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Ramstein (rp), (hl). Auf der Bundesautobahn 6 kurz nach Kaiserslautern in Fahrtrichtung Saarbrücken (sl). Kaum wird es neben der Autobahn grüner fliegt ein Flugzeug über mein Auto. Es verringert seine Flughöhe und verschwindet hinter den Bäumen. Gelandet ist die Maschine auf dem Flugplatz Ramstein, dem größten Stützpunkt der US Air Force (AF) außerhalb der USA. Dorthin bin ich unterwegs.

Flugfeldlöschfahrzeug, dahinter die Passagierabfertigung sowie das neue Hotel mit Shopping Mall (Hochhaus)

Flugfeldlöschfahrzeug, dahinter die Passagierabfertigung sowie das neue Hotel mit Shopping Mall (Hochhaus)

Die Geschichte der Autobahn und des Flugplatzes haben Gemeinsamkeiten. Gebaut in der Zeit der Nationalsozialisten war ein Teil der Autobahn bereits während dem zweiten Weltkrieg ein Behelfsflugplatz. Vorrückende US-Streitkräfte eroberten den Autobahnabschnitt und bauten ihn Zug um Zug aus. Heute ist unter anderem das 86. Lufttransportgeschwader mit seinen Flugzeugen des Typs Lockheed C-130 J, besser bekannt als Hercules, in Ramstein stationiert. Der Flugplatz ist die europäische Drehscheibe für Fracht- und Truppentransporte.

Nach den Einlassformalitäten und der Torkontrolle bin ich auf dem Flugplatz, begleitet von einem Mitarbeiter der Pressestelle. Das Militärgelände erinnert aufgrund der Häuser, manchen Fahrzeugen und anderer Eindrücke eher an eine amerikanische Kleinstadt. Außer den riesigen Flugzeughangar und weiteren größeren Gebäuden.

Direkt am Tower ist mein Reiseziel, die Feuerwache der „Firefighters“ vom Flugplatz Ramstein. Es ist eines von acht Standorten, die von der AF in der Westpfalz betrieben werden. Allein auf dem Flugplatz gibt es drei „fire stations“. Die AF hat über 200 Feuerwehrangehörige in dieser Region. Davon sind etwa die Hälfte deutsche Zivilangestellte. Die andere Hälfte sind amerikanische Militärangehörige. Die US Army unterhält ebenfalls eigene Feuerwehrstandorte im Bereich um Kaiserslautern.

Die Amtssprache ist Englisch. Über Funk melden sich die Fahrzeugführer in Englisch aus. Der Einsatzleiter schreibt den abschließenden Einsatzbericht in Englisch, obwohl er mit Deutsch als Muttersprache aufgewachsen ist. Ein Mindestmaß an Englischkenntnissen ist Voraussetzung, um überhaupt einen Job auf dem Flugplatz zu bekommen. Auch als zukünftiger Firefighter.

Aufnahmekriterium, Ausbildung und Schichtablauf

Aufnahmekriterium für die deutschen Firefighters sind zudem eine abgeschlossene Grundausbildung der freiwilligen Feuerwehr, Atemschutzgeräteträger-Lehrgang mit aktueller G 26.3-Untersuchung und ein LKW-Führerschein. Nach einer Probezeit von zwei Jahren mit begleitender Ausbildung ist man Firefighter. Einen Teil seines Wissens erwirbt der Feuerwehrangehörige durch ein Fernstudium am Computer. Auch vor Ort in Ramstein erfolgen praktische Ausbildungsabschnitte. Ein mehrmonatiger Besuch einer Feuerwehrschule in den USA kann beispielsweise zur Erlangung einer Führungsposition notwendig sein.

Zudem werden die deutschen Feuerwehrangehörigen zu Werkfeuerwehrmännern ausgebildet (1). Mit diesem anerkannten Ausbildungsberuf kann sich der Feuerwehrmann beispielsweise im Falle einer Arbeitslosigkeit bei einem neuen Arbeitgeber bewerben. Momentan besteht wegen der Schließung einer Feuerwache kein Bedarf an weiteren Kräften, so die Firefighters während einem Gespräch. Das Personal wurde auf die übrigen Stations verteilt.

