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Rezension: “Atemschutz-Notfallmanagement”

3. September 2010 von Stefan Cimander · Kommentieren 

(sc). „Der beste Sicherheitstruppeinsatz ist der, der gar nicht erst stattfinden muss“ schreiben die Autoren des Buchs „Atemschutz-Notfallmanagement“ zu Beginn. Weil dieser Einsatz jedoch nicht auszuschließen ist, legt das Buch in 14 Kapiteln theoretische und praktische Grundlagen für Ausbildung, Taktik und Organisation eines Atemschutznotfallkonzepts dar.

Einteilung des Buches

Das Buch lässt sich in einem theoretischen und einen praktisch-taktischen Teil gliedern. Der theoretische Teil stellt die historische Entwicklung, Unfallursachen, Sicherheitstruppkonzepte und -typen dar. Im praktisch-taktischen Teil behandeln die Autoren die Einsatzvorbereitung und -planung, die Tätigkeiten des Sicherheitstrupps, Varianten der Atemluftversorgung, Varianten der Sofort- und schonenden Rettung, Verhalten in Notfällen, Retten aus Höhen und Tiefen sowie die Ausbildung.

Inhalt der Kapitel

Das erste Kapitel stellt knapp die „historische Entwicklung des Sicherheitstrupps“ dar. Erst mit dem tödlichen Unfall von Brandmeister Stampe (Feuerwehr Köln) trat der Sicherheitstrupp ins Bewusstsein, schreiben die Autoren.

Im Kapitel „Ursachen für Atemschutznotfälle“ indizieren die Autoren externe und menschliche Faktoren, die zu einem Atemschutznotfall führen können. Dabei konstatieren sie, dass Unfälle meist in einer Kausalkette begründet liegen.

Kapitel 3 beschreibt ein Sicherheitstruppkonzept. Dabei stellen die Autoren eine Liste mit Anforderungen auf. Zugleich fordern sie realistische Planungsgrundlagen bezüglich Personalressourcen und Kooperation mit anderen Feuerwehren. Jeder Sicherheitstruppeinsatz ist neben rechtlichen auch einem zeitlichen Aspekt unterworfen, wie die Autoren betonen.

Im Kapitel „Sicherheitstrupptypen“ stellen die Autoren verschiedene Konzepte von leichtem, schwerem und kombiniertem Sicherheitstrupp, SET- bzw. On-Deck-Konzept vor und charakterisieren Ausrüstung, Taktik und Ausbildung. Dabei akzentuieren die Autoren, dass ein Sicherheitstrupp gut geplant und ausgebildet sein muss. Besonders interessant ist das Thema Sicherheitstrupp und ABC-Einsatz, das ein wenig beschriebenes Thema darstellt. Die Autoren zeigen den enormen Personalbedarf, legen aber auch Probleme der Rettung und die Vereinbarkeit von FwDV 500 und FwDV 7 dar.

Kapitel 5 widmet sich der „Einsatzvorbereitung und -planung für einen erfolgreichen Sicherheitstruppeinsatz“. Die Autoren bringen zum Ausdruck, dass nur mit der richtigen Führungsstruktur, einer geeigneten AAO und Reserveplanung sowie einer belastbaren Kommunikationsinfrastruktur ein Atemschutznotfall zu bewältigen ist. Dazu gehören auch taktische Ventilation und ein umfangreiches Verständnis von Atemschutzüberwachung.

Das Kapitel „Tätigwerden des Sicherheitstrupps“ beschreibt die Bereitstellung, Tätigkeiten während Bereitstellung, Einsatz, Suchen und Retten des verunglückten Trupps. Dass ein Sicherheitstrupp nicht nur seine Zeit „absitzt“, sondern am Einsatz aktiv teilnimmt, erörtern die Autoren anhand von möglichen Tätigkeiten, die der Sicherheitstrupp wahrnehmen kann. Gerade das Suchen und Retten beschreiben die Autoren intensiv. Dabei zeigen die Autoren durch Gegenüberstellung die Vor- und Nachteile von schonender und Sofortrettung.

In Kapitel 7 „Varianten zur Sicherstellung der Atemluftversorgung“ geben die Autoren verschiedene Arten und das Vorgehen bei der Sicher- und Wiederherstellung der Atemluftversorgung wieder. Die Autoren kritisieren insbesondere die Fixierung auf den Maskenwechsel und plädieren als einfachste Methode auf den Wechsel des Lungenautomaten.

