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(sc). In den Medien ist derzeit turnusgemäß wieder die Rede von massivem Mitgliederschwund bei den freiwilligen Feuerwehren. Dem begegnen einige Feuerwehren mit Werbeaktionen. Zielgruppe sind dabei meistens Kinder und Jugendliche, denn über dem Umweg Jugendfeuerwehr hofft man, diese in der Feuerwehr halten zu können. Ich habe mich nun gefragt, warum man sich in diesen Werbeaktionen derart auf Jugendliche oder junge Erwachsene konzentriert. Die Konkurrenz, die die Feuerwehr in dieser Altersgruppe hat, ist nämlich groß. Neben Sport- und Turnvereinen buhlen auch andere Organisationen aus dem Blaulichtbereich um die jungen Leute.

Ist es angebracht, die Werbemaßnahmen nur auf junge Leute zu konzentrieren? Der Deutsche Feuerwehrverband (DFV) will den Mitgliederrückgangs bei den Feuerwehren durch die Anwerbung von Migranten ausgleichen, analog der Förderung der „Frauenquote“ seit rund zehn Jahren. Das ist sicherlich eine richtige Maßnahme, auch zur Förderung des wechselseitigen kulturellen Verständnisses und der Integration, aber auch die Gruppe der jungen Migranten hat die Wahl, welcher Organisation sie beitreten will. Es ist nämlich keineswegs so, dass es viel mehr junge Migranten als junge Deutsche gäbe. Auch um diese Gruppe muss man kämpfen.

Wir erleben derzeit einen Rückgang der jungen Bevölkerung. Das heißt aber auch, dass die Zahl der erwerbstätigen Bevölkerung für einige Jahre konstant bleibt, legt man diese Gruppe mit einem Alter von 18 bis 65 Jahren zugrunde. Warum richtet man seine Werbemaßnahmen nicht auf diese zahlenmäßig sehr große Gruppe aus? Sicherlich lassen sich hier Mitglieder gewinnen, zumal bei einigen die Planung hinsichtlich Familie und Beruf abgeschlossen ist.

Immer wieder kommt mir nämlich aber zu Ohren, dass freiwillige Feuerwehren Probleme mit Quereinsteigern haben. Alles was über 35 ist und zum ersten Mal im Leben zur freiwilligen Feuerwehr will, wird schief angeschaut – und oft abgelehnt. Einerseits mag das an der Feuerwehrgesetzen liegen, die in einigen Bundesländern ein Höchstalter für freiwillige Feuerwehrleute vorschreiben, andererseits existiert ein kulturelles Problem bei den Feuerwehren. Ich behaupte einmal, dass es in dieser Hinsicht analog dem Berufsleben ist: Haben Mitglieder ein höheres Eintrittsalter sehen Führungskräfte in ihnen eine Konkurrenz.

Auch das Thema medizinische Eignung möchte ich kurz thematisieren. Ich denke nicht, dass es in der Bevölkerungsgruppe jenseits der Altersgrenze von 35 Jahren mehr ungeeignete und unfitte Menschen gibt, als in der Gruppe unter 35 Jahren. Fitness lässt sich in der Gegenwart nicht mehr am Alter festmachen: Wir haben einerseits viele Alte die sehr fit sind, andererseits viele Junge, die aufgrund moderner Zivilisationskrankheiten nicht gerade als gesund oder fit zu bezeichnen sind. Weniger lern- und innovationsbereitschaft gibt es in dieser Gruppe über 35 Jahren nicht, wie Studien nachweisen konnten.

Was ich mit meinen Worten sagen will: Wir müssen uns nicht nur anderen Bevölkerungsmilieus öffnen, sondern auch anderen Altersgruppen. Die klassischen Feuerwehrkarrieren wird es vermutlich nicht mehr geben (40 Jahre), deshalb müssen wir uns fragen, ob wir einem älteren Neumitglied, dass vielleicht zehn oder 15 Jahre bei der Feuerwehr bleiben könnte, eine Chance geben, bevor wir gar keine neuen Mitglieder gewinnen. Denn auch bei einem 18jährigen ist es keineswegs sicher, dass er lange erhalten bleibt – eben weil die Lebensplanung noch nicht abgeschlossen ist. Ob diese Maßnahme die Mitgliederzahlen stabilisiert, ist nicht sicher, aber einen Versuch ist es wert. Dazu muss man aber, man verzeihe mir den Ausdruck, „den Arsch hochkriegen“ und Vorurteile abbauen. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

3 Kommentare zu “Gedanken über die Mitgliederwerbung” (davon )

  1. nibe am 22. Mai 2011 13:15

    Es gibt fünf Gründe, warum sich die Feuerwehr auf junge Mitglieder konzentrieren sollte:1. Diese Mitglieder verweilen ­viel viel länger in der Feuerwehr im Vergleich zu älteren Mitgliedern.
    2. Die Jugendarbeit seigert die Akzeptanz der Feuerwehr in der Bevölkerung!
    3. Die Jugendarbeit wird vor allem im ländlichen Bereich sehr sehr wichtig. Dort fehlen in Zukunft (vorausdenken ist gefragt!) viele Mitglieder und es gibt Sportvereine oftmals nur in der nächsten großen Stadt.
    4. Die Jugendfeuerwehr ist der perfekte Einstieg in die Feuerwehr allgemein. Ich erlebe es immer wieder, wie Jugendfeuerwehrleute die Lehrgänge wesentlich einfach absolvieren, als die Quereinsteiger ohne Jugendfeuerwehr Hintergrund.