Der tagtägliche Schichtablauf könnte einer deutschen Berufs- oder Werkfeuerwehr entsprechen. Um 7:30 Uhr ist Schichtwechsel. Der Arbeitstag beginnt mit der Überprüfung von Geräten und Fahrzeugen. Innerhalb der ersten acht Stunden erfolgen Aus- und Fortbildung sowie Gerätewartungen. Die anschließenden acht Stunden sind Bereitschaftszeit. In dieser Zeit schauen die Feuerwehrmänner beispielsweise Fernsehen. Es stehen zwei getrennte Fernsehräume zur Verfügung. In einem läuft das deutsche TV-Programm und an der Wand hängen Erinnerungsteller und Bilder von deutschen Feuerwehren aus der Region. In dem anderen Fernsehraum läuft das englische TV-Programm. In den übrigen Räumen gibt es keine sichtlichen Trennungen zwischen den Nationen. Schließlich gehen die Firefighters beider Länder auch zusammen in den Einsatz. Die restlichen acht Stunden der 24-Stunden-Schicht ist die Ruhezeit. Um 6 Uhr werden die Feuerwehrleute geweckt.

Einen Steinwurf von der Hauptwache entfernt wird gerade ein Ausbildungszentrum errichtet. Eine Flugzeugattrappe ist bereits fertig. Daneben wird noch ein dreistöckiges Haus errichtet, das ebenfalls für die Heißausbildung zur Verfügung steht. Aber auch Drehleiter- oder Abseilübungen sollen an diesem Gebäude künftig stattfinden. Nicht nur die Feuerwehrangehörigen aus der Westpfalz werden hier üben. Aus ganz Europa kommen dann Angehörige der AF nach Ramstein.

Fuhrpark und Ausrüstung

Flugfeldlöschfahrzeug (links) und Drehleiter (rechts) im Größenvergleich mit dem Flügel einer Lockheed C-5

Flugfeldlöschfahrzeug (links) und Drehleiter (rechts) im Größenvergleich mit dem Flügel einer Lockheed C-5

Der Fuhrpark spiegelt das Einsatzspektrum der Wehr wieder. So gibt es derzeit unter anderem acht Flugfeldlöschfahrzeuge, zwölf Tanklöschfahrzeuge, drei Rüstwagen, ein Gefahrgutfahrzeug, zwei Drehleitern und zwei Tanker (Großtanklöschfahrzeuge). Die Fahrzeuge sind über die acht Stations verteilt.

Sowohl Fahrgestell als auch Aufbau stammen überwiegend aus den USA. Lediglich ein MAN-Sattelschlepper, der verschiedene Anhänger zieht, ist eine Ausnahme. Die AF hat Stützpunkte auf dem ganzen Globus. Die Fahrzeuge sind einheitlich, damit Ausbildung, Prüfung und der Einsatz gleich sind. Pro Fahrzeugtyp werden die Maschinisten eingewiesen und erhalten die entsprechende Fahrberechtigung, erklären mir die Firefighters.

So könnte – rein theoretisch – ein in Ramstein ausgebildeter Feuerwehrmann auf jeder anderen AF-Base sofort in ein Löschfahrzeug steigen und zum Einsatz fahren. Lediglich der Führerschein müsste noch für die dortige Liegenschaft umschreiben werden.

Generell sind die Fahrzeuge der US-Feuerwehr im Gegensatz zu deutschen Fahrzeugen eher spartanisch ausgestattet. Gerade das Notwendigste ist verlastet. Die Flugfeldlöschfahrzeuge haben große Mengen Wasser, Schaummittel und Löschpulver an Bord. Zivile Flughäfen haben weltweit genaue Vorgaben, wie schnell und wie viel Löschmittel zur Verfügung stehen muss. Ähnliche Vorgaben gibt es auch für die militärischen Flugplätze der AF.

Auch bei der Ausrüstung liegen die Unterschiede eher im Detail. So führen die Wehrleute auch tragbare Leitern auf ihren Fahrzeugen mit, die aber amerikanischen Vorschriften entsprechen. Ausschließlich sind Hohlstrahlrohre auf den Fahrzeugen verlastet – jedoch mit amerikanischem Anschluss. Zu den Kupplungen später mehr.

