder anderen etwas zu beweisen. Das einzige was ich beweisen muss, ist dass ich nicht das Leiden oder den Tod von anderen brauche, um mich zu motivieren. Das einzige was mich wirklich fordert, ist, dass die ganzen Befindlichkeiten, die Bürokratie und die Alltagsroutine mich davon abhalten, meinen wahren Auftrag im Auge zu behalten.

Ich bete dafür, dass keine Familie und kein Kollege jemals in die auf diesem Bild dargestellte tragische und traurige Situation kommen. Aber zugleich muss ich erkennen, dass in meinem Job dieses schon beim nächsten Einsatz eintreten kann. Wegen der besonderen Schwere des Ersten und dem Potential des Zweiten muss ich – müssen wir – alles tun, um mental und physisch möglichst gut auf den Ernstfall vorbereitet zu sein.

Es gibt nur wohl eine Sache, die noch schlimmer ist, als ein lebloses Kind aus dem Haus an seinen Eltern vorbei zum RTW zu bringen: Der Gedanke, dass ich nicht gut genug war, dass das Kind und seine Eltern das Pech hatten, sich auf mich verlassen zu müssen. Dieser Gedanke wäre ein gefühlter Schlag ins Gesicht und würde uns sicher aufrütteln. Aber leider kommt man „darüber hinweg“. Es ist nur ein paar Jahre her, als einer unserer Leute den Körper eines Siebenjährigen aus einem brennenden Haus holte und vorbei an seinen Eltern zu meinem RTW brachte. Die bohrende Frage: „Waren wir vielleicht nicht gut genug?“ habe ich mir damals gestellt – und bin „drüber hinweg gekommen“. Und vielleicht war gerade die Ähnlichkeit mit der Szene auf dem Foto der Grund warum das Bild mich jetzt so von den Füßen gehauen hat.

Ich bin fest davon überzeugt, gut und professionell in dem zu sein was ich tue, ein guter Feuerwehrmann zu sein und auf alle Fälle vorbereitet zu sein. Es brauchte aber nur ein Bild und eine Erinnerung, um das wieder in Frage zu stellen. Wie leicht habe ich die Bilder dieser Nacht und die Frage, die dahinter steht, vergessen.

“When a man becomes a fireman, his greatest act of bravery has been accomplished. What he does after that is all in the line of work.” Frei übersetzt: Wirklich mutig ist nur der Entschluss, Feuerwehrmann zu werden. Alles danach gehört zum Job.

Das Zitat kommt von Chief Edward Croker, Feuerwehr New York, der im Jahr 1918 verstorben ist. Sich dem Schutz des Mitbürgers zu verpflichten – haupt- oder ehrenamtlich- ist das wesentliche. Ab dem Zeitpunkt wird ein wirklich guter Feuerwehrmann nicht daran gemessen, wie viel Einsätze er hat, er ist daran zu messen, wie er die Zeit zwischen den Einsätzen verbringt. Ein guter Feuerwehrmann erfüllt motiviert und mit Hingabe seine Aufgabe, unabhängig von der Bezahlung und Einsatzzahlen. Gute Feuerwehrmänner bereiten sich im Sport- oder Unterrichtsraum und auf dem Übungsgelände vor, weil sie eben nicht auf den Realfall warten wollen.

Die Besten von uns sehen die Erfüllung ihrer Berufung in der bestmöglichsten Vorbereitung, wohlwissend, dass wir mehr gegen Gleichgültigkeit und gegen aufgeblasene Egos als gegen Feuer kämpfen.

Mit diesem Wissen muss ich jetzt einfach mal meinen Mund halten und eine Menge an Ausbildung und Arbeit nachholen, bevor ich mich wieder als “guter Feuerwehrmann” bezeichnen kann. Der Junge, den wir vor sieben Jahren verloren haben, hat bestimmt nicht daran gedacht, aber alles was seine Eltern von uns verlangt haben, war, dass wir, als sie uns am dringendsten gebraucht haben, auch am besten vorbereitet waren. Ein simples Verlangen von denjenigen, für die wir arbeiten, denen wir uns verpflichtet haben und somit eigentlich eine recht simple Zielvorgabe für uns.

Ich hoffe, dass hilft euch ein wenig. Für mich ist das Schreiben dieses Artikels ein bisschen Wiedergutmachung für meine unentschuldbare Haltung. Ich wünsche mir nur, dass ihr diese Zeilen an mich zurückschickt, wenn meine Motivation nachlässt und ich in alte Gewohnheiten zurückfalle.

Ich hoffe wirklich, ihr kommt nur nie in gleiche Lage wie der Kollege auf dem Bild. Ich hoffe, ich komme nie in diese Lage, aber es kann nun mal jeden Tag vorkommen. Wir sollten uns darum streng daran halten, was wir wissen und können müssen und gegenseitig auf uns aufpassen, dass wir dieses auch tun. Wir müssen vorbereitet sein, denn nur wenn wir wirklich gut, die „Besten“, sind haben „Sie“ auch eine Chance!

Kommentare

2 Kommentare zu “Allzeit bereit: Wir sind ihre größte und einzige Chance!” (davon )

  1. Toemmel am 3. Mai 2011 09:53

    Extrem lesenswert. Danke für’s Übersetzen.

  2. bigthoom am 3. Mai 2011 13:29

    Sehr schöner Artikel.
    Wir sollten uns aber auch vor Augen führen, dass wir, sogerne wir es möchten, nicht jeden Retten können. Wenn wir auf der Bildfläche erscheinen ist das Unglück schon passiert. Wir versuchen nur mit allen Mitteln dagegen zu kämpfen. – Manchmal auch vergeblich!

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