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Pumpenein- und ausgänge am Tanklöschfahrzeug

Pumpenein- und ausgänge am Tanklöschfahrzeug

Einsatzspektrum einer Kleinstadt-Wehr

Das Einsatzspektrum entspricht der Wehr einer Kleinstadt, wenn man den Flugbetrieb ausklammert. Auf dem Areal gibt es Wohnhäuser, Kindergärten, Schulen, Werkstätten, Büro- und Verwaltungsgebäude, Geschäfte sowie Freizeiteinrichtungen. Natürlich auch militärische Einrichtungen und Straßenverkehr. So rückt die Wehr zu Bränden genauso aus wie zu technischen Hilfeleistungen. Auch Verkehrsunfälle ereignen sich auf dem Flugplatz. Jedoch bisher ohne eingeklemmte Personen, so die Firefighter während einem Gespräch. Auf dem Areal gibt es eine strikte Geschwindigkeitsbeschränkung.

Auch First-Responder-Einsätze fahren die entsprechend ausgebildeten Feuerwehrleute. So gehört ein verletztes Mädchen während dem Sportunterricht genauso zum Einsatzalltag wie der Senior mit einem Herzinfarkt. Auf dem Erstangriffsfahrzeug ist die Ausstattung verlastet. Ist ein Transport ins Krankenhaus erforderlich, dann wird über die Leitstelle ein deutscher Rettungswagen angefordert. Auch ein Notarzt kommt – wenn erforderlich – von deutscher Seite auf den Flugplatz.

Für Einsätze mit Gefahrstoffen ist die Wehr ebenfalls gerüstet. Jedoch werden, ähnlich der GAMS-Regel, lediglich Erstmaßnahmen eingeleitet. Auf dem Flugplatz gibt es spezielle Einheiten mit Experten, die sich anschließend um alle weiteren Maßnahmen kümmern.

Amerikanische Feuerwehraxt

Amerikanische Feuerwehraxt

Aber nicht nur der Rettungsdienst, sondern dank einem Hilfeabkommen gibt es bei Anforderung auch Hilfe durch umliegende deutsche Feuerwehren. Jedoch werden zuerst bis zu einem gewissen Grad die eigenen Kräfte ausgeschöpft bis die Unterstützung angefordert wird. An einen Einsatz, bei dem die deutschen Kameraden auf eine amerikanische Liegenschaft gerufen wurden, können sich die Firefighters nicht erinnern. Jedoch gab es zahlreiche Anforderungen von der Gegenseite. Beispielsweise im Oktober 2008, als es bei einem Reifengroßhändler in Rodenbach brannte (2) oder im vergangenen Jahr bei einem Großbrand auf dem Gelände eines Autoverwerters in Schönenberg-Kübelberg (3).

Inzwischen auch in Deutschland bekannt: Ein Halligan-Tool

Inzwischen auch in Deutschland bekannt: Ein Halligan-Tool

Unterschiede zwischen Deutschland und Amerika

Nachfolgend einige Beispiele für die Unterschiede zwischen deutscher Feuerwehr und der „speziellen“ us-amerikanischen Wehr:

Bei einem Alarm wird gegebenenfalls die „building number“ durchgeben. Diese Nummern entsprechen keiner Straße oder Hausnummer, wie man es aus Deutschland kennt. Die Gebäude sind inzwischen kreuz und quer auf dem Flugplatz durchnummeriert. Eine Liste und eine große Karte in der Fahrzeughalle, die in Quadrate unterteilt ist, helfen dann den Firefightern weiter, falls die Besatzung die Anfahrt zum Gebäude nicht kennen sollte. An den Häusern sind die „building numbers“ in großen braunen Zahlen aufgemalt.

Innerhalb einer Minute muss die Wehr ausrücken. Nach vier Minuten müssen die Erstmaßnahmen eingeleitet werden. Viele Brandmeldeanlagen gibt es auf dem Gelände. Oft rücken die Firefighters an, ohne dass sie tätig werden müssen.