Im Kapitel „Varianten der Sofortrettung“ erläutern die Autoren Taktik und Ausrüstung zur Rettung von Atemschutzgeräteträger. Die Autoren legen dar, dass zu viele Hilfsmittel den Trupp langsam machen. Die Ausbildung der Rettungsmethoden muss so einfach wie möglich gestaltet sein. Die Autoren zeigen dazu verschiedene Rettungsverfahren. Im folgenden Kapitel „Varianten zur schonenden Rettung“ legen die Autoren dagegen Taktik und Hilfsmittel für eine schonende Rettung dar.

Dass sich ein verunfallter Trupp in gewissem Maß selbst helfen kann, legen die Autoren im Kapitel 10 „Verhalten in Notfällen – Selbsthilfe bzw. Selbstrettung“ dar. Dazu gehören neben dem korrekten Mayday-Ruf auch bestimmte Reflexhandlungen, wie z.B. der Griff zum Flaschenventil.

Im Kapitel „Rettung aus Höhen und Tiefen“ schildern die Autoren Varianten der Fremd- und Eigenrettung aus Höhen bzw. Fremdrettung aus Tiefen.

Die Atemschutzausbildung ist mehrfach Thema, ist aber in Kapitel 12 „Ausbildung – Notfalltraining“ nochmals primärer Gegenstand. Zur Ausbildung gehört neben der Wiederholung von Grundlagen auch die Realitätsnähe. Teil der Ausbildung muss aber auch die Psychologie sein, insbesondere die Entstehung von Stress und das Stressmanangement. Das Thema Informationsverarbeitung spielt hierbei eine wichtige Rolle. Hat ein Atemschutzgeräteträger diese Problematik gelernt zu verarbeiten bzw. ihr zu entgegnen, ist ein wichtiger Baustein der Ausbildung gegeben. Die Autoren geben weiterhin Beispiele für Übungen und beschreiben das grundsätzliche Vorgehen beim Aufbau einer Atemschutznotfall-Ausbildung.

Im vorletzten Kapitel „Entwurf einer SER“ beschreiben die Autoren den Vorteil einer Standard-Einsatz-Regel für einen Sicherheitstruppeinsatz. Im letzten Kapitel finden sich ein Vordruck für eine Unfallmeldung, eine Checkliste zur Dokumentation der Übergabe einer Einsatzstelle und eine Ausbildungsempfehlung für die Atemschutz-Notfalltraining mit Beispielen.

Zusammenfassung

Als roter Faden zieht sich das Thema Ausbildung durch das Buch. Mehrfach kritisieren die Autoren den Status quo der Ausbildung und der vermittelten Ausbildungsinhalte sowie die mangelnde Intensität der Ausbildung. Diese Kritik bezieht sich, sowohl auf die Führungskräfte, als auch auf die Atemschutzkräfte – egal ob hauptamtlich oder freiwillig. Analog dazu konstatieren die Autoren auf Seite der Einsatzkräfte eine mangelnde Bereitschaft sich eine „Mayday“-Situation einzugestehen.

Dies liegt – wie man immer wieder zwischen den Zeilen lesen kann – an einem kulturellen Problem und der vorherrschenden Mentalität in deutschen Feuerwehren, die „Hilfe rufen“, „Hilfe annehmen“ und mit Nachbarfeuerwehren kooperieren nicht zulässt.

Kooperation ist aber wegen des Ressourcenbedarfs bei einem Atemschutznotfall notwendig, wie die Autoren dokumentieren. Das kulturelle Problem führt insgesamt zu Konzeptlosigkeit bei der Einsatzvorbereitung und Fehler in der Ausbildung bzw. falschem Heldentum bei den Atemschutztrupps. Im Grunde konstatieren die Autoren, dass viele Feuerwehren mit einem komplexen Atemschutz-Notfallmanagement überfordert sind.

Nicht minder kritisch weisen die Autoren auf andere Missstände hin, z.B. der laxe Umgang mit der G26.3 Untersuchung, bzw. hinterfragen die persönliche Schutzausrüstung (Feuerwehrhaltegurt).

Insbesondere die geringe Rezeption von und Diskussion über die vorliegenden Unfallberichte, stimmt die Autoren nachdenklich, was die Lern- und Anpassungsfähigkeit des Feuerwehrwesens betrifft. Dies zeigt sich daran, dass z.B. der Sicherheitstrupp in der FwDV 7 geringe Aufmerksamkeit erhält.

