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Seit den Anfängen des Feuerwehr Weblog vor über sechs Jahren hatte ich das Privileg, die eine oder andere Feuerwehr hierzulande kennenzulernen. Jenseits der Reportagen lernt man natürlich auch die Leute kennen, und oftmals auch die Kultur in deren Wehr. Technik, Ausbildung oder Motivation in allen möglichen Ausprägungen, positiv wie negativ.

Eines jedoch taucht fast nie auf: ein Blick in die Zukunft. Und zwar ein fundierter. Wenn überhaupt, dann habe ich einen Beschaffungsplan für Fahrzeuge sowie Aktionen zur Gewinnung von Nachwuchs gesehen, aber die Zukunft besteht ja aus viel mehr. Wer hat sich denn mal eingehend damit beschäftigt?

Wer definiert denn Ist-Parameter wie Ausrückestärke und -zeiten, Umweltfreundlichkeit, Ausbildungsstand und Wahrnemung nach aussen? Wem ist denn überhaupt bewusst, woher die größten Herausforderungen in fünf Jahren kommen werden?

Es gibt dabei so viel „Werkzeug“, das meiste im Bereich der Geschäftsplanung, die sich aber mitnichten zum Betrieb einer Feuerwehr unterscheidet. Nehmen wir beispielsweise die „SWOT„-Analyse. SWOT steht im übersetzt für Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen. Hat denn jemand einfach diese Kategorien an die Wand gemalt und mal darüber nachgedacht?

Konkrete Beispiele: was ist, wenn der stärkste Gewerbesteuerzahler zwei Gemeinden weiter zieht? Was ist, wenn man die aktuelle Zu- oder Abwanderungsbewegungen extrapoliert? Was ist, wenn die Nachbarwehr zumacht? Und was ist, wenn eine Wehr im gleichen Kreis plötzlich auch ähnliche Kernkompetenzen bei Sonderthemen übernimmt? Es ist mehr als eine Wehr auf diese Art „überrollt“ worden und in der AAO ganz nach hinten gerückt, weil man es politisch einfach versäumt hat.

Ich kann jedem raten, sich dafür ein wenig Zeit zu nehmen, und zumindest ein Paar Alternativen für die Zukunft auszumalen, und je mehr realistische Szenarien durchspielt (siehe auch Szenarioanalyse) werden, desto weniger (böse) Überraschungen. Hilft übrigens auch bei der Argumentation wenn es um Investitionen geht.

Im Umkehrschluss ist es traurig, wie wenig Wissen – auch über die Pläne der eigenen Wehr – und wie wenig Weitsicht vorherrschen. und wie wenig Mannschaften in die Zukunftsplanung einbezogen werden, insofern diese überhaupt stattfindet.

Ausschlag gebend für diese Gedanken ist der „Hampshire Fire and Rescue Service Plan 2011 – 2014“, den man hier einsehen kann. Schön auch der Untertitel: „This explains what we plan to do to make Hampshire safer“. Hier macht man sich nicht nur Gedanken über die Zukunft, sondern bestimmt Kernthesen und beziffert diese auch noch. Es werden verschiedene Bedrohungen benannt, was dagegen unternommen wird. Und bei uns eigentlich undenkbar die Aussage: „We want to be the best Fire and Rescue Service in the country“. Hoch gegriffen? Vielleicht, aber einen Anspruch darf man auch an sich selbst stellen.

Überhaupt ist die Publikation eine sehr empfehlenswerte Lektüre, und ein gutes Beispiel für Offenheit und Weitsicht. Ob der eingeschlagene Weg der richtige ist, wird sich zeigen, aber wer einen solchen Anspruch an sich selbst stellt, kann davon nur profitieren.

Im Sinne dieses Artikels: einfach ab Seite 5 durchlesen, hier geht es um die Sicht auf das Jahr 2015. Das ist gar nicht so weit in die Zukunft, aber deutlich weiter als der eigene Tellerrand.

An dieser Stelle würde mich wirklich interessieren, ob sich jemand ausführlich und in verschiedenen Facetten mit der Zukunft beschäftigt hat.

Kommentare

2 Kommentare zu “Wie wird es denn aussehen? Blick in die Zukunft in UK” (davon )

  1. Cimolino am 18. Juli 2011 07:06

    Hallo,

    optisch gut gemacht, allerdings ist das ganze auch „nur“ eine Mischung aus
    – Leitbild
    – Mittelfristiger Investitionsplan
    – Brandschutz-/Feuerwehrbedarfsplan
    – Jahresbericht
    – Zielvereinbarungen
    Gibts in deutschen Feuerwehren auch, aber m.W. (noch) nicht in so zusammen gestellter Form.
    Ob das alles so sinnvoll ist – und was sich wirklich dahinter verbirgt, kann man auf die schnelle sowieso nicht beurteilen…. (z.B. macht ein SFV bei entsprechenden Lagen in entsprechenden Gegenden schon Sinn, aber wo kommt das Personal dafür her? Ist das wirklich zusätzlich, oder schwächt das die anderen Fahrzeuge durch Springerbesetzungen – und wie wirkt sich das aus?)

    Vieles davon ist mit Sicherheit rein politisch motiviert, ob man das so durchsetzen kann, hängt nicht nur (wie bei Frauen, Migranten) von geeigneten Bewerbern ab, sondern oft auch von den finanziellen Ressourcen und deren Gestaltungsmöglichkeiten (z.B. im Baubereich).

  2. Solgull am 18. Juli 2011 11:44

    Und die wenigstens (Freiwilligen) Feuerwehren werden alle diese Punkte vernünftig bearbeiten.
    Hier gibt es immerhin Brandschutzbedarfsplan und Jahresbericht. Wobei der Jahresbericht vieles ist, aber sicherlich nicht gut und informativ.
    Was mir fehlt ist ein „Masterplan“ – Ein Dokument das für meine Feuerwehr festlegt, wo wir eigentlich stehen wollen oder müssten – ohne Berücksichtigung von anderen Resourcen wie Geld oder Personalreserven. Daran könnte man sich dann jedes Jahr wieder neu messen und schauen, ob man sich diesem Idealbild eigentlich genähert oder entfernt hat.
    Natürlich müsste man auch den Masterplan regelmäßig wieder anpassen an neue Technik und andere neue Städtische Gegebenheiten (Zum Beispiel ein neues Gewerbegebiet).

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