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Am 3. Juni 1951 lief der erste Serien-Unimog bei Mercedes-Benz vom Band

Mercedes-Benz Unimog U 5000. (Foto: Daimler Global Media)

Mercedes-Benz Unimog U 5000. (Foto: Daimler Global Media)

(sc). Im Laufe der letzten Jahrzehnte sind viele nahmhafte Nutzfahrzeughersteller ebenso vom Markt und aus dem Bewusstsein verschwunden, wie auch verschiedene Fahrzeugbaureihen. Namen wir Borgward, Henschel oder Büssing sind heute allenfalls eingefleischten Liebhabern alter Fahrzeuge ein Begriff. Dieses Schicksal blieb einem wahren Nachkriegsklassiker der deutschen Nutzfahrzeugindustrie glücklicherweise erspart: Dem Unimog.

Schon kurze Zeit nach seiner Serienreife erblühte der Unimog zu einem modernen Klassiker. Der Markenname Unimog ist inzwischen ein generationenübergreifender Begriff und rangiert in seiner Assoziativkraft noch vor dem Namen des herstellenden Konzerns. Wir reden nämlich nie von einem Mercedes-Benz, sondern immer nur von einem Unimog. Der Begriff Unimog verselbstständigte sich, ähnlich wie der Begriff Tempo für Papiertaschentuch, zu Kennzeichnung einer ganzen Fahrzeugklasse. Dem Erfolg des Originals macht dies trotz Konkurrenz keinen Abbruch.

Unimog 25 PS (Baureihe 401/402), 1953. (Foto: Daimler Global Media)

Unimog 25 PS (Baureihe 401/402), 1953. (Foto: Daimler Global Media)

Unimog ist die Abkürzung für Universal-Motor-Gerät. Universal einsetzbar ist der Unimog durchaus, wie die verschiedensten Anwendungsbereiche zeigen. Ursprünglich für die Landwirtschaft entwickelt, mauserte sich der Unimog zu einem Standardfahrzeug für Kommunen, Militär und das Baugewerbe. Natürlich fand der Unimog auch seinen Weg – besser wäre wohl „seine Umwege“ – in die Feuerwehr.

Begonnen hat die Erfolgsgeschichte des Unimog, im Jahre 1944. Albert Friedrich, Leiter der Daimler-Benz-Flugmotorenkonstruktion, stellte erste Studien über die Schaffung eines geländegängigen Allzweckfahrzeuges für die Landwirtschaft an. Vor dem Hintergrund der Pläne des amerikanischen Finanzpolitikers Henry Morgenthau, das Deutsche Reich nach Kriegsende in mehrere Agrarstaaten aufzuteilen, schien die Überlegung Friedrichs logisch.

Anspruchslose, schlichte und universelle Einsetzbarkeit war die Grundidee des Fahrzeugs, die sich unter den Nachkriegsbedingungen, mit seinen Ressourcenmängeln und zerstörten Produktionsanlagen, umsetzen lassen musste. Der Unimog folgte deshalb der Gleichung: einfache Konstruktion bei hoher Leistungsfähigkeit. Charakteristisch für den Unimog ist bis heute der Aufbau auf einem Leiterrahmen mit einer Hilfsladefläche bzw. Aufbau, den Portalachsen sowie einem Verteilergetriebe und Allradantrieb.

Unimog-Fahrgestell aus dem Jahr 1949 mit Dieselmotor. (Foto: Daimler Global Media)

Unimog-Fahrgestell aus dem Jahr 1949 mit Dieselmotor. (Foto: Daimler Global Media)

Den ersten Prototypen fertigte die Gold- und Silberwarenfabrik Erhard & Söhne 1946 nach nur sieben Monaten Entwicklungszeit. Eine 500 Fahrzeuge umfassende Kleinserie stellte die Werkzeugmaschinenfabrik Boehringer zwei Jahre später her – deshalb gab es 2008 schon mal ein Unimog-Jubiläum. Schon 1950 übernahm Daimler-Benz die Produktion. Am 3. Juni 1951 verließ dann der erste Unimog der Baureihe 2010 das Produktionsband in Gaggenau. Der charakteristische Mercedes-Stern löste aber erst 1955 den stilisierten Ochsenkopf der Firma Boehringer ab.