Das Buch spricht weiterhin Aspekte an, über die sich Feuerwehren und Einsatzkräfte wenig oder keine Gedanken machen, wie z.B. Rückzugsignale, Fortführung des ursprünglichen Einsatzes bei einem Atemschutznotfall, Anpassung der AAO an den Atemschutznotfall bzw. erweiterte Aufgaben der Atemschutzüberwachung.

Zugleich widerlegen die Autoren den „Abweichen-von-der-UVV“-Mythos und zeigen physische und zeitliche Restriktionen eines Sicherheitstrupps, die in dieser Form in der Ausbildung wenig thematisiert werden, eben weil kein tragbares Konzept vorhanden ist oder man sich bestimmte Aspekte nicht eingestehen will.

Ein gänzlich unbekanntes bzw. wenig rezipiertes Thema greifen die Autoren mit dem Komplex „Sicherheitstrupp und Atemschutzunfälle im ABC-Einsatz“ auf. Neben der Komplexität zeigen die Autoren den um ein vielfaches erhöhten Ressourcenbedarf auf. Spätestens hier zeigen die Autoren deutlich, dass es ohne Kooperation, intensive Ausbildung und einem Konzept zu keiner erfolgreichen Rettung kommt.

Kritik des Rezensenten

Kritisch aus Sicht des Verfassers (der Rezension) ist die sehr kurz geratene historische Betrachtung des Sicherheitstrupps. In diesem Kapitel hätten die Autoren eine Analyse für das noch immer bestehende „stiefmütterliche“ Dasein des Sicherheitstrupps darlegen können. Offenbar liegt dieses in der Feuerwehrgeschichte bzw. dem schon mehrfach erwähnten kulturellen Problem begründet

Weiterhin ist die Beschreibung der Ausrüstung, die Taktik und Organisation des SET leider über mehrere Kapitel verteilt, sodass das SET erst gegen Schluss des Buches Kontur gewinnt.

Fazit

Die Autoren exponieren, dass die Atemschutz- und Sicherheitstruppausbildung angepasst werden muss. Der Vorschlag einen Atemschutzlehrgang II einzuführen, dem als Schwerpunkt das Thema Atemschutznotfallmanagement zu Grunde liegt, ist – auch vor den im Buch beschriebenen Problemen und Anforderungen – zuzustimmen.

Das Buch „Atemschutz-Notfallmanagement“ ist damit eine Pflichtlektüre für die Einsatzplanung und -vorbereitung sowie für die Ausbildung. Gerade weil kulturelle Probleme und nicht existierende Dienstvorschriften dem Atemschutz-Notfallmanagement entgegenstehen, stellt das Buch wichtige Grundlagen dar, die von allen an einem Einsatz beteiligten unbedingt rezipiert werden sollten. Kaufen – lesen – anwenden! (Autor der Rezension: Stefan Cimander, www.fwnetz.de)

Cimolino, Ulrich; Adrian Ridder; Björn Lüssenheide; Christian Reeker, Jan Südmersen: Atemschutz-Notfallmanagement: Organisation, Ausbildung und Ausrüstung für Sicherheitstrupps und Schnelleinsatzteams. Hrsg. v. Ulrich Cimolino. Verlag Ecomed Sicherheit. Heidelberg 2010. 268 Seiten. ISBN 978-3-609-77484-8. Preis 44,95 Euro.

Notfall drinnen, Notstand draußen?

31. August 2010 von Christian Lewalter · 8 Kommentare 

Von Bernd Hoeft.

Um im Falle eines Atemschutznotfalles ausreichend auf die veränderte Situation reagieren zu können, müssen von Führungskräften der Feuerwehren einige Dinge, zum Teil bereits im Vorwege beachtet werden. Zudem muss die gesamte Mannschaft auf einen solchen Fall vorbereitet sein, um ein adäquates, vernünftiges Handeln in dieser Extremsituation zu ermöglichen.

