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(sc). „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ sagte Ranger zu Abahachi im Film „Der Schuh des Manitu“, als die beiden gefesselt an einem Marterpfahl der Schoschonen die Nacht verbringen. „Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“ sagen sicherlich auch viele freiwillige Feuerwehrleute in Bezug auf ihre ehrenamtliche Tätigkeit in der Feuerwehr. Gestern Abend hatten wir bei Twitter bzw. Google+ eine Diskussion über, allgemeine gesprochen, Unzufriedenheit mit der eigenen Feuerwehr. Ich war überrascht, wie viele meiner Follower den virtuellen Finger hoben, um sich der Unzufriedenheitsdiskussion anzuschließen. Unzufriedenheit ist ein „Zustand, in dem man mit dem Gegebenen, den Verhältnissen und Bedingungen, dem Vorhandenen und Erreichten nicht einverstanden ist“. Diese Definition deutet an, dass Unzufriedenheit zutiefst subjektiv ist. Allerdings lassen sich diese subjektiven Eindrücke objektiv machen, indem man die Aspekte, die zur Unzufriedenheit führen, sortiert und gruppiert. In unserer abendlichen Diskussion kamen die folgenden Punkte zur Ansprache:

  • Kommunikationsdefizite
  • Mangelnde Wertschätzung durch Politik und /oder Bevölkerung
  • Fehlende Fach- und Sozialkompetenzen
  • Konflikte zwischen Haupt- und Ehrenamt
  • Fehlende Motivation
  • Verhaftetsein in der Tradition

Kommunikationsdefizite: Die Leute reden nicht mehr miteinander, egal ob nun innerhalb der Mannschaft oder zwischen Führung und Mannschaft. Statt Dinge verbal zur Diskussion zu stellen, kommen schlicht und einfach Anweisungen per Mail. Statt Kritik zuzulassen, droht die Keule der Verdammung und dienstrechtlicher Konsequenzen. Statt sich unter die Mannschaft zu mischen und einfach mal zuzuhören, zieht man kommunikative Mauern hoch und grenzt sich bewusst ab. Andererseits kommunizieren viele Feuerwehrleute nur noch über soziale Netzwerke und schließen damit andere Kameraden aus.

Wertschätzung: Die Feuerwehr gilt vielen Lokalpolitikern als finanzieller Klotz am Bein, den man lieber heute als morgen los haben möchte. Gleichzeitig wird die Feuerwehr gern als Backup für die aus Kostengründen reduzierte Anzahl der Bauhofmitarbeiter eingesetzt – immerhin ist die Feuerwehr ja kostenlos. Förderungen und Anerkennungen ehrenamtlicher Arbeit finden selten statt, da die Kostenbrille diesen Blick nicht zulässt. Der Bürger selbst sieht in der Feuerwehr einen Dienstleitungsbetrieb, der immer schnell zur Verfügung steht.

Kompetenzen: Über Fach- und Sozialkompetenzen lässt sich trefflich streiten. Aber es gibt wohl einen Zusammenhang zwischen mangelnder Fach- und Sozialkompetenz und autoritärem Verhalten gegenüber der Mannschaft.

Tradition: Viele Feuerwehren wehren sich gegen Veränderungen und bleiben einer diffusen, teilweise selbstkonstruierten und „von oben“ oktroyierten Tradition verhaftet. In der maximalen Ausprägung führt dies zu einer Überhöhung des Vereinsgedankens, verbunden mit dem entsprechenden Gehabe in der Öffentlichkeit.

Den Punkt Motivation habe ich bewusst ausgenommen, weil fehlende Motivation meiner Meinung nach Folge von anderen Missständen ist. Bleibt noch der Konflikt zwischen Haupt- und Ehrenamt. Ich persönlich ordne diesen Aspekt den Kommunikationsdefiziten zu.

Insgesamt gesehen, auch wenn die Diskussion noch nach lange nicht zu Ende ist, sehe ich im Faktor Kommunikation – egal wer mit wem – die eigentliche Ursache für viele Missstände. Kameraden reden nicht miteinander, sondern nur übereinander. Kommunikation findet abgeschottet in der virtuellen Welt statt. Die unpersönliche Email steht über dem persönlichen Gespräche. Statt Vorurteile durch ein gemeinsames Gespräch zu widerlegen, zieht man verbale Mauern hoch und verschanzt sich dahinter. …

PDF-Version: Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden

Kommentare

17 Kommentare zu “„Ich bin mit der Gesamtsituation unzufrieden“” (davon )

  1. Sebastian Busch am 12. Juli 2011 09:20

    Genau. Auf den Punkt gebracht.