Unimog-MTW U 402 von 1956. Foto: Unimog-Museum

Unimog-MTW U 402 von 1956. Foto: Unimog-Museum

Als Ackerschlepper fand der Unimog jedoch selten seinen Einsatz. Der eigentliche Erfolg stellte sich mit der Baureihe Unimog S 404 ein. Das bis 1980 produzierte Modell war der erfolgreichste Unimog überhaupt.

Die Bundeswehr war zunächst Hauptabnehmer des 404. Aufgrund der niedrigen Leistung der damaligen Dieselmotoren erhielt die Baureihe einen Benzinmotor – bis heute einmalig. Für das Militär lag der Wert des Unimog in seinen Fahreigenschaften. Im Gegensatz zum als Ackerschlepper konzipierten Unimog ist der Unimog S ein kleiner hochgeländegängiger Lastkraftwagen. Seine Geländegängigkeit übertrifft sogar die von Kettenfahrzeugen.

Der Unimog S auf schwierigem Gelände, 1955. (Foto: Daimler Global Media)

Der Unimog S auf schwierigem Gelände, 1955. (Foto: Daimler Global Media)

Für die kommunalen Feuerwehren spielte der Unimog zunächst keine Rolle. Oft waren die Unimogfahrzeuge Eigentum der Gemeinde oder eines Landwirts, die aber im Alarmfall im Zeughaus der Feuerwehr durchaus schnell mit einem „Feuerwehraufbau“ umgerüstet werden konnten. Mit etwas Phantasie lässt sich in den unimogtypischen Wechselaufbauten ein Vorläufer des Wechselladerkonzepts sehen. Die Idee eines Wechselaufbau-Unimog speziell für die Feuerwehr setzte sich nicht durch. Stattdessen wurde der Unimog Zugfahrzeug für den TSA.

Der erste Feuerwehr-Unimog, der eine ganze Löschgruppe transportierte.

Der erste Feuerwehr-Unimog, der eine ganze Löschgruppe transportierte.

Die Fahreigenschaften machten den Unimog für den Luftschutzhilfsdienst (LSHD) interessant. Das Bundesinnenministerium suchte ein leichtes, wendiges und geländegängiges Fahrzeug. Im Unimog S fand das Ministerium das ideale Fahrzeug. Bis 1964 bestellte man 1.752 Fahrzeuge vom Typ Unimog S als Serienfahrgestell für das TLF 8. Magirus und Metz fertigten die Aufbauten.

Mit der Neukonzeption des Katastrophenschutzes wurden die Unimog-TLF nicht mehr benötig. Der Bund gab die Fahrzeuge an die Kommunen ab. Die Unimog-TLF fanden auf diesem Weg Eingang in die kommunalen Feuerwehren. Das TLF 8 ist damit eigentlich ein „Kind des Luftschutzes“. Ab Mitte der siebziger Jahre musterte die Bundeswehr ihre erste Unimog-Generation aus. Nicht selten wanderten diese Fahrzeuge ebenfalls zur Feuerwehr, wo er als TLF in Gebrauch stand.

TLF 8/8 auf Unimog 404.1 von 1964.

TLF 8/8 auf Unimog 404.1 von 1964.

Dass kleine wendige TLF nicht nur unnutzes Gerät sind, zeigte sich nach der Waldbrandkatastrophe von Lüneburg 1975. Bis heute bilden Unimog-Fahrzeuge die Speerspitze bei der Waldbrandbekämpfung. Der Unimog fand aber nicht nur als TLF Verwendung bei Feuerwehren. Die Version mit langem Radstand wurde als Fahrgestell für ein TSF (W) bzw. LF 8 gewählt. Hauptsächlich waren und sind diese in bergigem oder unwegsamem Gelände zu finden.

