Team | AGB | Impressum | Datenschutzbestimmungen | Kontakt | Bilder | Facebook | Twitter | Werben im FWnetz

In der Feuerwehrausbildung wird die Schubladen-Metapher recht gerne verwendet. Wer sie nicht kennt: mein Wissen ist in ganz vielen verschiedenen Schubladen gespeichert, und je mehr (gefüllte) ich davon habe, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich kniffelige Einsätze bewältigen kann. In anderen Worten: es geht auch um Optionen. Nicht alle Optionen sind zwingend sinnvoll, und aus meiner Sicht gibt es nur sehr wenige Dinge, die man pauschal verteufeln sollte.

Mit dieser mehr oder weniger aussagekräftigen Einleitung wollte ich eine Bilderstrecke vom letzten Jahr nachholen, als im Schwedischen Katrineholm ein nietnagelneuer Volvo mit Kettenzug auseinandergenommen wurde. Mir ist völlig klar, dass alleine das Wort „Kettenzugmethode“ bei einigen eine automatische allergische Reaktion auslösen dürfte. Mein Tipp: erstmal angucken, und zwar live am neuen, sicheren PKW, dann könnten wir gerne diskutieren.

Mit Hinblick auf die Aussage oben: es geht hier nicht um eine allmächtige, alleinige Lösung, sondern um eine Option mehr. Klar, ist sie nicht immer und überall anwendbar. Muss ja nicht sein.

Wer die Methode nicht kennt: von hinten wird eine Kette an beide C- bzw. D-Säulen angebracht (statische Kette). Von vorne geht man dann mit drei verschieden langen Ketten an: die kurze um die Lenksäule, die zweite um die Fahrer-A-Säule und die dritte um die Beifahrer-A-Säule. Man zieht, schaut sich an wo es „zieht“ und macht einen Entlastungsschnitt. Vorteil: es wird an drei Stellen gleichzeitig gezogen. Nachteil: Komplex, erfordert Platz, Erfahrung, und, und.

Soll sich jeder seine Meinung bilden. Ich finde, eine extra Option ist besser als gar keine. Bilderstrecke hier:


Created with flickr slideshow from softsea.

Update:

Hatte tatsächlich im Handy noch zwei Bilder mitsamt Ketten. Dem Zeitstempel nach liegen zwischen „Vorher“ und „Nachher“ viereinhalb Minuten. Klick auf Bild für größere Ansicht.

.

Am Heck eine Kette, um die D-Säulen gewickelt. Vorne eine Kette mit drei unterschiedlich langen Enden. Anlegen, ca 2 Minuten. Gesamter Zeitansatz von Anfang (= Ankunft, Erkunden) bis zur Befreiung: ca. 10 Minuten. Interessant noch der FA der standardmässig unter Vollschutz / PA den Brandschutz sicherstellt. Gegen Ende hilft er dann bei der Befreiung mit.

Kommentare

8 Kommentare zu “THL VU: Kettenzugmethode (Update)” (davon )

  1. j.a. am 3. Juni 2011 19:44

    Hallo,

    kannst Du auch Bilder vom Anschlagen und dem Auseinderziehen zeigen? Das würde ich höchst interessant finden.

    MfG Jan

  2. Cimolino am 3. Juni 2011 21:16

    Hallo,

    JEDE Variante muss sicher beherrscht werden.

    Jede Option ist deshalb nur dann sinnvoll, wenn diese auch notwendig ist bzw. einen echten Mehrnutzen bringt.

    Wieso sollte die Öffnung/Aufspreizung dieses Fahrzeugs nicht auch mit Hydraulikstempeln gehen?

    Die Kettenzugmethode verlangt:
    – 2 geeignete Zug-/Anschlagpunkte
    – diverse derselben am Fahrzeug (in welchem Zustand der Stabilität sind diese nach einem VU?)f
    – das geeignete Material (Das sind in dem Fall von Dir selbst beschrieben FÜNF geeignete Ketten!)
    – ein Unterbau kann m.E. NICHT unterbleiben, weil man Vorsorge treffen muss, falls einer der Punkte (auch am Fzg!) nachgibt!
    – Bleibt das Fzg nicht an der Position und wird „verzogen“, muss der Unterbau nachgerichtet werden (das kostet nochmal extra Zeit).
    – Erfolgt der Zug nicht gerade und das Fahrzeug bewegt sich, kann es beim „Hängen“ bleiben zu lustigen Effekten kommen…
     
    Wie groß ist der (negative?) Zeit“vorteil“?

    Alles mehrfach diskutiert – und leider wieder nichts davon in dem Artikel auch nur im Ansatz erwähnt.

    Irakli, das find ich wenig gut…!

  3. Markus Rebholz am 3. Juni 2011 21:20

    Erinnert mich stark an ziehen mit zwei Greifzügen bzw. noch einer RW Winde.
    Hat früher auch funktioniert war aber immer sehr Personal intensiv.