Die Wasserversorgung stellen überwiegend Oberflurhydranten; nur wenige Unterflurhydranten sicher. Die Entnahmestellen und die Steigleitungen der höheren Gebäude haben eine Storzkupplung. Daher sind bereits entsprechende Adapterstücke an den Schläuchen montiert. Notfalls sind die Adapter schnell abgeschraubt.

Adapterstücke von deutsch auf amerikanisches Kupplungssystem

Adapterstücke von deutsch auf amerikanisches Kupplungssystem

Bei den Amerikanern gibt es Schraubkupplungen mit „male“ und „female“. Daher ist die Verlegerichtung, im Gegensatz zu Deutschland, unbedingt zu beachten. Hat man das falsche Ende gepackt kann der Feuerwehrmann den Schlauch nicht anschließen. Natürlich gibt es die Schraubkupplungen in unterschiedlichen Größen. Einheit ist Zoll.

Auch der Druck wird nicht in bar, sondern in psi (pound per square inch = Pfund pro Quadratzoll) angegeben. Im Einsatzfall rechnen die Firefighter überschlägig 15 psi in 1 bar um.

Bei den Schläuchen fällt weiter auf, dass diese als Schlauchpakete oder zusammengelegt auf den Fahrzeugen transportiert werden. So werden unterschiedliche Längen für unterschiedliche Zwecke eingesetzt. Beispielsweise ist ein kurzer Schlauch für einen PKW-Brand vorgesehen. Die Leitung daneben ist länger und für einen Löschangriff während einem Wohnhausbrand vorgesehen. Einen Rollschlauch sucht man auf den amerikanischen Fahrzeugen vergeblich.

Einsatzbereit: Feuerwehrmann in seiner persönlichen Schutzausrüstung und Atemschutzgerät

Einsatzbereit: Feuerwehrmann in seiner persönlichen Schutzausrüstung und Atemschutzgerät

Die persönliche Schutzausrüstung (PSA) der Firefighter unterscheidet sich auch von der deutschen Kleidung. An und in den Fahrzeugen liegen silberne Hosen und Jacken für den nächsten Einsatz bereit. Selbst das Hollandtuch und die Handschuhe sind mit dem silbrigen Stoff versehen. Grund sind die hohen Temperaturen, mit der Kerosin verbrennt. Auch bei einem Wohnhausbrand löschen die Feuerwehrangehörigen mit der Silberkleidung. Lediglich andere Handschuhe müssen sie tragen, weil es so vorgeschrieben ist. Unter der Silberkleidung ist ein Nomexstoff verarbeitet.

Auch die Atemschutzmaske sieht ein wenig anders aus als das Standardmodell für deutsche Wehren. Es ist eine spezielle Entwicklung für das US-Militär, die auch in den Kriegsgebieten getragen wird. Die Maske ist mit Mikro und Kopfhörern ausgestattet. Lediglich einen Stecker müssen die Wehrleute an das tragbare Funkgerät anschließen und schon können sie sich verständigen. Einen eigenen Filteranschluss sowie einen Trinkhalm in der Maske benötigen die Feuerwehrmänner nie, sagen sie während einem Gespräch in der Fahrzeughalle. Im Einsatz tragen sie ausschließlich Flaschengeräte mit Überdrucktechnik, die ein elektronisches Display anstatt einem Manometer haben. Es werden keine Stahl- sondern Kompositflaschen verwendet.

Bei einer Meldung über einen Gebäudebrand auf dem Flugplatz rückt ein Erstangreifer der zuständigen von drei Stations an und erkundet. Zwei der vier Besatzungsmitglieder gehen notfalls unter Atemschutz vor. Den Sicherungstrupp stellen die restlichen beiden Feuerwehrmänner. Darunter der Maschinist, der zudem für die Atemschutzüberwachung zuständig ist. Der Sicherungstrupp hat außerdem Schläuche mit größeren Durchmessern, damit im Notfall viel Wasser aus dem Rohr spritzt. Eine zweite Einheit steht in einer anderen Station bereit, um bei Bedarf unverzüglich nachzurücken und zu unterstützen. Wie in Deutschland hat die Menschenrettung höchste Priorität, die als „quick attack“ bezeichnet wird. Auf jedem Erstangreifer kann der vorgehende Trupp auf eine Wärmebildkamera zurückgreifen.