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Digitalfunk, Alarmierung und EDV #Interschutz (2)

29. Juli 2010 von Harald Laier · Kommentieren 

(hl). Auf der Interschutz 2010 in Leipzig präsentierten die Aussteller Produkte und Neuheiten rund um die Themenbereiche Digitalfunk, Alarmierung und EDV. Das FWNetz stellt dieses Themengebiete in mehreren Teilen vor: Weiterlesen…

Atemschutznotfall-Management in Hamburg

19. Juli 2010 von Stefan Cimander · 6 Kommentare 

(sc). Auf der Interschutz 2010 in Leipzig konnten die Besucher am Stand von atemschutzunfaelle.eu mit verschiedenen Experten aus dem Bereich Atemschutz diskutieren. Bewusst war dies nicht als Vortrag konzipiert, sondern als lockeres Gespräch. Unter anderem stellte sich Lars Lorenzen von der Feuerwehr Hamburg den Fragen zum Thema Atemschutznotfalltraining in der Hansestadt. Weiterlesen…

Effektive Desinfektion mit Kaltnebel

9. Juli 2010 von Stefan Cimander · Kommentieren 

(sc). Interessante Lösungsansätze für die Probleme des Desinfektions-Alltags präsentierte die Firma OWR GmbH (früher: Odenwaldwerke Rittersbach) auf ihrem Messestand auf der Interschutz 2010 in Leipzig. Das Thema Hygiene war der Schwerpunkt der ausgestellten Produkte. Dazu zeigte  Innova Solutions zusammen mit seinem Vertriebspartner OWR u.a. mehrere Geräte aus dem Bereich der Kaltnebeldesinfektion. Weiterlesen…

Schnellangriffsfahrzeug für Wald- und Flächenbrände

7. Juli 2010 von Stefan Cimander · 5 Kommentare 

Waldbrandbekämpfungsfahrzeug auf VW Amarak mit einem @fire-Logo

(sc). Ein Einsatzfahrzeug speziell für die Wald- und Flächenbrandbekämpfung und mit ungewöhnlicher Optik war auf der Interschutz 2010 in Leipzig am Stand von Volkswagen zu sehen. Das Entwicklungsbüro FFT Zawadke konstruierte zusammen mit dem Aufbauhersteller Lentner und der Pumpentechnologie von Callies Brandbekämpfungssysteme ein Pickup-Fahrzeug, das prototypisch auf einem 0-Serien Fahrzeug vom Typ VW Amarok montiert war.     Weiterlesen…

Ein Wort zu unserem Interschutz-Sponsor

26. Juni 2010 von Christian Lewalter · Kommentieren 

(cl). Wie ihr bei unseren Interschutz-Artikeln sicherlich gesehen habt, hatte das FWnetz Team die Firma RESQTEC als Sponsor für unsere Berichterstattung gewinnen können. Aus diesem Grund stelle ich RESQTEC in diesem Artikel vor.

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Digitalfunk, Alarmierung und EDV #Interschutz (1)

24. Juni 2010 von Harald Laier · 1 Kommentar 

(hl). Auf der Interschutz 2010 in Leipzig präsentierten die Aussteller Produkte und Neuheiten rund um die Themenbereiche Digitalfunk, Alarmierung und EDV. Das FWNetz stellt dieses Themengebiete in mehreren Teilen vor: Weiterlesen…

Promotion: Nackte Haut und Werbegeschenke auf der Interschutz

19. Juni 2010 von Sebastian Stenzel · 1 Kommentar 

Interschutz 2010Leipzig (sn), (sst). Um Werbung kommt man heutzutage nicht mehr herum. Ob Fernsehspots, Plakate oder Werbeflyer, nahezu jeder Hersteller wirbt für sein eigenes Produkt, um es zu verkaufen. Auch auf der Interschutz zogen die verschiedenen Hersteller alle Register, um auf sich und ihr Produkt aufmerksam zu machen. Nackte Haut, Werbegeschenke oder Produktplatzierungen auf den Ständen anderer Hersteller – auf der Interschutz 2010 in Leipzig war alles vertreten. Weiterlesen…

Spezialist für die Offroad-Brandbekämpfung

17. Juni 2010 von Stefan Cimander · Kommentieren 

(sc). Der Zetros feierte auf der Messe „Interschutz 2010“ seine Premiere als Tanklöschfahrzeug TLF 30/90-5 (und am Stand von Ziegler als RW 2). Der Zetros ist ein Haubenfahrzeug, das Mercedes-Benz für hohe Nutzlast in schwerem Gelände konzipierte, dabei gleichzeitig straßentauglich ist. Der Zetros setzt dort an, wo der schwerste Unimog (14.000 Kilogramm) aufhört. Damit rundet Mercedes-Benz sein Fahrzeugprogramm nach oben hin ab, und schafft eine interessante Lösung für die Offroad-Brandbekämpfung. Ursprünglich entwickelte Mercedes-Benz den Zetros für das Bau- und Energiewesen als Lastenträger. Weiterlesen…

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