    Gruß
    Markus

  4. Geza Grün am 3. Juni 2011 23:49

    Ich bin gerne offen für neue Techniken. Neu ist mir, dass von der Lenksäule keine Gefahr mehr aus geht, wenn man daran zieht!
    Was ist mit der Mittelkonsole, die offensichtlich nach oben gekommen ist? In unter mechanische Spannung stehende Teile zu schneiden halte ich ebenfalls für kritisch.
    Leider bekommen wenige Feuerwehrleute die Möglichkeit, an neuen PKW zu arbeiten. Deswegen dürfte der Weg sein, dass einige Vorgehensweisen tabu sind. Dass Leute, die das noch nicht ‚live‘ gesehen haben von der Diskussion ausgeschlossen werden –  was soll man davon halten?

  5. Cimolino am 4. Juni 2011 07:52

    @GG richtig:
    Die Lenksäulenthematik bleibt natürlich die Gleiche, ebenso das Problem, dass in der Beschreibung ERST Spannung aufgebaut wird – und danach in diese hinein geschnitten.
    Wie man die 3 Ketten vorn sauber steuern will (mit 2 – 3 verschiedenen Zugquellen?) erschließt sich mir auch nicht.

    Und ich habe immer noch nicht verstanden, was konkret der Vorteil sein soll… (Die Zahl der Varianten einfach so zu erhöhen, ist erst mal keiner…)

  6. Irakli West am 4. Juni 2011 13:22

    Ich habe den Artikel oben ergänzt. Wenn man das beübt hat, fit genug ist, und auch ansonsten die Umstände passen, finde ich das eine durchaus valide Methode. Meine ganz persönliche Meinung, und praktischerweise wird niemand dazu gezwungen, dies zu übernehmen.

    Kleiner, oft vernachlässigter Anspruch dieser Plattform ist der Blick über den Tellerrand. Viel von dem, was woanders mit Erfolg praktiziert wird, muss oder kann man nicht übertragen, anders herum ebenso.

    Auch in Skandinavien ist das ein Glaubenskrieg, manche machen das ausschließlich so – was ich für falsch halte – aber einige führen inzwischen die für ein Paar hundert Euro beschafften Ketten mit. Nicht vergessen, dort haben HLF von Haus aus die (sehr praktische) Frontwinde.

     

  7. jansued am 5. Juni 2011 01:53

    Hm.
    Obwohl ich im Prinzpi nix gegen ne weitere Schublade habe, sind die Bilder jetzt nicht so hilfreich.
    Gezeigt wird ein V50 (?), der vorne leicht angetitscht ist. Dass die Methode funktioniert, will und kann man nicht in Abrede stellen, aber neben den Hinweisen von UC stellt sich mir die Frage: Wann wende ich sie an? Für mich ist das aufgrund der Risiken eine Plan B oder C Lösung – nicht mehr, da im Gegensatz zum Drücken mit RZ keine Sicherung für federnde Teile, Abriss etc gegeben ist.  Der Vordewagen ist deutlich über-, überstreckt, der Boden ist hochgekommen und der Drehpunkt des Vorderwagens ist schlecht. Und einen Rettungsweg haben wir auch nicht, weil während des Ziehens ja keiner z.B. ne Fischdose schneiden kann.
    Selbst bei einer Sofortrettung bleibt es eine Hochrisikoaktion. Innerer Retter? würde ich abziehen! Patientenschutz – muss dieser selber festhalten ;-)
    Wir können jetzt ja mal raten, wie viele Feuerwehren, die das nachahmen (das ist ja nun der Zweck einer Verbreitung) weder das richtige Equipment, noch die Ausbildung und schon gar nicht die Erfahrung haben das durchzuführen – und es trotzdem machen, weil es eben neu ist. Und wenn die Schweden sich schon uneinig sind…
    Und daher sehe ich alle Publikationen in dieser Richtung äußerst kritisch und jeder der das ohne die entsprechenden Warnhinweise und eine kritische Betrachtung publik macht, sollte sich über die möglichen Folgen im Klaren sein.
    Mich persönlich hat diese Option bis dato nicht überzeugt und ich habe die Befürchtung, dass damit Schindluder getreiben wird.
     
    Grüße, Jan
     
     
     
     

  8. Cimolino am 5. Juni 2011 08:43

    Hallo Irakli,

    die Kosten von Winden an LF kennst Du? – für die Erstbeschaffung und die Folgekosten? (Da kannst Du jede Menge weit besser nutzbares modernstes Werkzeug zur Rettung kaufen…)
    (Hab übrigens letztens in Spanien wieder die woanders gern genommenen Vorbauseilwinden fotografiert, auch an fast allen Fahrzeugen und in so einem grottenschlechten Zustand, dass ich denen nicht trauen würde, mich auf gar keinen Fall aber in deren Nähe beim Zug aufhalten wollte.)

    Für Dein Beispiel von oben braucht Du frontseitig mindestens 2 getrennte Winden, weil sich das Lenkrad und die Säulen unterschiedlich bewegen werden.
    Wo stellst Du die wie an den üblichen Einsatzstellen sinnvoll auf?

    Ich bleibe dabei, ich kann mir nur sehr wenige Szenarigen vorstellen (wo das Ziehen mit Personen IM Fahrzeug) Sinn machen kann. Eigentlich beschränkt sich das auf das Herausziehen aus einer prekären Situation, auch um das Arbeiten sicherer zu machen (unter einem LKW, der dazu kurz angehoben und grob gesichert wird, oder aus einer Hauswand).
    Selbst das ist schon komplex genug.

Bottom