Außer dem Maschinisten-Sitzplatz haben alle drei Plätze im Flugfeldlöschfahrzeug integrierte Atemschutzgeräte

Außer dem Maschinisten-Sitzplatz haben alle drei Plätze im Flugfeldlöschfahrzeug integrierte Atemschutzgeräte

Gut kennen sich die Flugplatz-Feuerwehrleute an den Maschinen, wie an der Galaxy, aus. Mit den Feuerwehrfahrzeugen werden festgelegte Punkte angefahren, falls es einen Notfall an oder in einem Flugzeug geben sollte. Zuerst stellen sich die Fahrzeuge an der Vorderseite auf, um auch Sichtkontakt zum Cockpit zu haben. An der Rückseite stellen sich ebenfalls zwei Löschfahrzeuge auf. Die Drehleiter fährt an, um notfalls die Mannschaftstransportkabine erreichen und dort eine Menschenrettung durchführen zu können.

Auch in diesem Fall hat die Menschenrettung höchste Priorität. Nachdem Fenster und Luken für eine Entrauchung geöffnet sind, wird das Personal mittels Crashrettung in Sicherheit gebracht. In den Maschinen gibt es auch eingebaute Selbstrettungseinrichtungen, darunter eine Notrutsche wie in zivilen Passagierflugzeugen. An vorgegebenen Punkten können die Wehrleute notfalls die Außenhaut aufbrechen und Löschmittel ins Flugzeuginnere einbringen. An diesen Stellen verlaufen beispielsweise keine Stromleitung oder befindet sich keine Luftversorgung. Eine Gefährdung ist dort ausgeschlossen.

Fazit

Der Besuch des Flughafen-Feuerwehr war eine sehr interessante Sache, die sich (hoffentlich) in diesem Bericht und den beigefügten Bildern widerspiegelt. Vielleicht wird auch in Zukunft mal wieder über die Firefighters berichtet, falls Interesse bestehen sollte und die Möglichkeit dazu eingeräumt wird.

Wünsche, Fragen und Vorschläge für weitere Berichte werden gerne als Kommentar entgegen genommen. (Autor: Harald Laier, www.fwnetz.de)

Verwendet werden Überdruckgeräte und Kompositflaschen

Verwendet werden Überdruckgeräte und Kompositflaschen

Fußnoten und Links

FWnetz: Die Firefighters vom Flugplatz Ramstein (Teil 1)

(2) FWnetz: (Video) US-Feuerwehr bei Großbrand in Rodenbach?
(3) FWnetz: 500 Schrottfahrzeuge brennen bei Autoverwerter

FWnetz: 4. Kaiserslautern Classics

Wikipedia: Ramstein Air Base
Wikipedia: Lockheed C-5 (Galaxy)
Wikipedia: Lockheed C-130 (Hercules)

Wikipedia (englisch): Oshkosh Striker

Oshkosh (Firmenwebsite)
Kovatch (Firmenwebsite)

Kommentare

2 Kommentare zu “Die Firefighters vom Flugplatz Ramstein (Teil 2)” (davon )

  1. Robert Sims am 20. Juni 2011 08:09

    Sehr guter Artikel, echt mal interessant zu sehen wie die US Feuerwehren in DE vereinheitlicht sind. Ich erkenne einige parallelen zu der Feuerwehr des hier ansässigen Firedepartments.

    Lustig finde ich übrigens die deutsche Winkerkelle auf dem letzten Bild.

  2. Harald Laier am 20. Juni 2011 13:48

    @Robert Vielen Dank für Dein Lob.

    Nach der Veröffentlichung von Teil 1 hatte ich viele positive Rückmeldungen. Es freut mich, dass ich zum einen über ein für die Leser interessantes Thema geschrieben habe und sich zum anderen dadurch die ganze Arbeit gelohnt hat.

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