  2. Hubi am 12. Juli 2011 09:22

    jep kommt mir gerade alles sehr bekannt vor

  3. Florian Körblein am 12. Juli 2011 09:29

    Besser kann man es nicht zusammenfassen. Jetzt muss man „nur“ noch versuchen an diesen Punkten zu arbeiten!

  4. Cimolino am 12. Juli 2011 10:31

    Hallo,
    findet sich ähnlich auch in der Zukunftsstudie aus BaWü – die ist über 20 Jahre alt…
     

  5. Tobi_live am 12. Juli 2011 14:20

    Schade, dass die Probleme offensichtlich vor 20 Jahren auch bestanden. Wer weiß ob sie noch in 20 Jahren bestehen werden.

  6. R.T.B. am 13. Juli 2011 02:25

    Diese wirklichen Negativpunkte findet man wohl in jeder Wehr mehr oder weniger stark ausgeprägt an, genauso aber in Unternehmen bzw. seinem normalen Arbeitsplatz.
    Aber: Ist eigentlich irgendwo in D eine Wehr bekannt, in der alle Feuerwehrleute zufrieden sind, in deren Meinung nach alles Rund und Super läuft und alle mit ihren Kameradem und Führungskräften im Einen sind – oder gab es diesen Zeitpunkt jemals oder werden wir ihn irgendwann erreichen? Ich denke man muss da sehr arg differenzieren, zwischen Dingen, die wirklich schlecht laufen und dringend geändert werden sollten – und der Natur des Menschen, doch immer erst die negativen Dinge an einer Sache permanent zu suchen, diese Eigenschaft ist nämlich gerade in Feuerwehrkreisen doch auch nicht in unerheblichem Maße ausgeprägt.

  7. Meine Meinung am 13. Juli 2011 09:03

    Ich bin auch der Meinung das es viele Punkte gibt die tragischer gemacht werden als sie sind. Was aber Punkte sind die mich wirklich stören sind z.B das Thema Feuerwehr und Rathaus. Der Satz: Die Feuerwehr macht das schon! fällt den letzten Jahren viel zu oft. Viele Gemeinden sehen die Feuerwehr als kostenlose Arbeitnehmer an den sie für alles einsetzen kann. Immerhin will die Feuerwehr ja auch mal irgendwann wieder was von der Gemeinde…. Leider steht es in keinem Verhältnis. Wenn man die Stunden die Feuerwehrdienstleistende für die Gemeinde leisten mit einem Durchschnittsstundenlohn Hochrechnet wäre es zu überlegen sich von der Gemeinde zu lösen und dieser Rechnungen zu stellen. z.B. zählt Blumen giesen an heißen Tagen meiner Meinung nach nicht zu Aufgaben der Feuerwehr nur weil sie passende Fahrzeuge hat die der Gemeinde fehlen. Aber das ist auch eine Sache der Führungsebene und so hart es klingt der „dummen“ die es ausführen.
    Die Unterstützung der Gemeinden lassen stark zu wünschen übrig. z.B. haben wir Listen erstellt die den Wartungsaufwand aufzeigen mit Stundenangaben. Wenn wir alles nach Vorschrift Warten und Pflegen wollten bräuchten wir ca. 3600 Stunden im Jahr. Der einzige Hauptamtliche arbeitet 1600 Stunden im Jahr. Wer Rechnen kann dem wird auffallen das es alleine unmöglich ist die Aufgaben nach Vorschrift zu erledigen. Freiwillige Kameraden sagen der bekommt Geld dafür ich mach nichts mehr. So werden viele Wartungen ausgelassen oder nicht richtig durchgeführt. Der Gemeinde ist das Problem bewusst doch unternommen wird nichts da die Meinung ist das der Gerätewart ja eh den ganzen Tag nichts zu tun hat und nur wartet das was passiert. Trotz dessen das sie die Liste kennen. Eine Nachbargemeinde gleichgroß aber mit kleinerer Feuerwehr hat 3 Hauptamtliche wie funktioniert das bei denen?
     
