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(sc). Die Kontroverse in der Stadt Trier (das FWNetz berichtete) um den abgeschafften freien Eintritt für freiwillige Feuerwehrleute in die städtischen Schwimmbäder, hat mich ein wenig nachdenklich gestimmt, und mich nach Sinn und Unsinn der Förderung bestimmter Ehrenämter nachdenken lassen.

Die „Förderung des Ehrenamtes“ ist gegenwärtig ein häufig gebrauchter Begriff, der sehr unterschiedliche Ehrenämter und sehr unterschiedliche Arten der Förderung vereint. Ehrenämter finden sich in vielen Bereichen und sind keineswegs eine Domäne der Blaulichtorganisationen. So gibt es u.a. Schöffen, Mitarbeiter in der Kirchen, der Jugend- und Sozialarbeit. In der Summe ist damit jeder dritte deutsche in irgendeiner Form ehrenamtlich tätig. Dabei fallen unter den Begriff Ehrenamt inzwischen auch die Freiwilligenarbeit und das bürgerschaftlichen Engagement. Wesentliches Merkmal aller drei Erscheinungsformen ist die unentgeltliche Leistung von Arbeit bzw. eine geringe Aufwandsentschädigung. Aber ohne das Ehrenamt würden viele soziale Bereiche in Deutschland nicht funktionieren.

Wenn wir nun von der „Förderung des Ehrenamtes“ reden, muss man unterscheiden zwischen den rechtlichen Förderungsaspekten, sozusagen der Metaebene, wie steuerliche Förderung, Entschädigungensansprüchen, Versicherungsrabatten und anderen Festlegungen des Gesetzgebers und der, ich nenne sie der Einfachheit halber mal, Mikroebene. Bis hierhin sind die Voraussetzungen zur Förderung des Ehrenamtes weitgehend gleich.

Mit der Mikroebene ist z.B. die kommunale Förderung gemeint. Förderungsmöglichkeiten sind häufig Gutscheine, Rabatte, freier Eintritt in Museen und Schwimmbäder etc.

Diese Förderungsmaßnahmen unterscheiden sich nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch von Kommune zu Kommune und sogar von Organisation zu Organisation. Auf dieser Ebene ist eine gänzlich gleiche Förderung der Ehrenämter angesichts der enormen Vielfältigkeit, angefangen von der Telefonseelsorge, über Caritas und Diakonie bis hin zu Hilfsorganisationen schwer machbar. Nicht selten kommen es dabei zu Verteilungskämpfen, einem Empfinden der Ungerechtigkeit, warum der eine gefördert wird und der andere nicht, bis hin zum Empfinden der Geringschätzung des eigenen Ehrenamtes.

Die Kontroverse in der Stadt Trier um den aus Kostengründen abgeschafften freien Eintritt für freiwillige Feuerwehrleute in die städtischen Schwimmbäder bei gleichzeitiger Beibehaltung für die Berufsfeuerwehr ist eine Erscheinungsform dieser Verteilungskämpfe. Die betroffenen Feuerwehrleute gehen auf die Barrikaden, während andere ehernamtlich Tätige bisher das Nachsehen hatten und damit unter den Ehrenämtern wieder „Waffengleichheit“ herrscht.

Angesichts der enormen Bandbreite des Ehrenamtes in Deutschland – 23 Millionen Menschen engagieren sich ehrenamtlich – und der Bedeutung für die Funktionsweise und Aufrechterhaltung unseres Gemeinwesens ist in der Tat die Frage zu stellen, aus welchen Gründen das eine Ehrenamt eine Förderung erhält, und das andere nicht?

Die Arbeit der Feuerwehr ist offensichtlich, ja sogar plakativ, egal ob sie als freiwillig wahrgenommen wird oder nicht: Rote Autos fahren durch die Gegend, machen Krach und dunkelblau gekleidete Männer und Frauen retten, bergen und schützen. Das ist eine hoheitliche Aufgabe, die der Gesetzgeber vorschreibt. Die Gemeinde muss also das Personal für diese Tätigkeiten aufbieten können. Anders sieht es z.B. mit der Telefonseelsorge aus, die alles andere als offensichtlich arbeitet, aber auch in einer übertragenen Form rettet und schützt, mit dem Unterschied, das die Seelsorge keine hoheitliche Aufgabe ist. Die Liste der Beispiele ließe sich nun beliebig fortsetzen. Im Endeffekt ist aber jedes Ehrenamt eine Stütze der Gesellschaft.