    5. Ziehen junge Mitglieder immer Freunde aus Sportverein und Schule mit sich mit (kleiner Schneeballeffekt).Natürlich sollten auch ältere Mitglieder immer willkommen sein, ich habe aber noch nie erlebt, dass dies irgendwo (auch außerhalb der Feuerwehr) ein Problem sein sollte. Den Schwerpunkt auf die Jugendarbeit zu legen, aus den oben genannten Gründen, halte ich aber für äußert sinnvoll und vernünftig.

    Gruß nibe

  2. Magnus am 24. Mai 2011 13:39

    Hallo nibe,
     
    zu1.: ist das wirklich so, d. h. durch Zahlen nachweisbar? Wenn es so sein sollte: warum haben dann viele Feuerwehren, auch mit guter Jugendarbeit, Personalsorgen?
    zu 2.: Dafür ist in erster Linie die Öffentlichkeitsarbeit zuständig und nicht die Jugendarbeit
    zu 3.: niemand sagt, dass keine oder weniger Jugendarbeit  betrieben werden sollte.
    zu 4.: Das man sich mit einem gewissen Vorwissen leichter tut, ist unbestritten. Insbesondere der Grundlehrgang darf dieses aber nicht voraussetzten, sonst ist er meiner Meinung nach falsch konzeptioniert.
    zu 5.: Auch Erwachsene haben einen Freundes- und Bekanntenkreis…
     

  3. kay am 26. Mai 2011 16:46

    Meiner Meinung nach ist es durchaus angebracht, bei der Nachwuchswerbung nur überwiegend auf Kinder und Jugendliche abzuzielen.

    Warum? Die letzten Jahre haben bei uns gezeigt, dass der sprichwörtliche Zug für die Mitgliederwerbung meist schon mit 16, spätestens 17 Jahren abgefahren ist.

    Kinder sind von Natur aus neugierig, probieren alles mal aus – warum nicht auch die Feuerwehr? Irgendwann legt sich das Kind/der Jugendliche dann mal auf ein oder zwei Dinge fest. Und wenn das dann die Feuerwehr ist und ein oder andere von der Jugendfeuerwehr über die Einsatz- bis hin zur Alters-/Ehrenabteilung bis zu seinem Lebensende dabei bleibt, umso besser!

    Mit 16, 17 Jahren wird das dann schon deutlich schwieriger. Das andere Geschlecht lockt, der Schulabschluss steht an, im Anschluss dann die Ausbildung oder das Studium, die erste eigene Wohnung. Wenig Zeit, ungewisse Zukunft – schlechte Vorgaben für eine Mitgliederwerbung. Noch dazu hat man ja bereits ein paar andere Hobbies, fühlt sich in der (Sport-) Mannschaft wohl…

    Später dann wird es für den Berufstätigen ja nicht einfacher. Stress im Job (und wer hat den denn heute nicht?), Überstunden für die Karriere oder auch nur dem Erhalt des Arbeitsplatzes, ggfs. (berufsbedingter) Umzug, Familiengründung… auch keine guten Voraussetzungen, die sich in den kommenden Jahren noch weiter steigern werden… Ehefrau/-mann und Kinder haben einen gewissen Anspruch auf einen, die Angst um den Arbeitsplatz ist allgegenwärtig, die freie. verfügbare Zeit ist auf ein Minimum beschränkt und wird dann lieber mit der Familie oder auf der Couch verbracht. Noch dazu lässt die Dynamik allmählich nach, man braucht mehr Ruhepausen als noch mit Anfang 20… frönt seinen seit Jahrzehnten liebgewonnenen Hobbies und denkt sich „Warum soll ich mich jetzt noch sozial engagieren, das ging bisher ja auch ganz gut ohne…“.

    Natürlich gibt es auch zu dieser Regel die ein oder andere Ausnahme. Und jeder Kamerad/jede Kameradin, die sich nach dem „Sesshaftwerden“ für einen Eintritt in die örtliche Feuerwehr entscheidet, sollte uns willkommen sein. Aber mal ganz ehrlich: Wie hoch ist der Prozentsatz? Leider erschreckend gering.

    Zumindest am Beispiel unserer Wehr kann ich festmachen: In den letzten 10 Jahren haben wir unsere Mitglieder wie folgt rekrutiert:
    Übernahmen aus der Jugendfeuerwehr: 12 (davon 3 nach kurzer Zeit wieder abgesprungen)
    Direkteinsteiger 17-25 Jahre: 5 (davon 1 Übernahme aus anderer Wehr, 2 „familiär vorbelastet“)
    Direkteinsteiger über 25 Jahre: 2 (davon 1 Übernahme aus anderer Wehr, der andere nach kurzer Zeit wegen Zeitmangel wieder abgesprungen)

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