    Die Regierung müsste die Feuerwehren mehr unterstützen statt Millionen in nicht funktionierenden Digitalfunk zu verschwenden. Ok das ist eine eigene Diskusion ob man den brauch oder nicht. Aber es gibt noch mehr Stellen an denen die Regierung Geld mit offenen Händen raus schmeißt. Die Personalprobleme haben wir jetzt schon und in ein paar Jahren wird es noch viel schlimmer. Aber es ist wichtiger das z.B. an öffentlichen Gebäuden für einen gewissen Prozentsatz „Kunst“ angebracht werden muss als das eine Feuerwehr die ein 30 Jahre altes Fahrzeug hat mal ein neues bekommt. Zudem bei Fahrzeugen ab höhren Altersklassen die Reparaturen oft den Neupreis eines Fahrzeugs übersteigen.
    Ich finde die kleinen streitigkeiten in den Wehren ist Sache jeder Feuerwehr es unter sich auszumachen. Aber die Anerkennung und Unterstützung müsste viel mehr aus der Politik gefördert werden und nicht durch sinnlose Gesetze noch ausgebremst werden.

  8. Robert Sims am 13. Juli 2011 11:37

    Ich bin etwas amüsiert wie ich es geschafft habe mit einem Tweet diese Diskussion auszulösen. Ich konnte leider nicht weiter an der Diskussion teilnehmen da ich bei der Feuerwehr war, schade.  Wenn ich nachher etwas mehr Zeit habe werde ich versuchen meine Gedanken zu dem Thema auf Papier (bzw. die Tastatur) zu bringen.

  9. Bruno am 14. Juli 2011 09:12

    Hier noch ein ähnlicher Kommentar:
     
    http://www.pyrolim.de/pyrocontra/2011/trachtengruppen/
     
     

  10. Cimolino am 14. Juli 2011 17:05

    Hallo Bruno,
     
    interessant, dass der Blog über die Trachtengruppen genau auf den Beitrag hier verweist…
     
     

  11. Cimolino am 15. Juli 2011 09:57
  12. Julian R. am 15. Juli 2011 22:33

    @Cimolino eine Seite die sich der „wissenschaftlichen Beschäftigung mit der Zukunft der freiwilligen Feuerwehren“ verschrieben hat (Zitat aus der Startseite) und dann so ein Artikel wie in deinem Link? Was haben Aussagen wie „Auffallend ist im Allgemeinen, dass Dummheit und Verblödung sich umgekehrt proportional verhalten zu Selbstbewusstsein und Frechheit“ mit dem erhobenden Anspruch zu tun? Eine Aneinanderreihung von „typischem“ Fehlverhalten um die Zukunftsproblematik des deutschen Feuerwehrwesens zu beschreiben? Ich denke Stefan hat in seinem Artikel die Problematik wesentlich besser aufgegriffen und ist mit weniger Worten dem Thema deutlich gerechter geworden als dies in dem verlinkten Artikel geschieht.

  13. Cimolino am 16. Juli 2011 08:58

    Hallo Julian,

    Du solltest Dich mal mit den Leuten unterhalten, die zum Thema Feuerwehr in den letzten 20 – 30 Jahren versucht haben sachlich (noch nicht mal immer wissenschaftlich) Recherchen anzustellen, die über technische Probleme hinausgehen…
    Zu dem Thema Zukunft:
    – schon mal die Studie aus BaWü von 1991 gelesen? Hier sind ein paar Bezugsmöglichkeiten genannt: http://www.feuerwehr-forum.de/f.php?m=537612
    – die Diskussion um „Wir sind die Feuerwehr“ mit verfolgt? http://www.wirsinddiefeuerwehr.de/
    – das Zukunftsforum des DFV betrachtet – und seine Ergebnisse bzw. das was nun am Schluß hinten bei rausgekommen ist?

    Verstehst Du dann den Frust, den man dazu bekommen…?

    (Du kannst Dir für den wissenschaftlichen Teil gern die Dissertation von Dr. Müller reinziehen.)

  14. Stefan Cimander am 16. Juli 2011 12:37

    Interessant, welche Reaktionen es auf diesen Blogartikel gibt!

     

    @UC: Ich habe den Artikel nicht ohne Grund in der Rubrik „Feuerwehr Weblog“ veröffentlicht. Die ganzen Aspekte entsprechen subjektiver Wahrnehmung und Erfahrung. Deshalb erhebe ich mit diesem Meinungsbeitrag keinen wissenschaftlichen Anspruch.