Konzentriert man sich nun nur auf das Ehrenamt in den Blaulichtorganisationen (= hoheitliche Aufgabe, zumindest gilt das für einen Teil der Organisationen), gibt es für mich keinen vernünftigen Grund z.B. die Feuerwehr gegenüber dem Rettungsdienst, der Bergwacht, der DLRG etc. zu bevorzugen. Das Argument der besonderen Gefahr und der erforderlichen Fitness taugt als Begründung für die Einzelförderung bestimmter Organisationen wenig, denn jede Hilfsorganisation hat ihre eigenen, spezifische Belastungen und Gefahren. Dazu kann man sich für jede Organisation durchaus einmal die Gefahrenmatrix vor das Auge halten. Ferner führt gerade die Feuerwehr das Argument der Fitness ad absurdum, denn wirklich für die Belastungen des Einsatzes gerüstet sind die wenigsten – das würde sich auch mit freiem Eintritt ins Schwimmbad nicht ändern, weil Fitness eine persönliche Lebensentscheidung ist.

Was bringt z.B. die Einzelförderung der freiwilligen Feuerwehr, wenn es bei der DLRG, der Bergwacht und den anderen Blaulichtorganisationen an Personal fehlt, dieses schlecht motiviert ist und sich gering geschätzt fühlt? Der Egoismus so mancher Feuerwehr, wenn es um das größte Kuchenstück der Förderung geht, trägt zur Sache nichts bei. Wir, als Feuerwehr und als Teil der Gesellschaft, sind nämlich ebenso angewiesen auf die Mitarbeit der anderen Organisationen. Oder, sind die freiwilligen Feuerwehren bereit in Zukunft auch die Aufgaben der anderen Hilfsorganisationen zu übernehmen, wenn aufgrund „ungerechter“ Förderung andere Organisationen personell ausgetrocknet sind, die Leistungen aber trotzdem von irgendjemand erbracht werden müssen?

Dass es eine Förderung des Ehrenamtes auf der Mikroebene bedarf steht außer Frage, insbesondere um vor dem Hintergrund verlockender Freizeitangebote attraktiv zu bleiben. Zusätzlich wird das Ehrenamt vor dem Paradigma des Rückzugs des Staates aus der Gesellschaft und der dabei entstehenden „Versorgungslücke“ immer wichtiger. Allerdings – und das ist eine wirkliche Crux – das Ehrenamt innerhalb der hoheitlichen Tätigkeit nimmt einen besonderen Stellenwert ein, denn diese Aufgaben müssen die Gemeinden qua Gesetz „erledigen“. Deshalb ist eine, wie auch immer geartete Förderung, nicht nur aus Gründen der Motivation, sondern auch aus Gründen der Aufrechterhaltung von Leistungen angebracht. (Autor der Kolumne: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Kommentare

Ein Kommentar bisher zu “Ehrenamt und Förderung” (davon )

  1. firefighterman am 30. Juni 2011 07:58

    Hallo,

    wobei man bei Ehrenämtern meiner Meinung nach nocheinmal unterscheiden muss: 1. Ehrenämter, die auch als Ehrenämter in Gesetzen geregelt sind und 2. die umgangsprachlichen Ehrenämter.

    Wenn in der Allgemeinheit von ehrenamtlicher Tätigkeit für einen Verein gesprochen wird, wird meistens die unentgeltliche Tätigkeit gemeint.

    In Rheinland-Pfalz ist die Tätigkeit in der Feuerwehr ein Ehrenamt. Gesetzlich geregelt im LBKG. Übt man dieses Ehrenamt 10 Jahre aus, kann man, bei einer Heranziehung als Wahlhelfer diese Tätigkeit ausschlagen (siehe rheinland-pfälzische Gemeindeordnung).

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