Schwere Baureihe Unimog (SBU) U 1300, Feuerwehr, Waldbrandbekämpfung. (Foto: Daimler Global Media)

Schwere Baureihe Unimog (SBU) U 1300, Feuerwehr, Waldbrandbekämpfung. (Foto: Daimler Global Media)

LF 8-TS auf Unimog 404.1 der FF Häusern.

LF 8-TS auf Unimog 404.1 der FF Häusern.

Geeignet war der Unimog jedoch auch als Fahrgestell für den RW 1. Auch hier sprach die Geländegängigkeit für ihn. Im „Löschzug – Löschen und Retten“ des Katastrophenschutzes war der RW 1 oft als Unimog anzutreffen. Auch heute verwenden kleinere und mittlere Feuerwehren den Unimog als RW 1.

Der Unimog veränderte im Laufe der letzten 60 Jahre seine Aussehen und seine Variantenvielfalt nahm zu. Alle Ereignisse und Neuentwicklungen niederzuschreiben, würde diesen Rahmen hier sprengen. Heute gibt es den Unimog in drei Basistypen: Als leichte Baureihe U20, als mittelschwere Baureihe U300-500 und als schwere Baureihe U4000-5000.

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 20. Foto: Mercedes-Benz

Unimog U 400 / U 500 Feuerwehr. (Foto: Daimler Global Media)

Unimog U 400 / U 500 Feuerwehr. (Foto: Daimler Global Media)

Mercedes-Benz Unimog U 3000 - U 5000. (Foto: Daimler Global Media)

Mercedes-Benz Unimog U 3000 - U 5000 (Foto: Daimler Global Media)

Interessant ist vielleicht auch, dass der ein vom Unimog abgeleiteter Traktor der MB Trac ist, der Unimog also über einen Umweg doch seinen Weg in die Landwirtschaft fand. Ferner basiert der ATF Dingo, ein gepanzertes Militärfahrzeug, auf Basis des Unimog. (Autor: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Übrigens: Passend zum 60. Geburtstag des Unimog feiert das Unimog-Museum sein 5jähriges Bestehen am 5. Juni.

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Externe Links

Literatur

  • Dirk Biemer: Feuerwehr-Unimogs. Geschichte – Typen – Technik. Gebundene Ausgabe, 166 Seiten, 1. Auflage März 2007, Verlag Geramond.
  • Dirk Biemer: Der Unimog in der Feuerwehr: auf der ganzen Welt im Einsatz. Die Geschichte eines Erfolges. 2 Bd. Bremen 1992.
  • Peter Kupferschmidt: LSHD und Katastrophenschutz – ein Update, in: Brandschutz: Deutsche Feuerwehr-Zeitung, 58. Jg., 2004, Nr. 2,  S. 90 – 97.
  • Peter Kupferschmidt: Einsatzfahrzeuge im Luftschutzhilfsdienst 1953 bis 1968, Bd.1, Willich 2008.
  • Peter Kupferschmidt: Einsatzfahrzeuge im Luftschutzhilfsdienst 1953 bis 1968, Bd.2, Willich 2008.
  • Michael Hase: Einheitlich, aber leistungsstark: die LSHD-Fahrzeuge: Fahrzeugentwicklung im Brandschutzdienst, in Brandschutz: Deutsche Feuerwehr-Zeitung,  57. Jg., 2003,  Nr. 2,  S. 119 – 135
  • Andreas F. Schule: 55 Jahre Unimog  404 S, veröffentlicht am 10. Mai 2010 unter http://ticker.mercedes-benz-passion.com/allgemein/7801_unimog-s/ (zuletzt besucht am 25.05.2011)
  • Deppe Phillipp: Der Unimog: Alleskönner von Format, veröffentlicht am 3. September 2009 unter http://blog.mercedes-benz-passion.com/2009/09/der-unimog-alleskonner-von-format/ (zuletzt besucht am 25.05.2011).

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