Nachfolgend werden vier Fahrzeuge aus dem Fuhrpark vorgestellt:

Tanklöschfahrzeug und Flugfeldlöschfahrzeug auf dem Flugfeld

Tanklöschfahrzeug und Flugfeldlöschfahrzeug auf dem Flugfeld

Tanklöschfahrzeug

Aussichtspunkt: Pumpenbedienstand mit Werfer

Aussichtspunkt: Pumpenbedienstand mit Werfer

Der „Fire-Fighting Truck“ kann man als Tanklöschfahrzeug bezeichnen, wenn man sich die Ausstattung anschaut. Der Löschwassertank hat etwa 2.400 Liter. Rund 240 Liter Schaum werden mitgeführt. Die Pumpe liefert 3.800 Liter pro Minute bei einem Druck von 10 bar und mischt bei Bedarf das Schaumkonzentrat hinzu. Das Fahrgestell ist von der Kovatch Corporation aus Nesquehoning (USA), Baujahr 1989. Das Fahrzeug wird demnächst durch ein Neufahrzeug ersetzt.

Rüstwagen

Der Rüstwagen vor der Wache

Der Rüstwagen vor der Wache

Den „Rescue“ kann man aufgrund seiner Ausstattung als Rüstwagen bezeichnen. Im hinteren Teil des Aufbaus ist die Ausrüstung für Verkehrsunfälle und ähnliche Ereignisse untergebracht. Dazu zählen ein hydraulischer Rettungssatz, Hebekissen und Unterbauhölzer. Im mittleren Bereich sind die Geräte für die Höhen- und Tiefenrettung untergebracht. In den vorderen Geräteräumen sind verschiedene Messgeräte, ein Überdrucklüfter und spezielle Atemschutzgeräte für die Rettung aus Tiefen verlastet. Auf dem Dach ist ein Lichtmast montiert sowie tragbare Leitern verladen. Das Fahrgestell hat Freightliner hergestellt, ein US-Tochterunternehmen des Daimler-Konzerns. Baujahr ist 2008.

Flugfeldlöschfahrzeug

Cockpit eines Flugfeldlöschfahrzeugs

Cockpit eines Flugfeldlöschfahrzeugs

Das Flugfeldlöschfahrzeug stellte das Unternehmen Oshkosh im Jahr 2009 her und wird als „Crash“ bezeichnet. Der dreiachsige „Striker“, so die Modellbezeichnung des Herstellers, hat einen Löscharm auf dem Dach. Eine Wärmebildkamera ist fest montiert. Der Bildschirm ist in der Fahrerkabine eingebaut. Der Fahrer sitzt, wie bei einem Traktor, genau in der Fahrzeugmitte. Der Oshkosh führt 11.356 Liter Wasser, 1.590 Liter Schaummittel und 227 Kilogramm Löschpulver mit. Das Gesamtgewicht liegt bei rund 35 Tonnen.

Drehleiter

Übung: Drehleiter hat an einem Flugzeug angeleitert

Übung: Drehleiter hat an einem Flugzeug angeleitert

Die KME Aerialcat hat eine Leiterlänge von 102 Feet. Das sind umgerechnet rund 31 Meter. Der Korb ist für eine Last von 500 Kilogramm ausgelegt, die sich bei Wasserabgabe auf 250 Kilogramm reduziert. 4.000 Liter Wasser pro Minute kann der Korbmonitor maximal abgeben. 40.000 Liter Druckluft werden in großen Druckflaschen mitgeführt, deren Leitungen im Korb enden. Das Fahrzeug führt 600 Liter Wasser mit und hat eine eingebaute Pumpe, die rund 5.000 Liter Wasser pro Minute fördert. Die Drehleiter wird sowohl bei Gebäudebränden als auch an der Lockheed C-5 zur Personenrettung eingesetzt.

Fußnote

(1) FWnetz: Neun Angehörige der amerikanischen Streitkräfte zu hauptberuflichen Werkfeuerwehrmännern ausgebildet

Kommentare

Ein Kommentar bisher zu “Die Firefighters vom Flugplatz Ramstein (Teil 1)” (davon )

  1. Feuerwehr-Weblog feiert 10. Geburtstag | +++ LFV-Blog ++++++ LFV-Blog +++ am 4. Februar 2015 21:53

    […] Die Firefighters vom Flugplatz Ramstein (Teil 1) […]

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