  15. Cimolino am 17. Juli 2011 08:18

    Hallo SC,

    es ging in meiner Antwort auch nicht um Deinen (gut gemachten Blogartikel), sondern um den Beitrag von Julian R..) ;-)

  16. Bolde112 am 17. Juli 2011 22:53

    @MeineMeinung: Wir hatten bei unserem Bürgermeister das Thema hauptamtlicher Gerätewart angesprochen. Wir sind eine Stützpunktwehr mit TSF, ELW, TLF, LF, SW2000, MZF und haben im Gemeindegebiet noch fünf Ortsteile mit je einem TSF. Ein Gerätewart ist unumgänglich, nur kann man einer Person dieses Amt bei der Anzahl an zu prüfenden Geräten freiwillig zumuten? Wir haben ihm dies gesagt und damit argumentiert, dass es eine Allianz aus fünf Gemeinden und deren dazugehörigen Ortsteilen gibt. Alles in allem reden wir nun von schätzungsweise 20 Fahrzeugen, darunter 5-7 Großfahrzeuge wie LF und TLF. Ein hauptamtlicher GW wäre allemal ausgelastet und würde sich sicherlich lohnen. Der Bürgermeister verwies auf das Finanzloch und verneinte den Vorschlag. Wenn etwas aufgrund der fehlenden Prüfung passiere wäre mit genauso wie auch ohne GW dran und müsste seinen Kopf hinhalten.
    Ist das zu glauben? Geht es heutzutage nur noch um Geld? Zählt das Leben eines Feuerwehrmannes/-frau nichts? Ist es wirklich so gleichgültig ob etwas passiert was im Vorfeld schon verhindert werden könnte und damit verbunden wieder enorme Summen auflaufen?
     

  17. Meine Meinung am 18. Juli 2011 08:08

    @Bolde112 Ja Geld ist heut zu Tag mehr wert als Menschenleben. Ich weiß das unser hauptamtlicher als Hilfsarbeiter eingestellt ist!!! Also bekommt er auch dem entsprechend wenig Geld. Sparen wo es nur geht… Wenn man seine Meinung äußert wird einem dann gleich noch gedroht. Die Politiker lügen wenn sie den Mund aufmachen aber das ist ja nix neues. Wer nicht lügen kann hat keine Chance in der Politik. Wir hatten dieses WE 4 Einsätze und bei jedem Einsatz waren nicht mehr als 9 Leute da(60 aktive) und warum? Unser Bgm ist der Meinung die Freiwilligen sollen mehr tun und fordert die Feuerwehr zu bescheidenen Aufgaben an die gar nicht das Problem der Feuerwehr sind sonder Aufgaben des Bauhofes. Doch die Feuerwehr ist kostenlos die Bauhofmitarbeiter kosten Geld. Wenn wunderts das dann kein Mensch mehr kommt?
    Auch wenn es unserem Bgm nicht bewusst ist und er es wahrscheinlich auch gar nicht wissen will aber seit dem er im Amt ist zerstört er die Motivation der Mannschaft.
    Und das die Gemeinde kein Geld hat ist nur eine faule ausrede wenn ich sehe was sie an anderen Stellen  dafür kaufen…
    Das Problem mit der Sicherheit ist nicht nur bei der Feuerwehr sondern allgemein in Gemeindlichen Einrichtungen. Es wird gespart ohne rücksicht auf verluste. Leitern die jeder Privathaushalt schon lang entsorgt hätte werden hier Tag für Tag genutzt. Wenn man nach dem Arbeitssicherheitsbeauftragten fragt findet man niemanden.Aber Hauptsache im Rathaus liegen Teppiche mit Wappen drauf oder es werden mal alle PC’s getauscht damit es ein Einheitliches Bild gibt….
    Leider Gottes sitzen die blödesten bei uns ganz oben. Wenn dann doch mal was gekauft wird was der Feuerwehr oder dem Bauhof zu gute kommt bestellen es Büroleute die keine Ahnung davon haben aber wissen das es am billigsten ist. Dem ensprechend oft kann man sich über neue sachen nicht freuen da es nur Müll ist.  So ist es halt in Deutschland je weniger Ahnung man hat desto höher ist man angesehen.

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